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27.01.2007

11:56 Uhr

Steinkohlebergbau

Bei der RAG geht es jetzt ums Ganze

VonMarkus Hennes

Unmittelbar vor weiteren Spitzengesprächen über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus hat RAG-Chef Werner Müller endlich mal wieder Grund zur Freude. Denn ein im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstelltes Gutachten sieht in einem Börsengang des Essener Mischkonzerns eine bessere Alternative als in einem Einzelverkauf von Unternehmensteilen. Ein von der Politik geäußerter Vorbehalt gegen Müllers Börsenpläne ist damit ausgeräumt.

Der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG (RAG), Werner Mueller.

Der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG (RAG), Werner Mueller.

HB ESSEN. Wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Susat & Partner in einem in den Grundzügen bereits vorliegenden Gutachten ermittelt hat, ist zwar bei einem Einzelverkauf der RAG-Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien voraussichtlich ein Erlös von insgesamt 5,7 Mrd. Euro zu erwarten - und damit 300 Mill. Euro mehr als bei einem Börsengang. Die Experten von Susat & Partner kommen aber zu dem Schluss, dass die Einnahmen bei einem Börsengang mit einer größeren Sicherheit erzielt werden können. Dies bestätigten Verhandlungskreise dem Handelsblatt. Offiziell nimmt weder das Bundeswirtschaftsministerium noch die RAG zu dem Gutachten Stellung.

Doch was das Gutachten wirklich wert ist, entscheidet sich bereits in wenigen Tagen. Denn der ehemalige Bundeswirtschaftsminister braucht für den Börsengang die Zustimmung der Politik. Sein Modell sieht vor, zunächst den früheren Ruhrkohle-Konzern in zwei Teile aufzuspalten: den defizitären Bergbau und die profitablen Industrieaktivitäten. Anschließend soll der Bergbau unter das Dach einer Stiftung schlüpfen, die die Kohleförderung Jahr für Jahr weiter zurückführt. Ob auf knapp die Hälfte der heutigen Menge von 21,5 Millionen Tonnen oder gar bis auf Null - darüber muss jetzt die Politik entscheiden. Das nötige Geld, um die Kosten für den endgültigen Ausstieg aus der Steinkohle zu begleichen, soll mit dem Verkauf der Aktien schon in diesem Jahr verdient werden.

Nach einem früheren Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kostet ein Ausstieg im Jahr 2014 etwa 13 Mrd. Euro. Zusätzlich zu den Rückstellungen, die die RAG bereits bereits gebildet hat, müssten bei einem Börsengang 5,5 Mrd. Euro erzielt werden. Bei einem Bergbauende im Jahr 2018 wären es gar nur 4,9 Mrd. Euro, weil dann das Geld vier Jahre länger auf der Bank läge und dementsprechend höhere Zinsen abwerfen würde.

Doch noch steht das Datum für den Ausstieg aus der Kohleförderung nicht fest, und Müller hängt mit seinen Börsenplänen in der Luft. 100 000 Mitarbeiter im RAG-Konzern machen sich große Sorgen um die Zukunft. Die Bundesregierung setzt deshalb alles daran, eine Entscheidung herbeizuführen. Sie plant für die nächsten Tage drei weitere Verhandlungsrunden. Bereits am Sonntagabend treffen sich Vertreter des Bundes, der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, der RAG und der Gewerkschaft IG BCE unter Leitung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Am Montagabend wollen dann die Spitzen der Berliner Regierungskoalition – Kanzerlin Angela Merkel(CDU) und SPD Chef Kurt Beck – über das Thema beraten. In einem weiteren Treffen am Mittwoch soll dann die politische Entscheidung vom Montag möglichst zeitnah umsetzt werden.

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