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30.08.2012

10:31 Uhr

Statistisches Bundesamt

Deutsche Exporte in Euro-Krisenländer brechen ein

Die deutschen Exporte in die Euro-Krisenländer sind laut dem Statistischen Bundesamt im ersten Halbjahr eingebrochen. Gleichzeitig steigerten Krisenländer wie Portugal und Italien ihren Absatz in Deutschland.

Container werden auf ein Schiff geladen. AFP

Container werden auf ein Schiff geladen.

BerlinDie Unternehmen verkauften 1,2 Prozent weniger in die Währungsunion als im Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. In das unter einen Rezession leidende Portugal fielen die Ausfuhren mit 14,3 Prozent besonders stark. Die Exporte nach Spanien sanken um 9,4 Prozent, die nach Griechenland um 9,2 Prozent und die nach Italien um 8,2 Prozent. Dagegen legten die Geschäfte mit Frankreich und den Niederlanden - den beiden wichtigsten Kunden im Euro-Raum - um jeweils mehr als vier Prozent zu.

Die gesamten Ausfuhren stiegen von Januar bis Juni 4,8 Prozent auf 550,5 Milliarden Euro. Die starke Nachfrage aus Übersee und Osteuropa glich die Schwäche in der Euro-Zone mehr als aus. Besonders starke Zuwächse gab es in Japan (plus 19,9 Prozent), in den USA (plus 18,6 Prozent) und in Russland (plus 14,8 Prozent).

Vor allem die deutschen Maschinenbauer konnten erstmals seit Monaten im Ausland wieder punkten: Während die Bestellungen im Juli im Inland überraschend um 18 Prozent einbrachen, stieg der Auftragseingang aus dem Ausland um 8 Prozent, wie der Branchenverband VDMA am Donnerstag mitteilte. "Impulse kamen nicht nur aus Übersee, sondern auch aus den Euro-Partnerländern", erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Insgesamt sanken die Orders allerdings um 2 Prozent unter den Wert von Juli 2011 und damit zum neunten Mal in Folge.

Eine eindeutige Erklärung für das schwächere Inlandsgeschäft blieb Wiechers schuldig. Der Rückgang könnte auf das hohe Vorjahresniveau zurückzuführen sein, vielleicht hätte aber auch die Ferienzeit für Kaufzurückhaltung bei den Kunden gesorgt oder auch die Euro-Schuldenkrise. "Einen Grund zur Panik gibt es aber nicht", betonte Wichers. Es habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder Ausreißer nach oben oder unten gegeben.

In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Mai bis Juli ergibt sich insgesamt ein Plus von zwei Prozent. Die Inlandsbestellungen stagnierten, die Auslandsaufträge legten um sechs Prozent zu.

Der deutsche Exportumsatz hatte 2011 erstmals die Billionen-Marke übertroffen. Der Branchenverband BGA senkte wegen der Rezession in vielen Euro-Ländern seine Wachstumsprognose für dieses Jahr auf gut vier Prozent. Bislang wurde ein Plus von mindestens sechs Prozent erwartet.

Die deutschen Importe erhöhten sich im ersten Halbjahr um 2,4 Prozent auf 457,1 Milliarden Euro. Krisenländer wie Portugal (plus 4,6 Prozent) und Italien (plus 4,3 Prozent) steigerten ihren Absatz in Deutschland.


Von

rtr

Kommentare (5)

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WFriedrich

30.08.2012, 10:35 Uhr

Im Saldo stimmt diese Analyse nicht. Den Ausfall beim Export von Gütern und Dienstleistungen kompensieren wir mit dem Export von Steuergeldern (zurzeit hoffnungsvoll als Ausleihe deklariert). Auch die Importseite prosperiert: wir kaufen Anleihen oder Übernehmen das Ausfallrisiko. Prima Marktwirtschaft - darauf hätte man längst kommen sollen, statt mühsam Wertschöpfung mittels der traditionellen Produktionsfaktoren wie Arbeit, Material und Energie anzustreben.

Europaeer

30.08.2012, 10:52 Uhr

Fein, dass die ganzen verantwortungslosen Möchtegernexperten, die aus ideologischen Gründen Euro und Eu verteufeln, eine Ahnung davon bekommen, wie es wäre, wenn EU und Euro nicht den Wohlstand in unserem Land sichern würden.

Wird dieser Bericht Licht in das Dunkel ihrer Gehirnwindungen bringen? Nein, wohl eher nicht, aber das ist ja auch gleich.

Nach zwischenzeitlicher Irritation ist lt. neuester Umfragen die Europaskepsis wieder verflogen. Die Deutschen wissen sehr genau, wem sie es zu verdanken haben, dass sie das politisch und wirtschaftlich führende Land in Europa sind.

yyyy

30.08.2012, 10:55 Uhr

Da wird sich mit Sicherheit die dt. Exportmafia zu Wort melden, der dt. Steuerzahler soll gefälligst die Exporte der dt. Industrie finanzieren!

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