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12.07.2012

17:44 Uhr

Stephen Girsky

Der harte Knochen aus Detroit

GM-Manager Steven Girsky übernimmt vorläufig die Führung bei Opel. Er gilt als starker Mann hinter Konzernchef Dan Akerson und unbequemer Manager. Seine schonungslose Art könnte Opel zugute kommen.

Stephen J. Girsky übernimmt vorläufig die Führung bei Opel. dapd

Stephen J. Girsky übernimmt vorläufig die Führung bei Opel.

DetroitMan muss Stephen Girsky nicht mögen. Der vor wenigen Wochen 50 Jahre alt gewordene GM-Manager lässt sein Gegenüber deutlich spüren, wenn er genervt ist. Für einen US-Amerikaner, die gemeinhin überaus zuvorkommend sind, ist Girsky schonungslos direkt. Einmal forderte er Opel öffentlich auf, sich doch eine Schnitte beim erfolgreichen Erzrivalen VW abzuschneiden. „Ich bewundere deren Gewinnmargen“, sagte er zur Verblüffung seiner Zuhörer.

Vielleicht ist es gerade seine Direktheit, die Girsky von Detroit nach Rüsselsheim gebracht hat. Deutsche schätzen schließlich klare Ansagen. Bei Opel soll er nun als kommissarischer Chef die Geschäfte führen. Damit regiert die US-Zentrale ganz direkt beim Hersteller mit dem Blitz: Als Strategiechef von General Motors gilt Girsky als der zweite Mann im Haus nach Konzernchef Daniel Akerson. Und als ein heißer Kandidat für dessen Nachfolge.

Das jahrelange Ringen von Opel

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Dabei war Girsky früher einer der härtesten Kritiker des Autoriesen. Als Analyst der Investmentbank Morgan Stanley hielt Girsky den Konzernbossen ihre Fehler vor und stellte so manche unbequeme Frage. Schließlich verpflichtete der damalige GM-Boss Rick Wagoner Girsky 2005 als seinen Berater. Doch die Verbindung hielt nur ein knappes Jahr.

Insgesamt ist Girsky seit 25 Jahren in der Autobranche unterwegs, wechselte mehrfach die Seiten und verdingte sich auch bei einem Finanzinvestor. Die Insolvenz von General Motors Mitte 2009 stellte die Weichen nochmals neu: Die einflussreiche Autogewerkschaft UAW holte ihn in den Verwaltungsrat des mit Staatsgeldern geretteten Autobauers.

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Girsky sprach sich damals gegen den im Raum stehenden Verkauf von Opel aus - als einer der wenigen in der Detroiter Zentrale. Und Girskys Lager setzte sich durch. Später wurde er Aufsichtsratschef von Opel und damit das Gesicht des Mutterkonzerns in Rüsselsheim. „Es ist wichtig für uns, in Europa präsent zu sein“, hatte Girsky zu seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr gesagt. „Das Unternehmen gehört uns, wir finanzieren es und wir werden es wieder in die Spur kriegen.“ Nun muss sich zeigen, ob sein Wort noch heute gilt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.07.2012, 02:59 Uhr

Zitat:
Achterbahnfahrt der Extraklasse:
Erst am Mittwoch gab Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung den visionären Manager, einen Tag später verkündet der Konzern in einer knappen Mitteilung seine Abberufung. Für die Mitarbeiter brechen nun harte Zeiten an.
Zitat Ende:

Wenn Opel überleben will, müßte Girsky so handeln, wie seinerzeit Piëch bei VW. Ohne Piëch wäre VW heute nicht dort, wo es heute ist.
Das wird der Gewerkschaft und dem Betriebsrat natürlich nicht passen, herrschen bei Opel doch quasi "griechische Verhältnisse".
Es wird sich zeigen, ob Girsky wirklich der "harte Hund" ist, als den man ihn bezeichnet. Ansonsten wäre es nur eine Konkursverschlepung.

Zitat:
Tatsächlich waren die Vorgaben der harten Hunde in der US-Konzernzentrale eine echte Herausforderung. Vor zwei Wochen hatte der Aufsichtsrat zwar noch ein umfassendes Sanierungskonzept gebilligt, doch danach verweigerten Betriebsrat und IG Metall Stracke die Zustimmung. Der Geduldsfaden in Detroit riss.
Zitat Ende:

Das wird die Stunde der Wahrheit für Opel. Entweder der Laden läßt sich sanieren; das wird hart; oder er geht den Weg von Schlecker und wird, da nicht sanierungsfähig, dicht gemacht.
Aber da müßte schon ein Wunder geschehen. Der/die Kunde(n) haben sich schon lange von Opel abgewendet.
In den letzten Jahren baute Opel nur noch Schrott auf Rädern!
Es soll mal eine Zeit gegeben haben, da baute Opel - angeblich - noch gute Autos; aber ob das wahr ist, oder nur ein "fairy tale", kann ich nicht beurteilen.

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