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06.04.2016

16:59 Uhr

Strategie von PSA

Carlos Tavares drückt aufs Tempo

VonLukas Bay

Carlos Tavares hat es geschafft, den französischen PSA-Konzern wieder rentabel zu machen. Nun setzt der zweitgrößte Autobauer Europas zum Überholmanöver an. Kann das gelingen? Eine Analyse.

Die Franzosen wollen VW künftig näherkommen. AFP; Files; Francois Guillot

PSA-Chef Tavares im Temporausch

Die Franzosen wollen VW künftig näherkommen.

DüsseldorfDen Rennsport hat PSA-Chef Carlos Tavares im Blut. Der einstige Amateur-Rennfahrer fuhr sogar schon bei der Rallye Monte Carlo mit. In seiner aktuellen Funktion am Steuer des größten französischen Autobauers PSA hat der gebürtige Portugiese seine Leidenschaft für Beschleunigung nicht verloren.

„Push to pass“ hat Tavares seine Strategie für die kommenden fünf Jahre getauft. Ein Begriff aus dem Rennsport, der verwendet wird, wenn ein Fahrer zusätzliche Leistung per Knopfdruck zuschaltet, um damit zum Überholmanöver anzusetzen. Die Marken Peugeot, Citroën und DS sollen so gemeinsam unter dem neuen Namen „PSA Group“ den Abstand zum europäischen Marktführer VW verringern. Die Zeiten scheinen günstig: Die Wolfsburger, die jahrelang uneinholbar ihre Runden drehten, sind derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Franzosen nehmen dagegen wieder Tempo auf.

Mit klarer Linie und rasanter Geschwindigkeit hat es Tavares geschafft, PSA wieder auf Rendite zu trimmen. In gerade einmal zwei Jahren hat er aus einem Konzern, den einige schon auf existenzielle Finanzprobleme zusteuern sahen, wieder ein Angreifer gemacht. Im operativen Geschäft arbeiten die Franzosen mittlerweile sogar wieder profitabler als die Kernmarke von VW. Im Schnitt vier Prozent Rendite will Tavares bis 2018 erwirtschaften, in den drei Jahren danach sollen es im Schnitt sogar sechs Prozent sein. Die Strategie „Push to pass“ soll mehr sein als ein Zwischensprint - sie soll das Geschäft des Konzerns komplett umkrempeln.

Damit das Überholmanöver gelingt, hat sich Tavares dafür entschieden, im internationalen Windschatten zu fahren – dort, wo der Gegenwind nicht so stark ist wie im Heimatmarkt Europa. Nach der Offensive in China, die PSA mit Rückendeckung von Großaktionär Dongfeng vorangetrieben hat, nehmen die Franzosen nun exotischere Weltregionen wie Nordafrika, Lateinamerika und Südostasien stärker ins Visier. In Marokko und Iran wollen die Franzosen in den kommenden Jahren sogar Werke eröffnen. Tavares schaut, welche Lücken andere hinterlassen, und versucht, sie mit PSA zu besetzen. Das könnte sich als lukrative Strategie erweisen, mit der es auch Toyota zum Weltmarktführer gebracht hat. Die Internationalisierung ist in der Strategie ein wichtiger Baustein. Irgendwann sei sogar eine Rückkehr in die USA denkbar, lässt Tavares durchblicken.

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Doch nicht nur bei der Rendite muss PSA dringend Tempo aufnehmen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. In Zeiten des Spardiktats hatten die Franzosen ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückgefahren. Entsprechend wenig bahnbrechende Innovationen kamen in den vergangenen Jahren auf den Markt. Den Vorsprung in der elektrischen Mobilität, den sich PSA einst erarbeitet hatte, wurde gänzlich aufgebraucht.

Das soll sich ändern: 28 neue Modelle sind in den kommenden Jahren geplant, darunter sieben Plug-in-Hybride und vier reine Elektroautos. Für jede Marke und jeden Markt soll ein neues Modell vorgestellt werden.

Das klingt ambitioniert, ist aber im Vergleich zur Konkurrenz nicht viel. Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass die Franzosen ihre Modellpalette in den Vorjahren systematisch ausgedünnt haben und in einigen Segmenten noch Nachholbedarf haben.

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