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29.06.2012

12:02 Uhr

Standort-Schließung

Merck-Mitarbeiter hungern für Sozialplan

VonHolger Alich

Der Pharma-Konzern bleibt dabei. Der Standort der Tochter Serono in Genf wird geschlossen, die Stellen fallen weg. Doch Mitarbeiter wollen einen besseren Sozialplan - und gehen in den Hungerstreik.

Kreativer Protest der Mitarbeiter von Merck Serono. Reuters

Kreativer Protest der Mitarbeiter von Merck Serono.

GenfDie Schweiz gilt als Hort der Stabilität. Das gilt auch für die Arbeitsbeziehungen, denn in welchem anderen Land der Welt würde das Stimmvolk wohl freiwillig gegen längere Ferien votieren. Aber der Entschluss des deutschen Pharma-Konzerns Merck, den Standort Genf der Tochter Serono zu schließen, hat einen wahren Schock ausgelöst. Einige Betroffene starteten gar einen Hungerstreik. Nun kommt Bewegung in den Streit.

Die Nachricht war wie eine Bombe eingeschlagen: Merck Serono schließt seine Standorte Genf und Coisins, um Doppelarbeiten bei Forschung und Verwaltung einzusparen. Von 1.250 Arbeitsplätzen sollen 500 gestrichen und der Rest in die USA oder an den Stammsitz nach Darmstadt verlagert werden.

Seitdem ist es aus mit der Ruhe in der Westschweiz. Die Gewerkschaft Unia verlangt eine Nachbesserung des Sozialplans und kämpft dafür, dass Merck sich finanziell an einem Konzept zur Weiterführung der Labore in Genf beteiligt. Doch Merck entgegnet, dass der Konzern den Sozialplan bereits einmal nachgebessert habe. „So wurde das Alter für Frühverrentung von 58 auf 56 Jahre gesenkt“, sagte eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt Online. Um Projekte für einen Weiterbetrieb des Standorts Genf zu unterstützen, bietet Merck einen Fonds von 30 Millionen an.

Das Geld dürfte aber nicht reichen, um den Forschungsstandort unter neuer Regie fortzuführen. Und vom Staat sind in der liberalen Schweiz keine Gelder zu erwarten. Das Management will aber nicht mehr über das Volumen des Sozialplans reden, sondern allenfalls über dessen Umsetzung. Daher hatte die Gewerkschaft Unia zu Streiks aufgerufen.

Nun kommt Bewegung in den Fall: Denn auch die Genfer Kantonsregierung war ziemlich sauer, als sie von den plötzlichen Schließungsplänen erfuhr. Das Kanton hatte eine Mediation angeboten, doch Merck hatte abgelehnt.

Die Kantonalregierung zwingt Merck jetzt an den Verhandlungstisch zurück. Auf ihrem Antrag hin hat die Genfer Kammer für kollektive Arbeitsbeziehungen entschieden, die Direktion von Merck Serono vorzuladen. Die Gewerkschaft Unia feiert das als wichtigen Punktsieg gegen „die arrogante und sture Haltung“ der Direktion.

Merck Serono selbst zeigt sich entspannt. Die Kammer für kollektive Arbeitsbeziehungen habe keine Macht, eine Nachbesserung des Sozialplans zu verlangen. „Wir wollen den Dialog fortsetzen“, versicherte aber eine Sprecherin.

Ob diese Gespräche aber Verbesserungen bringen können, die die Arbeitnehmer zufrieden stellen, ist fraglich. Als Zeichen des guten Willens hat die Gewerkschaft Unia nun beschlossen, bis auf weiteres von neuen Streiks abzusehen.

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