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25.02.2013

12:00 Uhr

Standort-Studie

Warum die deutsche Autoindustrie die Konkurrenz abhängt

VonLukas Bay

Deutschlands Autoindustrie verteidigt bei Qualität, Innovation und Produktivität ihren Spitzenplatz in Europa. Doch die Führungsrolle wird zunehmend angefochten. Andere Standorte punkten mit niedrigen Produktionskosten.

Glänzende Aussichten: Die deutsche Autoindustrie hat europaweit den besten Ruf. AFP

Glänzende Aussichten: Die deutsche Autoindustrie hat europaweit den besten Ruf.

DüsseldorfDeutschland bleibt auch 2013 das Herz der europäischen Autoindustrie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. In einer repräsentativen Befragung unter 300 Unternehmen der europäischen Automobilbranche, darunter 45 Hersteller und 265 Zulieferer, landet Deutschland bei Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität auf dem Spitzenplatz. Nur bei den Produktionskosten landet Deutschland im Mittelfeld. Schuld daran seien vor allem die Kosten der Energiewende, meint von Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young und Autor der Studie.

Unter den deutschen Unternehmen regiert auch in der Krise überwiegend der Optimismus. 57 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut oder eher gut. Satte 90 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten weiter verbessern wird. Jedes vierte Unternehmen will darum auch die Produktionskapazitäten erweitern, jedes fünfte auch weitere Stellen schaffen.

Der deutsche Optimismus hat mehrere Ursachen: Zum einen sind die Deutschen führend im Premiumsegment, in dem jedes dritte befragte Unternehmen auch 2013 weiteres Wachstum erwartet. Zum anderen haben sich die deutschen Hersteller in den Wachstumsmärkten China und USA gut positioniert.

In Zwangsoptimismus üben sich dagegen die Franzosen. Während das Land bei Innovationskraft, Produktivität, Produktionskosten und Produktqualität zu den großen Verlierern gehört, sind die Hersteller in keinem anderen europäischen Land optimistischer. 90 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, jedes vierte sogar mit einer deutlichen Verbesserung.

Woher dieser Optimismus rührt, bleibt unklar. Nicht nur die großen französischen Autokonzerne Renault und Peugeot/Citroën planen im kommenden Jahr massive Kürzungen. Auch nach Einschätzung der befragten Unternehmen dürften die großen Probleme der Franzosen im Jahr 2013 bestehen bleiben. Im mittleren Preissegment, in dem die Franzosen traditionell stark sind, rechnet nur jedes fünfte Unternehmen mit Wachstum, jedes dritte allerdings mit einem Rückgang des Neuwagen-Geschäfts.

Westeuropa, der wichtigste Markt der Franzosen, bleibt die schwierigste Wachstumsregion der Welt. 15 Prozent aller befragten Unternehmen rechnen dort mit steigenden Absätzen, ganze 43 Prozent gehen dagegen von sinkenden Verkäufen aus. Die deutschen Unternehmen gehen im Schnitt von einem europäischen Markt aus, der um vier Prozent schrumpft. Wichtigste Wachstumsmärkte der europäischen Hersteller bleiben China und Indien, in denen die Produzenten durchschnittlich von einem Wachstum von sechs beziehungsweise fünf Prozent ausgehen.

Welche Autostandorte die beste Qualität produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktqualität der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Türkei
Nirgendwo wird die Produktqualität schlechter bewertet als in der Türkei. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen halten die Türken für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Produktqualität hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 20 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Darunter leidet auch die Bewertung der Produktqualität. Vier Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 22 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch die Produktqualität wird nicht sonderlich hoch bewertet. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für wettbewerbsfähig.

Platz 14

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Produktqualität besteht Nachholbedarf. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet in der Bewertung der Produktqualität ebenfalls eher schlecht ab. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

China
Als Absatzmarkt ist China für die Hersteller immens wichtig, in der Produktion gibt es offensichtlich noch Probleme. Nur fünf Prozent halten China in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 27 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Spanien
Auch in Spanien werden derzeit die Autoproduktionen wieder hochgefahren. Sechs Prozent halten das Land in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 28 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Brasilien
Einen großen Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Produktqualität bewerten sieben Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 29 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen in punkto Produktqualität einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 31 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Italien
Auch wenn die Autoindustrie des Landes leidet, an der Produktqualität in der Heimat von Fiat und Ferrari kommen nur wenige Zweifel aus. Sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in diesem Punkt für sehr wettbewerbsfähig, 34 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Frankreich
Auch wenn der Mittelfeldplatz anderes vermuten lässt: Auch in punkto Produktqualität sind die Franzosen der große Verlierer des Rankings. Satte 15 Prozentpunkte hat der Standort seit 2011 eingebüßt. Mittlerweile halten nur noch zehn Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 34 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Produktqualität halten die Briten immerhin den Anschluss an die Spitzengruppe. 13 Prozent bewerten die Heimat von Mini und Rolls Royce als sehr wettbewerbsfähig, 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Produktqualität hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 47 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt auch an der Produktionsqualität der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Qualitätsranking satte 22 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 19 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 42 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Schweden
Auch in der Produktqualität belegt die Heimat von Volvo einen Spitzenplatz. 14 Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 19 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 43 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Produktqualität. 28 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 44 als eher wettbewerbsfähig. Das sind satte 18 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa qualitativ hochwertiger als Deutschland. Satte 51 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Produktqualität, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig


Kommentare (12)

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Hannes

25.02.2013, 14:34 Uhr

hier liegt die wahre begründung... http://www.youtube.com/watch?v=mfKuosvO6Ac die stunde, kann die sichtweise deutlich vergrößern...

Hannes

25.02.2013, 14:49 Uhr

zusatz: welcher italiener kauft sich einen fiat, wenn er zum gleichen oder kleineren preis einen vw (mit angepriesener besseren qualität) bekommen kann??? daran ist doch deutschland selbst schuld, wenn die inflation deutlich unter dem eu vereinbarten ziel getrieben wird und andere länder eine zu hohe inflation haben...

Emerott

25.02.2013, 16:22 Uhr

Italien (und Griechenland und der Rest der SÜD-EU) ist doch selbst schuld an ihrer hohen Inflationsrate. Das passiert eben, wenn man mit fremdem Geld Party macht.

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