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12.08.2013

12:17 Uhr

Steigende Kosten

GM plant den Rückzug aus Südkorea

Südkorea verliert offenbar einen wichtigen Automobilhersteller. Branchenriese General Motors will sich aus der Heimat von Hyundai und Kia zurückziehen. Die Produktion sei zu teuer geworden.

Modell Mokka: Der Opel-Geländewagen soll künftig nicht mehr in Korea, sondern in Spanien gebaut werden. dpa

Modell Mokka: Der Opel-Geländewagen soll künftig nicht mehr in Korea, sondern in Spanien gebaut werden.

SeoulWegen steigender Arbeitskosten will die Opel-Mutter General Motors Insidern zufolge schrittweise die Produktion in Südkorea zurückfahren. Auch massive Forderungen der Gewerkschaft seien ein Grund dafür, Entwicklung und Fertigung in andere Länder zu verlagern, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen zu Reuters. Zudem sei das Risiko zu groß, dass sich der größte US-Autobauer zu stark von seinen fünf Werken in Südkorea abhängig mache. Das asiatische Land ist für GM mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent seiner globalen Produktion von etwa 9,5 Millionen Fahrzeugen einer der Top-Standorte. Gewerkschaftsvertreter sprachen von einer Einschüchterungstaktik. GM wollte sich nicht äußern.

Das Unternehmen habe mit dem Rückzug in einigen Bereichen bereits begonnen, verlautete am Sonntagabend aus den Kreisen. So soll die neue Version des bisher nur in Südkorea gefertigten Opel-Geländewagens Mokka wie bereits bekannt ab Mitte 2014 zum großen Teil auch im spanischen Saragossa vom Band laufen. Auch das neue Modell des Chevrolet-Kompaktwagens Cruze soll nicht mehr in Südkorea gebaut werden. Auch hier gilt Spanien angeblich als Favorit. Lediglich das alte Modell soll als günstigere Variante für den Export in Schwellenländer noch in Südkorea gefertigt werden. Die Leitung der Cruze-Entwicklung sei bereits in die Zentrale bei Detroit zurückbeordert worden.

„Wir müssen die Risiken in Südkorea mindern, nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren, aber mit der Zeit, um uns nicht zu abhängig von einem Produktionsstandort zu machen“, so einer der Insider. Die GM-Arbeitskosten seien in Südkorea im vergangenen Jahrzehnt stark gestiegen. Die Aufwertung der Landeswährung Won, die Exporte aus Südkorea verteuert, verschärfe das Problem. Zudem zeigt sich die Gewerkschaft kampfesfreudig. Im vergangenen Jahr führte ein Streik dazu, dass 48.000 Autos weniger gebaut wurden. Die Arbeitskosten sollen nach Firmenangaben bei GM Korea dieses Jahr auf 1133 Dollar pro Auto steigen und damit fast doppelt so hoch liegen wie im Durchschnitt der internationalen GM-Produktion.

Die Gewerkschaft wies die Vorwürfe zurück. "Korea hat im Vergleich zu Australien und Deutschland Kostenvorteile", sagte ein Sprecher. Das Management wolle vielmehr Druck machen und die Gewerkschaft bei künftigen Tarifverhandlungen zur Kooperation zwingen. Südkorea sei als Standort am unteren Ende der Spanne, die GM als teuer erachte, und die hier gebauten Autos seien weiterhin wettbewerbsfähig.

Welche Autostandorte kostengünstig produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktionskosten der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

England

Obwohl Großbritannien als Vorreiter für liberalisierte Arbeitsmärkte gilt, werden die Produktionskosten in keinem europäischen Land schlechter bewertet. Nur fünf Prozent halten die Briten in dieser Kategorie für sehr wettbewerbsfähig, immerhin 13 Prozent noch für eher wettbewerbsfähig. Das sind 21 Prozentpunkte weniger als noch 2011.

Platz 17

Italien

Ähnlich schlecht schneiden die Italiener ab. In der Heimat von Ferrari und Fiat kreist der Sparhammer. Nur fünf Prozent halten das Land in punkto Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 13 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Frankreich

Auch die Franzosen produzieren nach Ansicht der befragten Unternehmen zu teuer. Mittlerweile halten nur noch fünf Prozent das Land in Sachen Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 15Prozent halten die Franzosen für eher wettbewerbsfähig. Das sind insgesamt 19 Prozentpunkte weniger als 2011.

Platz 15

Schweden

Traditionell gehören die Lohnnebenkosten und Steuern in Schweden zu den höchsten in Europa. Das beschert den Skandinaviern einen schlechten Platz im Kostenranking. Sechs Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 16 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 14

Spanien

Spanien steckt in einer der größten Wirtschaftskrisen seiner jüngeren Geschichte. Trotzdem produziert die Autoindustrie des Landes noch zu teuer, meinen die befragten Unternehmen. Vier Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

USA

Die große Konsolidierungswelle ist über die USA hinweggefegt. Doch bei den Produktionskosten kann sich das Land damit immer noch keinen Spitzenplatz sichern. Für fünf Prozent sind die Amerikaner in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 23 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

Japan

Die Heimat von Toyota, Suzuki und Honda gilt als Geburtsstätte der effizienten Produktion. In zwei Jahren hat das Land in punkto Produktionskosten aber an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Sechs Prozent halten Japan für sehr wettbewerbsfähig, 22 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Deutschland

Während die Deutschen bei Qualität, Produktivität und Innovation den Spitzenplatz belegen, schneiden sie bei den Produktionskosten nur mittelmäßig ab. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland

Ein gemischtes Bild hinterlassen die Russen im Kostenranking. Obwohl nur drei Prozent das Land für sehr wettbewerbsfähig halten, bewerten immerhin 34 Prozent die Russen als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Türkei

Als Billigstandort der Automobilindustrie hat sich die Türkei etabliert. Allzu groß scheinen die Kostenvorteile allerdings nicht zu sein. Nur fünf Prozent bewerten das Land als sehr wettbewerbsfähig, immerhin 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Südkorea

Unter den führenden Autonationen belegen die Südkoreaner einen der oberen Ränge. Auch bei den Kosten reicht es immerhin für die Top Ten. Für acht Prozent aller befragten Automobilunternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 37 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Brasilien

Für die Autokonzerne gilt das Land als Schlüssel zum südamerikanischen Kontinent. Insbesondere die strengen Importbestimmungen des Landes machen den Herstellern das Leben schwer. In punkto Kosten bewerten sechs Prozent das Land als sehr wettbewerbsfähig, 45 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Polen

Unter den günstigsten europäischen Standorten eröffnen die Polen die Spitzengruppe. Sieben Prozent halten das Land bei den Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, satte 49 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

Ungarn

Audi, Daimler und Suzuki haben ihre Werke in Ungarn nicht ohne Grund ausgebaut. Satte 11 Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 46 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Slowakei

Ähnlich gut sieht die Kostenstatistik der Slowaken aus. Für zehn Prozent ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 51 eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Tschechien

Das einzige europäische Land auf dem Treppchen und damit Kostenführer in Europa ist Tschechien. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 54 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Indien

Unangefochten führend sind allerdings die wichtigsten Absatzmärkte. Für 34 Prozent aller befragten  Automobilunternehmen ist Indien in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 35 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

China

Mittlerweile wird jedes dritte Auto von Volkswagen in China produziert. Nicht ohne Grund. Kein Land der Welt wird von den Herstellern in punkto Kosten besser bewertet. Für 40 Prozent sind die Chinesen sehr wettbewerbsfähig, für 31 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Von

rtr

Kommentare (6)

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APO-Man

12.08.2013, 12:20 Uhr

Interessant zu hören, dass...
"die Arbeitskosten sollen nach Firmenangaben bei GM Korea dieses Jahr auf 1133 Dollar pro Auto steigen und damit fast doppelt so hoch liegen wie im Durchschnitt der internationalen GM-Produktion."
Wo wird denn noch günstiger produziert als In Süd-Korea?
Und das die GM-Führung die Mitarbeiter der einzelnen Standorte gegeneinander ausspielt, eiß man bereits auch in Europa. Hier wandert die gesamte Astra-Produktion nach England, weil die Belegschaft dort bereit ist, für weniger zu arbeiten als die deutschen Kollegen.
Interessant wäre auch zu wissen, ob in die koreanischen Arbeitskosten auch die Ausfallkosten durch Streik, durch Auseinandersetzungen mit Nord-Korea sowie Qualitätsmängeln eingerechnet sind.
Bekanntlich kann man in Deutschland in der Regel von Streik und anderen Produktionsausfallgründen unbelastet bei hoher Qualität produzieren. Nicht immer ist billiger auch günstiger.

sebastian

12.08.2013, 13:49 Uhr

"Wo wird denn noch günstiger produziert als In Süd-Korea?"

Also, der südkoreanische Autohersteller Hyundai baut zB seine Produktion in Indien immer mehr aus, obwohl die in Südkorea nun wirklich kein Paradies für ihre Arbeiter geschaffen haben.
Im Hyundai Werk in Ulsan (Südkorea) hat sich zB letztes Jahr ein Arbeiter wegen der miesen Bedingungen während der Arbeit selber angezündet.

Vicario

12.08.2013, 14:19 Uhr

Zitat : GM plant den Rückzug aus Südkorea

- genauso wird VW den Rückzug aus China planen......nach dem sie dort zig Milliarden mit Fabrikbau in Sand gesetzt haben !

Konfuzius läßt grüßen !

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