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26.04.2016

04:17 Uhr

Streit in Chattanooga

VW kämpft gegen Autogewerkschaft in den USA

VonAstrid Dörner

Volkswagen will eine Entscheidung der US-Arbeitsbehörde nicht akzeptieren, wonach die Autogewerkschaft UAW einen Teil der Mitarbeiter bei Gehaltsverhandlungen vertreten darf. Nun soll ein Berufungsgericht entscheiden.

Facharbeiter nahe dem VW-Werk in Chattanooga halten Schilder in die Luft: Im Dezember hatte eine Gruppe  dafür gestimmt, sich bei Gehaltsverhandlungen von der Autogewerkschaft UAW vertreten zu lassen. AP

Facharbeiter nahe dem VW-Werk in Chattanooga

Facharbeiter nahe dem VW-Werk in Chattanooga halten Schilder in die Luft: Im Dezember hatte eine Gruppe dafür gestimmt, sich bei Gehaltsverhandlungen von der Autogewerkschaft UAW vertreten zu lassen.

New YorkVW kämpft im US-Werk in Chattanooga weiter gegen die Autogewerkschaft UAW. Der Autobauer will vor ein Berufungsgericht ziehen, um eine Entscheidung der US-Arbeitsbehörde neu bewerten zu lassen.

Im Dezember hatte eine Gruppe von Facharbeitern mehrheitlich dafür gestimmt, sich bei Gehaltsverhandlungen von der UAW vertreten zu lassen. VW hatte dagegen Einspruch eingelegt – der wurde jedoch von der US-Arbeitsbehörde abgelehnt. Das will der Wolfsburger Autobauer jedoch nicht einfach so akzeptieren.

Bei den Facharbeitern geht es um 160 Mitarbeitern, die Maschinen und Roboter warten und etwa elf Prozent der gesamten Belegschaft in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee ausmachen. Der Wolfsburger Autobauer ist gegen diese zerstückelte Vertretung und favorisiert stattdessen eine Gesamtlösung für die rund 1400 Mitarbeiter.

VW-Abgasskandal: ARD sieht keine Belege für Beteiligung des VW-Vorstandes

VW-Abgasskandal

ARD sieht keine Belege für Beteiligung des VW-Vorstandes

Laut Medienbericht gibt es keine Belege für eine Verwicklung des Ex-VW-Vorstandes unter Martin Winterkorn in den Abgasskandal. Dafür sollen fast alle Führungskräfte unterhalb der Vorstandsebene beteiligt gewesen sein.

Eine breit angelegte Abstimmung über den Beitritt in die UAW fand 2014 keine Mehrheit. Die Gewerkschaft hatte damals kritisiert, dass die VW-Mitarbeiter von Gewerkschaftsgegnern und einer breit angelegten politischen Kampagne beeinflusst wurden.

Die UAW gab sich kämpferisch. „Das ist eine Hinhaltetaktik, die nicht funktionieren wird“, sagte Gary Casteel, der bei der UAW für die internationalen Angelegenheiten zuständig ist. Die Gewerkschaft habe die Arbeitsbehörde gebeten, eine Beschwerde gegen Volkswagen einzureichen.

Bislang ist die UAW nur bei den US-Autobauern General Motors, Ford und Chrysler vertreten, die im Bundesstaat Michigan ansässig sind. Die Gewerkschaft will jedoch auch bei ausländischen Autobauern Fuß fassen, die ihre Werke in den Südstaaten haben. Dort sind Gewerkschaften traditionell eher ungern gesehen. Der Vorstoß sorgt jedoch für Unmut in der Politik.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, hatte sich Mitte April klar hinter VW gestellt. Die Bemühungen der Gewerkschaft, mitten in der Diesel-Krise bei Volkswagen vorzudringen, „zeigt mangelnden Respekt für die allgemeine Lage des Unternehmens“, sagte er. Der Republikaner fürchtet, dass die UAW andere Unternehmen abschrecken könnte, in seinem Bundesstaat Werke zu eröffnen.

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