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17.01.2013

20:47 Uhr

Startverbot für Boeings Dreamliner

Nur fliegen ist schöner

VonNils Rüdel, Martin Kölling, dpa

Nach der Pannenserie mit schmorenden Batterien beim „Dreamliner“ greift die US-Luftfahrtbehörde FAA durch: Sie erteilt den Boeing-Maschinen Startverbot. Nun bleiben weltweit die Flugzeuge des Typs 787 am Boden.

Pannenserie geht weiter

Boeing-Dreamliner müssen am Boden bleiben

Pannenserie geht weiter: Boeing-Dreamliner müssen am Boden bleiben

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New York/WarschauEs ist nicht weniger als ein Paradies in 10.000 Metern Höhe, was die US-Fluglinie United ihren Passagieren verspricht. Von einer „spektakulären Flugerfahrung mit unserem neuen Dreamliner“, sprach die Airline Anfang Januar, als sie die Strecke Los Angeles nach Tokio eröffnete. Die Boeing 787 „Dreamliner“ sei eine Maschine, „die das Fliegen revolutionieren wird“.

Doch daraus wird nun nichts. Nachdem Passagiere japanischer Airlines zuletzt zwei Mal die spektakuläre Flugerfahrung von schmorenden Batterien und einer Notlandung gemacht hatten, soll dies nun wenigstens den United-Kunden erspart bleiben: Am Mittwochabend ordnete die US-Luftfahrtbehörde FAA in einem drastischen Schritt an, dass alle in den USA registrierten Maschinen dieses Typs vorerst am Boden bleiben müssen.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Das betrifft die sechs Dreamliner, die United als bisher einzige US-Airline in Betrieb hat. Die Fluggesellschaft müsse der FAA erst beweisen, dass die eingebauten Lithium-Ionen-Akkus sicher sind, bevor die Maschinen wieder starten dürfen, teilte die Behörde mit. Es ist das erste Startverbot eines ganzen Flugzeugmodells in den USA seit mehr als 30 Jahren. Die Amerikaner richten sich dabei ausdrücklich auch an die Luftfahrtbehörden anderer Länder: Sie mögen „parallele Maßnahmen für ihre Flotten ergreifen“. Daraufhin haben auch die europäische und die japanische Luftfahrtbehörde den Betrieb des pannengeplagten Langstreckenflugzeugs bis auf Weiteres untersagt.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) teilte mit, der von der US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnete Flugstopp für die Flugzeuge gelte weltweit. Das sei eine „seltene Entscheidung“, sagte ein EASA-Sprecher in Köln. Nur das Land, in dem ein Hersteller seinen Sitz habe, dürfe eine solche Entscheidung treffen.

Anlass ist der jüngste Zwischenfall vom Mittwoch, als ein Dreamliner der japanischen Fluglinie ANA auf dem Weg nach Tokio wegen einer geschmorten Batterie und Rauch in der Maschine notlanden musste. Nur eine Woche zuvor hatte bereits eine 787 der Japan Airlines mit einem Batteriefeuer in Boston zu kämpfen.

Beide Airlines hatten daraufhin ihre zusammen 24 Dreamliner vorerst am Boden gelassen. Wann die Japaner die Maschinen wieder einsetzen werden, ist noch offen. ANA teilte mit, sie erst wieder starten zu lassen, wenn ihre Sicherheit garantiert sei. Dafür nehmen die Linien auch Einschränkungen im Flugverkehr in Kauf. Am Donnerstag musste ANA nach eigenen Angaben 35 Flüge streichen, auf 26 Strecken wurden Flieger getauscht.

Japan Airlines (JAL) setzt seine sieben Maschinen auf fünf internationalen Routen ein. Davon wurden am Donnerstag vier gecancelt. Das Grounding wird zu Einbußen führen, da das Unternehmen die Maschinen nicht mühelos ersetzen kann. Denn JAL hat nach seiner Pleite seine Flotte extrem zusammengestutzt, um sich zu sanieren. Eines der Opfer war die Jumbo-Flotte des Unternehmens.

Größte Dreamliner-Flotten (Stand: Ende 2012)

All Nippon Airways

17 Maschinen im Dienst

weitere 49 bestellt

Japan Airlines

7 Maschinen im Dienst

weiter 38 Maschinen bestellt

United Airlines

6 Maschinen im Dienst

weitere 36 Maschinen bestellt

Air India

5 Maschinen im Dienst

weitere 22 Maschinen bestellt

Qatar Airways

5 Maschinen im Dienst

weitere 25 Maschinen bestellt

Ethiopian Airways

4 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

LAN Airlines

3 Maschinen im Dienst

weitere 23 Maschinen bestellt

LOT (Polen)

2 Maschinen im Dienst

weitere 6 Maschinen bestellt

Auch Air India kündigte am frühen Donnerstagmorgen ebenfalls an, die eigenen sechs Maschinen vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen. Air India-Chef Rohit Nandan sagte der Zeitung „Times Of India“: Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr ziehen.

Die polnische Fluggesellschaft LOT zieht erste Konsequenzen aus der Pannenserie. LOT werde nach einer Kostenanalyse Schadenersatz von Boeing fordern, kündigte die Fluggesellschaft am Donnerstag an. „Wir analysieren den Vertrag mit Boeing mit Blick auf unsere Möglichkeiten, Kompensationen zu fordern“, sagte LOT-Vize-Chef Tomasz Balcerzak am Donnerstag. Die Verträge will die Airline aber nach eigenen Angaben einhalten. LOT soll bis Ende März drei weitere Dreamliner erhalten. Die Auslieferung neuer Maschinen will LOT aber davon abhängig machen, ob die technischen Mängel behoben wurden.

In einer Schaltkonferenz habe man mit Boeing gesprochen, hieß es am Abend von LOT-Vizevorstand Tomasz Balcerzak im polnischen Nachrichtensender TVN 24. Man habe allerdings noch keine Reaktion auf die Schadensersatzforderungen bekommen, lediglich Bedauern über die gegenwärtige Situation.

Boeing wolle am Freitagvormittag (Ortszeit) in Seattle der US-Luftfahrtbehörde drei Vorschläge zur Beseitigung der technischen Probleme mit den „Dreamlinern“ machen, erläuterte Balcerzak. Die Maschinen müssten im günstigsten Fall einige Tage am Boden bleiben, fielen womöglich aber wochenlang aus. „Das für die Airlines finanziell günstigste Szenario eines mehrtägigen Ausfalls ist aber wenig wahrscheinlich“, schränkte Balcerzak ein. LOT ist die bisher einzige europäische Flugggesellschaft, die zwei „Dreamliner“ in ihrer Flotte hat.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

17.01.2013, 08:18 Uhr

Boeings Albdreamliner (Nightmareliner) 787 Teil 1
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Das ist nur konsquent. Erst müssen die Probleme gelöst sein, bevor eine 787 wieder abheben darf. Und das weltweit! Solange bleiben sie eben am Boden.
Lithium-Ionen Akkus sind eben "brandgefährlich"!
Ob das Problem jemals gelöst werden kann, ist fraglich.
Und so ein Akku wiegt 30kg! Also wesendlich mehr als die in Handys oder Notebooks.

Zitat:
Probleme mit Lithium-Ionen-Batterien
Dafür häufen sich die Schwierigkeiten mit der Elektrik. Um Gewicht zu sparen, baute Boeing so viel Elektrik wie möglich in das Flugzeug ein – anstelle von Mechanik oder Hydraulik. So hat der Flieger beispielsweise elektrische Bremsen. Die Fenster lassen sich nicht simpel mit einer Schiebeklappe abdunkeln, sondern nur elektrisch auf Knopfdruck. Das soll besonders schick sein. Als sich jüngst dunkle Risse in einem Passagierfenster eines Modells zeigten, war das kein beginnender Bruch einer Scheibe, sondern ein Fehler in der Verdunkelungszwischenschicht.

Account gelöscht!

17.01.2013, 08:18 Uhr

Teil 2 von 2
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Erstmals kommen beim 787-Modell Lithium-Ionen-Batterien in großem Stil für die Stromversorgung zum Einsatz: etwa zur Stromversorgung der Hilfsturbine am Boden, für die Notbeleuchtung oder die Flugüberwachung. Die Technologie liefern die Konzerne Thales aus Frankreich, Meggitt/Securaplane Technolgies aus den USA und GS Yuasa aus Japan. Diese Hochleistungsbatterien, die auch in Handys und Laptops eingesetzt werden, sind bereits für Dutzende gefährlicher Zwischenfälle an Bord von Flugzeugen verantwortlich. Denn es gab Brände in Lagerräumen von Maschinen, in denen beispielsweise Laptops transportiert wurden.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA warnte 2007 bei der Konstruktion des Dreamliners bereits vor den Gefahren der Batterien und forderte besondere Sicherheitsvorkehrungen. In Expertenforen wird lebhaft darüber diskutiert, warum Boeing das Risiko der leichten Hochleistungs-Stromspeicher einging, obwohl herkömmliche Batterien nur 60 Kilo schwerer wären.
Zitat Ende:
Quelle: Stern
http://www.stern.de/reise/fernreisen/pannenserie-der-boeing-787-eine-diva-namens-dreamliner-1955708.html

Zorin

17.01.2013, 08:23 Uhr

Warum gehen mein EADS nicht durch die Decke? Anscheinend ist das Problem Boings kurzfristig und lösbar?!

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