Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2016

16:17 Uhr

Stotternde Weltkonjunktur

Deutscher Maschinenbau stagniert

Die Weltwirtschaft schwächelt. Das bekommen die exportorientierten deutschen Maschinenbauer zu spüren. Doch aus Sicht der Branche gibt es auch Lichtblicke. Sie hofft auf das kommende Jahr.

Deutsche Maschinebauer leiden unter der schwächelnden Weltkonjunktur. dpa

Stagnierende Geschäfte

Deutsche Maschinebauer leiden unter der schwächelnden Weltkonjunktur.

FrankfurtDeutschlands Maschinenbauer können sich der eingetrübten Weltkonjunktur in diesem Jahr nicht entziehen. Besser sollen die Geschäfte 2017 laufen. Die exportorientierte Branche rechnet nach einer Stagnation in diesem Jahr dann mit einem Plus der realen Produktion von einem Prozent, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch mitteilte.

Chancen zieht die deutsche Schlüsselindustrie mit mehr als einer Million Beschäftigten vor allem in der Automatisierung der Produktion und der Digitalisierung rund um den Globus, wie VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers in Frankfurt sagte. Als Treiber der Entwicklung könnten die Maschinenbauer überproportional davon profitieren.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Zudem dürfte die wirtschaftliche Erholung in den USA und der Europäischen Union im kommenden Jahr an Fahrt gewinnen. „Das Hauptgeschäft machen wir weiterhin in Deutschland und Europa“, sagte Wiechers.

Die Erwartungen für dieses Jahr sind dagegen verhalten. Erst kürzlich senkte die Welthandelsorganisation WTO ihre Prognose deutlich. 2016 werde das Jahr mit dem langsamsten Wachstum des Welthandels seit der Finanzkrise 2009, sagte die Organisation voraus.

Roboter-Spezialist Kuka: Regierung gibt grünes Licht für die Übernahme

Roboter-Spezialist Kuka

Regierung gibt grünes Licht für die Übernahme

Der Weg zur Übernahme des Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern ist frei. Das Bundeswirtschaftsministerium erhebt gegen die Übernahme keine rechtlichen Bedenken.

Das bekommen auch die Maschinenbauer zu spüren. Mehr als eine Null sei in diesem Jahr nicht drin, bekräftigte der VDMA frühere Prognosen. „Angesichts eines schwachen weltwirtschaftlichen Umfeldes und anhaltender politischer Störungen, die unsere Geschäfte spürbar beeinträchtigen, betrachten wir dieses Ergebnis als Erfolg“, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge laut Mittelung.

Insbesondere China fällt aus Sicht der Maschinenbauer als Wachstumsmotor derzeit weitgehend aus. Andere Länder oder Regionen könnten dies nur teilweise kompensieren. Hinzu kämen Unsicherheiten in Großbritannien nach dem Brexit-Votum und der Türkei nach dem gescheiterten Putsch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×