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19.02.2004

16:09 Uhr

Standort Leipzig wird möglicherweise geschlossen

Pfleiderer verdoppelt den Verlust

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Pfleiderer seinen Vorsteuerverlust fast verdoppelt. Nach Ende der Umstrukturierung will der in der Oberpfalz ansässige Mischkonzern für 2004 wieder mit schwarzen Zahlen aufwarten.

HB NEUMARKT. Über die Platzierung von Aktien der polnischen Tochter Pfleiderer Grajewo S.A. will das im SDax gelistete Unternehmen 40 bis 50 Millionen Euro erlösen und somit die Eigenkapitalquote von 17,4 Prozent verbessern.

Für das laufende Jahr erwarte er keine nennenswerte Belebung, sagte Pfleiderer-Chef Hans Overdiek am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Konkrete Geschäftsprognosen lehnte er ab, ergänzte aber, nach der Trennung von verlustreichen Randgebieten wie der Windenergie-Sparte gehe er für 2004 von schwarzen Zahlen aus. „Wir haben einen Schlussstrich unter die Belastungen der Vergangenheit gezogen (...) Ich habe derzeit keine Zweifel daran.“ Finanzchef Jürgen Koch kündigte an, die Netto-Verschuldung von 262 (Vorjahr 307) Millionen Euro 2004 weiter deutlich drücken zu wollen.

Overdiek, der nach eigenen Worten mit einer Marktbereinigung etwa in der Holzwerkstoff-Branche rechnet, schloss Zukäufe nicht aus. Pfleiderer sehe sich hier eher in einer aktiven Rolle, sagte er. Ob aktuell Gespräche laufen, ließ er offen. Bis zum Nachmittag gewann die Pfleiderer-Aktie in einem schwächer tendierenden Gesamtmarkt 3,7 Prozent auf 4,20 Euro.

Schließung des Standorts Leipzig möglich

2003 verbuchte Pfleiderer vor Steuern einen Verlust von 33,6 (2002: 18,8) Millionen Euro, wobei hier die abgegebenen Bereiche - also etwa Windenergie und Dämmstoffe sowie damit verbundene Rückstellungen - mit minus 45 Millionen Euro zu Buche schlugen. Das künftig noch relevante Kerngeschäft mit Holzwerkstoffen und Infrastrukturtechnik wie etwa Eisenbahnschwellen hätte alleine hingegen einen Gewinn von 11,4 Millionen Euro verbucht. Der Umsatz stagnierte mit 1,02 (1,03) Milliarden Euro praktisch.

Bei der von Overdiek angekündigten Aktienplatzierung in Polen, die irgendwann im laufenden Jahr stattfinden soll, kann es sich sowohl um die Abgabe alter Papiere als auch die Ausgabe neuer Anteilsscheine im Zuge einer Kapitalerhöhung handeln. Pfleiderer wolle aber weiter 60 bis 70 Prozent an der Tochter halten, sagte der Vorstandschef. Derzeit seien es 90 Prozent. Gespräche mit potenziellen Investoren liefen derzeit nicht. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass die Eigentümerfamilie entgegen früheren Andeutungen nun doch nicht auf eine Mehrheit am Unternehmen verzichten will. Damit wird die Gesellschaft für den Einstieg von Investoren deutlich unattraktiver.

Unzufrieden zeigte sich Overdiek mit dem Abschneiden der Fertigung von Windkrafttürmen in Leipzig, wo mit zuletzt 110 Mitarbeitern ein Umsatz von rund 30 Millionen Euro erzielt wurde. Pfleiderer prüfe hier Fortführung, Auslagerung in ein Joint Venture sowie die Schließung. Vorsorglich seien bereits 15 Millionen Euro an Rückstellungen im Abschluss 2003 enthalten.

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