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17.01.2005

09:14 Uhr

Strafverfolger überprüfen Anzeige wegen Untreue

M-Tech gerät ins Visier der Staatsanwälte

VonMichael Maisch

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat mit einer ersten Überprüfung von Vorwürfen gegen den Mehrheitseigentümer und Vorstandschef der börsennotierten Verkehrstechnik-Holding M-Tech begonnen. Die Ermittlungen, bei denen es um den Verdacht der Untreue gehe, befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium, betonte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörden. Basis der Überprüfung seien eine Anzeige und ein Bericht des Handelsblatts vom 8. Dezember 2004.

HB FRANKFURT/M. Der schwäbische Unternehmer Reinhard Müller hält mit 53 Prozent die Mehrheit an der M-Tech AG. Müller hat Millionen-Kredite aus der börsennotierten Holding in eine Privatfirma gepumpt, um sie vor der Insolvenz zu retten. Damit könnte er die Interessen der Minderheitsaktionäre von M-Tech verletzt haben.

Bei der Privatfirma handelt es sich um die MVSM GmbH, die Müllers Familie gehört und die die Hälfte ihres Auftragsvolumens von M-Tech erhält. Müller selbst räumt ein, dass MVSM mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, nachdem im Sommer 2004 ein Großauftrag weggebrochen war. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte M-Tech MVSM Kredite im Wert von knapp zwei Mill. Euro gewährt. Das zeigen Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen. Dem standen offene Rechnungen für ausgeführte Aufträge im Wert von lediglich knapp 45 000 Euro gegenüber.

Nach Aussagen von Müller handelt es sich bei den Lieferantenkrediten um übliche Anzahlungen, „die besichert und verzinst“ wurden. Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen aber, dass die Geschäftsführung von MVSM auch direkt Geld zur Sicherung der Liquidität bei M-Tech abgefordert hat. „Wir bitten Sie für diese Woche eine Überweisung von 125 000 Euro zu veranlassen“, heißt es in einem Schreiben von MVSM an M-Tech von Anfang August 2004 . Und weiter: „Trotz erheblicher Anstrengungen ist es uns nicht gelungen, einen größeren Forderungsbetrag von Dritten zu erhalten. Trotzdem gehen heute die Abbuchungen zum Monatsbeginn weg, bereits mehrere Lieferanten haben uns für weitere Lieferungen gesperrt.“

Mittlerweile seien die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von MVSM behoben, betont M-Tech-Chef Müller. Außerdem sei das Familienunternehmen nie gegenüber anderen Lieferanten bevorzugt worden. In einer Aktennotiz der wichtigsten M-Tech-Beteiligung Signalbau Huber hieß es dagegen bereits im Jahr 2000: „Wir möchten noch anmerken, dass wir in der Vergangenheit, um MVSM am Leben zu erhalten, Zahlungen zu einem Zeitpunkt getätigt haben, an dem zum Teil die Rechnungen noch nicht einmal gestellt waren. ... In diesem Punkt wird MVSM gegenüber anderen Firmen richtigerweise bevorzugt.“

Der Aufsichtsrat von M-Tech räumt ein, dass die Darlehen an MVSM „etwas“ über das übliche Maß hinausgingen. Mittlerweile dringen die Aufseher auf rasche Rückzahlung und haben eine Sonderprüfung angeordnet. Mit den Ergebnissen rechnet der M-Tech-Vorstand in dieser Woche.

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