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17.01.2017

20:32 Uhr

Strafzölle für deutsche Autobauer?

Audi sieht Trumps Drohungen gelassen

VonStephan Scheuer

Der designierte US-Präsident Donald Trump droht Autobauern mit Strafzöllen für in Mexiko produzierte Autos. Audi hat dort bereits ein Werk. Aber die Firma gibt sich gelassen. China hat derzeit ohnehin hohe Priorität.

Audi-Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter will abwarten, was von Trumps Ankündigungen tatsächlich umgesetzt wird. AFP; Files; Francois Guillot

Audi

Audi-Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter will abwarten, was von Trumps Ankündigungen tatsächlich umgesetzt wird.

PekingEs ist eine Ankündigung, die die deutsche Autoindustrie schwer treffen könnte: Der künftige US-Präsident Donald Trump will 35 Prozent Steuer auf jedes aus Mexiko eingeführte Auto erheben. Der künftige Staatschef der USA hatte die Drohung zwar in Richtung des Autobauers BMW ausgesprochen, der dort ein Werk plant. Doch Audi hat seine Produktion in Mexiko bereits eröffnet und stellt dort den Q5 her.

Audi-Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter sieht zunächst auch keinen Grund, daran etwas zu ändern. Es sei abzuwarten, was von den Ankündigungen tatsächlich umgesetzt werde, sagte er dem Handelsblatt. Bislang gebe es nur Spekulationen. Zölle förderten nicht die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, hob Voggenreiter hervor.

Derzeit konzentriert sich Audi ohnehin stark auf China. Auf dem weltgrößten Automarkt hat Voggenreiter bei einem Treffen mit dem Joint-Venture-Partner FAW kürzlich die Ziele für die nächsten zehn Jahre festgezurrt. Zu den 21 strategischen Fokusfeldern gehöre insbesondere der Ausbau der Elektromobilität. Mit dem Audi A6 L e-tron wird erstmals ein Plug-in-Hybrid-Auto, das mit Benzin und Strom fährt, lokal in China gefertigt. Das ist nötig, damit Kunden dafür Subventionszahlungen der Regierung geltend machen könnten.

Denn noch fährt Audi dem Markt hinterher. Im vergangenen Jahr wurden in China fast eine halbe Million E-Autos verkauft. Den Großteil des Marktes machten chinesische Hersteller unter sich aus. Aber auch ausländische Firmen holen auf.

Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen fünf weitere Audi e-tron Modelle lokalisiert werden, auch mindestens ein reines Batteriefahrzeug mit einer Reichweite von über 500 Kilometern. Bis 2025 will Audi ein elektrisch angetriebenen SUV und ein Limousinen-Modell aus lokaler Produktion anbieten.

Die Herausforderer Daimler und BMW haben jedoch bereits lokale produzierte E-Autos auf dem Markt. Zudem könnten neue Quotenregeln der Regierung dem Autobauer zusetzen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, ab dem kommenden Jahr Autobauern einen Anteil von zunächst rund acht Prozent Elektroautos am Gesamtabsatz vorzuschreiben, anderenfalls drohen Strafzahlungen.

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Eigentlich wollte sich Audi, wie schon die Konzernmutter VW, auch mit dem Staatsbetrieb SAIC als Partner zusammentun. Am 11. November wurde eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Doch dann liefen die Audi-Händler gegen die neue Partnerschaft sturm. Die Anbieter fürchteten eine Konkurrenz durch die SAIC-Stützpunkte und drohten mit Boykott.

Die Kooperation sei jedoch nicht auf Eis gelegt worden, sagte Voggenreiter. Die Gespräche über eine Zusammenarbeit gingen weiter. Allerdings gehe Audi auf die Händler zu, und binde ihre Sorgen um einen möglichen Einfluss auf das Vertriebsnetz stärker mit ein.

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