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17.01.2012

11:46 Uhr

Strategie 2012

EADS-Chef stimmt Konzern auf neue Renditeziele ein

Der Machtkampf um die Nachfolge von Louis Gallois ist voll entbrannt. In dieser Situation will der scheidende Manager die zentrale Schwäche des Unternehmens angehen: Die chronisch dünne Marge. Ein Himmelfahrtskommando.

Maschinen von Airbus am Flughafen: Komplexer Konzern in den Fängen der Politik. Reuters

Maschinen von Airbus am Flughafen: Komplexer Konzern in den Fängen der Politik.

HamburgNach einem Airbus-Rekordjahr bei Bestellungen und Auslieferungen sieht sich die Muttergesellschaft EADS im Aufwind. „EADS ist eine Wachstums-Story und eine Geld-Maschine“, sagte EADS-Chef Louis Gallois am Dienstag auf einer gemeinsamen Neujahrskonferenz im Hamburger Airbus-Werk. Es gelte nun, den Luft- und Raumfahrtkonzern trotz wachsender Konkurrenz profitabler zu machen und das internationale Profil zu schärfen; Europa, USA und Schwellenländer seien die drei wichtigsten Pfeiler. Das werde aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in Europa gehen.

In den Airbus-Auftragsbüchern stehen nun Aufträge für 4437 Flugzeuge im Gesamtwert von 588 Milliarden Dollar nach Listenpreis, was die Produktion für bis zu acht Jahre sichert. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben einen Weltmarktanteil von 64 Prozent nach Bestellungen (54 Prozent nach Umsatz). Verkaufsrenner des Vorjahres war der mit sparsameren Triebwerken ausgerüstete A320neo. 2011 gingen alleine für dieses Modell 1226 Festbestellungen ein. Konkurrent Boeing sei 2011 nur im mittleren Marktsegment besser als Airbus gewesen. Im laufenden Jahr will Airbus 4000 neue Mitarbeiter einstellen.

Der Konzern habe bisher auf der Startbahn gestanden, hebe nun aber ab Richtung Wachstumsmärkte. Angesichts der globalen Krise warnte er vor Orientierungslosigkeit. Die Schuldenkrise müsse schnell gelöst werden, um Marktvertrauen wieder herzustellen, forderte Gallois. Wie brauchen klare Signale, die von jedem verstanden werden. EADS als multinationales Unternehmen könne ein gutes Vorbild für die Politik sein.

Der Fluch des Staates: EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Der Fluch des Staates

EADS in den Fängen von Berlin und Paris

Es muss frustrierend sein: Jahrelang will sich Airbus von Frankreich emanzipieren. Doch stattdessen steigt nun auch noch Deutschland beim Mutterkonzern EADS ein. Lösen könnte das Problem notfalls die Schuldenkrise.

Mit Blick auf seinen Nachfolger betonte der scheidende Gallois, derartige Entscheidungen bräuchten Zeit. Wie das Handelsblatt bereits im Vorfeld berichtet hatte, wartet der 53-jährige Manager Tom Enders seit Wochen auf seine längst zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy abgesprochene Ernennung zum EADS-Chef. Auch über die zur Verlängerung anstehenden Verträge von mehr als zehn weiteren Topmanagern hat der EADS-Verwaltungsrat Anfang Dezember nicht entschieden. Vor allem der französische Staat als Großaktionär habe „zusätzlichen Informationsbedarf“ angemeldet, berichtet ein Spitzenmanager der deutschen Seite.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Sachliche Gründe dafür gibt es offenbar nicht. Stattdessen tobt wieder einmal ein deutsch-französischer Kampf um Macht und Einfluss bei EADS. So will Enders die Schlüsselressorts Finanzen und Personal mittelfristig aus den Zentralen in Paris und München zu Airbus nach Toulouse verlegen. Die Regierung in Paris fordert als Kompensation das Finanzressort und eine französische Führung bei der Hubschraubertochter Eurocopter, die derzeit von dem Deutschen Lutz Bertling geleitet wird. Beide Ansinnen hat Enders vor Weihnachten abgelehnt, heißt es in Konzernkreisen.

Doch Paris will kämpfen und Enders mit der Verzögerung seiner Berufung an die Konzernspitze unter Druck setzen. Kein Wunder: Die Airbus-Verkäufe sind der dickste Exportposten in der französischen Außenhandelsbilanz.

Kommentare (1)

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Hans

17.01.2012, 14:32 Uhr

Viele Airlines bestellen mehr Maschinen als sie brauchen, um hohe Rabatte zu bekommen. Das ist schon Wahnsinn, was machne Arabische oder Asiatische Airline bestellt. Wenn dieser Verkaufsmarkt mal einbricht, und gleichzeitig ein Abschwung im Flugverkehr gibt, muss es eine Menge an verschiebungen und stornierungen geben. Dann dürften die 4.000 schnell ihre Jobs wieder los sein.

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