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16.01.2012

11:15 Uhr

Strategie 2012

EADS-Chef stimmt Konzern auf hohe Renditeziele ein

VonMarkus Fasse, Thomas Hanke

Der Rüstungskonzern ist im Umbruch - der Machtkampf um die Nachfolge von EADS-Chef Louis Gallois ist voll entbrannt. In dieser Situation will der scheidende Manager die zentrale Schwäche des Unternehmens angehen.

Eurofighter im Anflug: Profitabilität soll steigen. Reuters

Eurofighter im Anflug: Profitabilität soll steigen.

München/ParisNach einem Airbus-Rekordjahr bei Bestellungen und Auslieferungen sieht sich die Muttergesellschaft EADS im Aufwind. „EADS ist eine Wachstums-Story und eine Geld-Maschine“, sagte EADS-Chef Louis Gallois am Dienstag auf einer gemeinsamen Neujahrskonferenz im Hamburger Airbus-Werk. Es gelte nun, den Luft- und Raumfahrtkonzern trotz wachsender Konkurrenz profitabler zu machen und das internationale Profil zu schärfen; Europa, USA und Schwellenländer seien die drei wichtigsten Pfeiler. Das werde aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in Europa gehen.

Der Konzern habe bisher auf der Startbahn gestanden, hebe nun aber ab Richtung Wachstumsmärkte. Mit Blick auf die globale Krise warnte er vor Orientierungslosigkeit. Die Schuldenkrise müsse schnell gelöst werden, um Marktvertrauen wieder herzustellen, forderte Gallois. Wie brauchen klare Signale, die von jedem verstanden werden. EADS als multinationales Unternehmen könne ein gutes Vorbild für die Politik sein.

Mit Blick auf seinen Nachfolger betonte der scheidende Gallois, derartige Entscheidungen bräuchten Zeit. Wie das Handelsblatt bereits im Vorfeld berichtet hatte, wartet der 53-jährige Manager Tom Enders seit Wochen auf seine längst zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy abgesprochene Ernennung zum EADS-Chef. Auch über die zur Verlängerung anstehenden Verträge von mehr als zehn weiteren Topmanagern hat der EADS-Verwaltungsrat Anfang Dezember nicht entschieden. Vor allem der französische Staat als Großaktionär habe „zusätzlichen Informationsbedarf“ angemeldet, berichtet ein Spitzenmanager der deutschen Seite.

Der Fluch des Staates: EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Der Fluch des Staates

EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Es muss frustrierend sein: Jahrelang will sich Airbus von Frankreich emanzipieren. Doch stattdessen steigt nun auch noch Deutschland beim Mutterkonzern EADS ein. Lösen könnte das Problem notfalls die Schuldenkrise.

Sachliche Gründe dafür gibt es offenbar nicht. Stattdessen tobt wieder einmal ein deutsch-französischer Kampf um Macht und Einfluss bei EADS. So will Enders die Schlüsselressorts Finanzen und Personal mittelfristig aus den Zentralen in Paris und München zu Airbus nach Toulouse verlegen. Die Regierung in Paris fordert als Kompensation das Finanzressort und eine französische Führung bei der Hubschraubertochter Eurocopter, die derzeit von dem Deutschen Lutz Bertling geleitet wird. Beide Ansinnen hat Enders vor Weihnachten abgelehnt, heißt es in Konzernkreisen.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Doch Paris will kämpfen und Enders mit der Verzögerung seiner Berufung an die Konzernspitze unter Druck setzen. Kein Wunder: Die Airbus-Verkäufe sind der dickste Exportposten in der französischen Außenhandelsbilanz.

Kommentare (5)

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smarty_32

16.01.2012, 17:38 Uhr

unfassbar!
Mit den Franzosen kann man nicht zusammenarbeiten, dieser Egoismus und diese politischen Spielchen im Hintergrund sind furchtbar!
Die Budnesregierung solte anders aufteilen:
Da Airbus, Eurocopter und Astrium bereit sind Frankreich ihren Hauptsitz haben, sollte EADS von Paris VOLLSTÄNDIG nach München zentralisiert werden. Wenn Enders Vorschlag umgesetzt wird, ist EADS bald FADS...

Schweizersicht

16.01.2012, 17:40 Uhr

und was macht die drittschlechteste Politikerin Deutschlands Fr Merkel? Gar nichts; wie immer, aber bestimmt schickt sie den schlechtesten Politiker Deutschlands = ihren Aussenminister, demnächst nach Paris-so wie nach Athèn, denn was der, (weiss der überhaupt was 2+2 macht?) ,da zu suchen hatte ist wohl ihr eigenes Rätsel, so wie das Meisste in Ihrer jämmerlichen Politik.

Hans

16.01.2012, 22:16 Uhr

Man sollte EADS wieder in Nationale Unternehmen aufspalten. Dann spart man sich den Hickhack um die Führung.
Die Entwicklungs- und Fertigungsarbeiten werden ja auch auf die Nationen aufgeteilt. Da geht es danach, wie die Subventionen fließen.

Am 22 April 12 sind ja Wahlen in FR, davor wird sicher nichts entschieden. Eine Entscheidung dürfte mehr im 2 Hj 12 fallen.

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