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18.01.2011

07:06 Uhr

Steigende Rohstoffkosten

Möbelhersteller kündigen Preiserhöhungen an

VonChristoph Kapalschinski

In der Möbelbranche werden in naher Zukunft die Preise nach oben springen. Steigende Rohstoffkosten sollen an Kunden weitergegeben werden, dennoch rechnen Küchenhersteller wie Poggenpohl mit Exportzuwachs.

Auch Küchen werden teurer dpa

Auch Küchen werden teurer

KÖLN. Die Möbelbranche peilt auf breiter Front Preiserhöhungen an. Das wurde gestern zur Eröffnung der Internationalen Möbelmesse in Köln deutlich. Die Branche will damit die Steigerung der Rohstoffpreise auffangen. Vor allem Pressspanplatten und Metall sind teurer geworden.

„Wer in Deutschland produziert, hat das Rationalisierungspotenzial bereits voll ausgeschöpft. Sonst hätte er die vergangenen Jahre nicht überlebt“, sagte Oliver Streit, Vertriebschef von Europas größtem Küchenhersteller Nobilia. Deshalb habe die Branche keinen Puffer, um die steigenden Rohstoffpreise aufzufangen. Nobilia stellt täglich 2 500 Küchen her – vor allem im unteren und mittleren Preissegment. Für 2011 peilt der Hersteller trotz der geplanten Preiserhöhung ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent an.

Die gesamte Möbelindustrie rechnet nur mit zwei bis drei Prozent Wachstum – nach einem Einbruch von elf Prozent auf 18,2 Milliarden Euro im Krisenjahr 2009 und einem Plus von zwei Prozent 2010.

Selbst Luxusküchen werden teurer. Poggenpohl-Chef Elmar Duffner kündigte für das begonnene Jahr eine Steigerung von drei Prozent an. Trotzdem werde der Export das Geschäft weiter beleben. 2010 stieg der Umsatz des Edel-Herstellers um sechs Millionen auf 111 Millionen Euro. Treiber waren China, Indien und die Türkei. Highlight auf der Messe ist eine Küche in Porsche-Design, deren Oberfläche Carbon-Optik zeigt. Kostenpunkt: um die 120 000 Euro.

Poggenpohl liegt im Branchentrend: Designer-Möbel aus Deutschland sind im Ausland gefragt, vor allem in Wachstumsländern. Dort ist die Möbelindustrie stark von der Baukonjunktur abhängig. Viele Hersteller bekommen Großaufträge. So berichtete Miele-Chef Reinhard Zinkann von einer neuen Rekordorder aus Istanbul, wohin Miele 9 200 Geräte auf einen Schlag liefert. Vor allem mit Einbauküchen sei Miele im ersten Halbjahr 2010/11 erfolgreich. Im gesamten Geschäftsjahr werde das Unternehmen somit „erneut zufriedenstellend wachsen“, sagte Zinkann. Im Vorjahr hat das Unternehmen einen Rekordumsatz von 2,83 Milliarden Euro erzielt. Eine Preiserhöhung um ein bis zwei Prozent habe der hochpreisige Hersteller bereits vollzogen.

Markus Wiemann, Chef des gleichnamigen mittelständischen Herstellers von Schlafzimmereinrichtungen mit rund 100 Millionen Euro Umsatz, beklagte, es werde schwieriger, Spanplatten zu beschaffen. Die vier großen Hersteller hätten Werke stillgelegt, das schlage auf die Preise durch. Die Platten seien in den vergangenen beiden Jahren um die Hälfte teurer geworden. Bei Wiemann machen Rohstoffe rund die Hälfte der Kosten aus. Folge: Die Preise für die Mittelklasse-Schlafzimmer steigen um drei bis vier Prozent.

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