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23.04.2013

20:48 Uhr

Steigende Gewinne

US-Chemiekonzern DuPont profitiert von der Agrochemie

Die weltweit wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln treibt das Geschäft mit der Agrochemie. Der Gewinn des US-Konzerns DuPont hat sich darum im Auftaktquartal mehr als verdoppelt.

Der US-Chemiekonzern DuPont legt mit landwirtschaftlicher Chemie zu. dpa

Der US-Chemiekonzern DuPont legt mit landwirtschaftlicher Chemie zu.

WilmingtonFlorierende Geschäfte mit Chemikalien für die Landwirtschaft haben den Gewinn des US-Chemiekonzerns DuPont zum Jahresstart kräftig angeschoben. Der BASF -Rivale profitierte im ersten Quartal von einer hohen Nachfrage nach Saatgut und Pflanzenschutz-Mitteln in Nord- und Südamerika. Dupont konnte seinen Gewinn binnen Jahresfrist auf 3,35 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Deutliche Einbußen im Geschäft mit Farbpigmenten machte der Konzern im Auftaktquartal 2013 mehr als wett. Die Aktie des US-Chemiegiganten legte im vorbörslichen Handel 0,7 Prozent zu.

"Das erste Quartal endete wie erwartet mit einer starken Entwicklung im Segment Agriculture und Einbußen im Segment Performance Chemicals nach den Spitzenwerten im vergangenen Jahr", erklärte Konzernchefin Ellen Kullman. Wegen des ungewöhnlich trockenen Wetters in den USA investierten Landwirte mehr in Saatgut und Pestizide, um ihre Erträge zu steigern. Zudem sorgten anhaltend hohe Preise für Weizen, Mais und Soja in Nord- und Südamerika für günstige Rahmenbedingungen.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

Vor Sonderposten verdiente das inzwischen 210 Jahre alte Traditionsunternehmen 1,56 Dollar je Aktie. Damit übertraf Dupont die Analystenerwartungen um vier Cent. Kullman ist dabei, den Konzern stärker auf Geschäfte mit der Ernährungsindustrie und der Landwirtschaft auszurichten, die als weniger konjunkturanfällig gelten als das klassische Chemiegeschäft. So hatte DuPont 2012 sein Autolackgeschäft für rund fünf Milliarden Dollar an den US-Finanzinvestor Carlyle verkauft. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal um zwei Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar. Im Nord- und Lateinamerika gab es Zuwächse, in Asien und in Europa schrumpften die Erlöse.

Fast die Hälfte seines Konzernumsatzes erwirtschaftete Dupont im Auftaktquartal in seiner Agrarchemiesparte, wo es ein Plus von 14 Prozent auf 4,67 Milliarden Dollar gab. Die hohe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen hatte zuletzt auch bei den Rivalen Syngenta aus der Schweiz und beim US-Konzern Monsanto für brummende Geschäfte gesorgt. Im Chemiebereich Performance Chemicals bekam Dupont dagegen den anhaltenden Preisverfall beim Weißpigment Titandioxid zu spüren. Die Verkaufserlöse des Segments brachen um 17 Prozent auf 1,59 Milliarden Dollar ein. Für das Gesamtjahr stellte Konzernchefin Kullman wie bisher einen operativen Konzerngewinn von 3,85 bis 4,05 Dollar je Aktie in Aussicht. Das wäre ein Zuwachs von zwei bis sieben Prozent zum Vorjahr.

Der US-Konkurrent Dow Chemical will am Donnerstag seinen Bericht zum ersten Quartal veröffentlichen, ebenso der Leverkusener Bayer -Konzern. Am Freitag will der weltweite Branchenprimus BASF über seine Geschäfte im Auftaktquartal informieren.

Von

rtr

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