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28.01.2005

17:50 Uhr

Strabag als Partner im Gespräch

Fusion soll Walter Bau endgültig retten

Nach dem Abschluss eines neuen Finanzierungskonzepts für Walter Bau wird nun - zur endgültien Rettung des angeschlagenen Konzerns mit rund 10 000 Beschäftigten - auch eine Fusion mit dem Konkurrenten Strabag erwogen.

Ein Arbeiter der Firma Walter Bau. Foto: dpa

Ein Arbeiter der Firma Walter Bau. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. „Es ist vorgesehen, Strabag Deutschland mit Walter Bau zusammenzuschließen“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus den Kreisen. Da Walter Bau auch eine knappe Mehrheit am Stuttgarter Konkurrenten Züblin hält, wäre auch das Stuttgarter Unternehmen mittelfristig in der ein oder anderen Form mit einbezogen. Ein mit dem Vorgang vertrauter Manager ergänzte: „Wir wollen einen neuen schlagkräftigen deutschen Baukonzern bilden.“ Strabag und Walter wären im Inland zusammen dann Marktführer, unter Einschluss der internationalen Aktivitäten wären sie zweitgrößter Baukonzern in Deutschland nach Hochtief. Bei dem Vorhaben solle Strabag die industrielle Führung haben, hieß es.

Wie genau die Transaktion gestaltet werden soll, blieb unklar. In den Kreisen wurde betont, dass zunächst das Finanzierungskonzept für Walter Bau besiegelt werden müsse, bevor formelle Gespräche mit Strabag aufgenommen werden könnten. Auf informellem Wege sei dies schon geschehen. In Bankenkreisen hieß es, eine ebenfalls vorgesehene Brückenfinanzierung für Walter stehe noch nicht ganz, und dies sei noch eine Hürde für alles weitere. Dagegen steht die Verlängerung der lebenswichtigen Bürgschaftsrahmen von etwa 1,5 Mrd. € im Prinzip fest.

Bis das gesamte Vorhaben einer Zusammenführung von Strabag und Walter Bau vollzogen werden könne, werde es wegen der erforderlichen Beschlüsse sicher noch bis zum Sommer dauern, hieß es in den Kreisen. Daher sei es nötig, Walter Bau wieder gesund durchzufinanzieren. „Walter Bau muss alleine stehen können“, hieß es. Eine Absichtserklärung von Strabag sei danach aber zeitnah zu erwarten.

Gemessen an der gesamten Bauleistung von zusammen etwa sechs Mrd. € würde sich eine Gruppe aus Strabag und Walter Bau auch im europäischen Vergleich der Gruppe der größten zehn Konzerne annähern. In Finanzkreisen wurde eine Zusammenführung als hervorragende Lösung bezeichnet. Der als auszubauendes Segment von Walter Bau vorgesehene Verkehrswegebau würde gestärkt, und Strabag sei zudem stark in Osteuropa engagiert. Beide Firmen beschäftigen gemeinsam etwa 20 000 Mitarbeiter.

Strabag gehört mehrheitlich zur österreichischen Bauholding Strabag, die 2003 konzernweit mit knapp 33 000 Mitarbeitern einer Gesamtbauleistung von 5,64 Mrd. € und einen Gewinn von 53 Mill. € erzielte. Eine Stellungnahme von Walter Bau war nicht zu erhalten, und auch die Kölner Strabag lehnte einen Kommentar ab.

Unklar blieb, ob Walter-Firmengründer und Großaktionär Ignaz Walter, der nach Angaben aus den Kreisen im Rahmen des Plans Anteile abgeben soll, dem Vorhaben zustimmen wird. In Finanzkreisen hieß es nur, insgesamt stehe aber das Konstrukt. „Man hat jetzt ein Paket geschnürt, hinter das man nicht mehr zurück kann“, hieß es. Walter, der das Augsburger Unternehmen gegründet und großgemacht hat, hält 57 % der Anteile.

Die schon lange als ertragsschwach geltende Walter Bau war nach dem vorläufigen Scheitern der Fusion mit dem Stuttgarter Züblin-Konzern im Dezember noch tiefer in Schwierigkeiten geraten. Ein Sparkonzept sieht Einsparungen von 60 Mill. € jährlich und den Verkauf von Unternehmensbereichen vor.

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