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02.11.2015

19:51 Uhr

Streit beim Autozulieferer

ZF-Chef nennt die Vorwürfe der IG Metall „ungeheuerlich“

VonBenjamin Wagener

Die ZF-Affäre verschärft sich: Nachdem die IG Metall einen Manager des Autozulieferers wegen Behinderung des Betriebsrats angezeigt hat, wendet sich der Vorstand an die Mitarbeiter: Die Vorwürfe seien „ungeheuerlich“.

„Die Anschuldigungen treffen auch das Unternehmen und seine Führung.“ dpa

ZF-Chef Stefan Sommer

„Die Anschuldigungen treffen auch das Unternehmen und seine Führung.“

DüsseldorfDer Vorwurf wiegt schwer: Die IG Metall wirft ZF die systematische Bekämpfung von Gewerkschaften vor. Bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg ist schon vor Wochen eine Strafanzeige gegen einen hochrangigen Personalverantwortlichen des drittgrößten Automobilzulieferers der Welt eingegangen. Die Gewerkschaft beschuldigt den Manager nach Angaben von Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl der Behinderung der Betriebsratsarbeit nach Paragraph 119 Betriebsverfassungsgesetz sowie der üblen Nachrede und der versuchten Nötigung. Bei einer Betriebsversammlung vor einer Woche sprach die IG Metall zudem von „Union Bashing“, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren hat.

Mit deutlichen Worten wies Vorstandschef Stefan Sommer diese Vorwürfe am Montag zurück: In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, wendete sich der 52-Jährige an seine Mitarbeiter. „ZF hat zu keinem Zeitpunkt die Unabhängigkeit der Arbeitnehmervertretungen beeinflusst. Wer das behauptet, der muss es auch beweisen – was bisher nicht im Ansatz geschehen ist“, schreibt Sommer in einem im Intranet des Unternehmens veröffentlichten Brief an die Belegschaft. Auch wenn sich die Anzeige nicht gegen den Vorstand richte, „treffen die mit ihr verbundenen Anschuldigungen letztlich auch das Unternehmen und seine Führung“. Sie seien „so ungeheuerlich, dass ich dazu Stellung nehmen möchte“, heißt es weiter.

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Hintergrund der Affäre sind die Ermittlungen gegen den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von ZF, Achim Dietrich-Stephan. Seit Juli prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Arbeitnehmerchef sein Unternehmen betrogen hat, in dem er Rechnungen als sachlich richtig freigegeben und seinem Arbeitgeber zur Überweisung vorgelegt hat, die nichts mit der Arbeit des Betriebsrats zu tun gehabt, sondern nur der IG Metall genutzt haben sollen.

Nach Angaben Diehls behauptet die Gewerkschaft in ihrer Anzeige, dass „durch das Verbreiten unwahrer Tatsachenbehauptungen und das Herausgeben interner Unterlagen ein Ermittlungsverfahren initiiert worden ist, um den Betriebsratschef zu schädigen“. Bereits Anfang Oktober hatte die IG Metall eine erste Version des Schriftsatzes an die Staatsanwaltschaft geschickt, darin tauchten nach Angaben Diehls neben dem Personalverantwortlichen auch mehrere namentlich nicht genannte Vorstände des Konzerns auf. Fast drei Wochen später korrigierte die Gewerkschaft ihre Anzeige und zog die Beschuldigungen gegen die Konzernvorstände zurück. „Es läuft ein Ermittlungsverfahren, wir gehen den Vorwürfen nach“, erklärte Diehl.

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