Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2007

08:51 Uhr

Streit mit EADS

Eurofighter droht Österreich

VonOliver Stock

Der europäische Luftfahrtkonzern EADS kämpft um den prestigeträchtigen Auftrag über die Lieferung von 18 Eurofightern nach Österreich. Die Alpenrepublik hatte nach langem Streit zwischen Regierung und Opposition im Jahr 2003 die Abfangjäger bei einer EADS-Tochterfirma bestellt.

WIEN. Inzwischen hat aber die Regierung in Wien gewechselt. Der neue sozialdemokratische Verteidigungsminister Norbert Darabos verfolgt die langjährige Position der österreichischen Sozialdemokraten und will die drei Mrd. Euro teure Bestellung nach Möglichkeit ganz rückgängig machen. „Unser definitives Ziel ist es, Geld zu sparen“, bekräftigte sein Sprecher am Montag. Beim europäischen Luftfahrtkonsortium stößt der Minister jedoch auf taube Ohren.

Für EADS geht es nicht nur ums Geld, sondern auch darum, den ersten Auftrag für eine Lieferung der Eurofighter zu behalten, der an ein Land geht, das nicht zu den Herstellern gehört. Neben Österreich haben nur die Produktionsländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien insgesamt 620 Eurofighter bestellt. Ein Vertrag mit Saudi Arabien ist noch nicht unter Dach und Fach. In Österreich hatte sich EADS gegen Mitbewerber wie Saab und Lockheed durchgesetzt.

Eurofighter-Sprecher Wolfdietrich Hoeveler weicht deswegen keinen Deut von der bisherigen Konzernposition ab: „Wir haben einen gültigen Vertrag“, stellt er fest. Im Mai werde das erste Flugzeug geliefert. Auch mit der Fertigung der letzten bestellten Maschine sei begonnen worden. Bereits im Oktober, als die Diskussion in Österreich nach den Wahlen ausgebrochen war, hatte EADS in einem Brief an das Verteidigungsministerium festgehalten, eine Stornierung des Auftrags werde Kosten von mindestens 1,2 Mrd. Euro nach sich ziehen, weil die Aufträge an rund 400 Subunternehmen bereits vergeben seien.

Für die Österreicher geht es nicht nur um diese Kosten, sondern auch um so genannte Gegengeschäfte im Wert von vier Mrd. Euro, die dem Land im Gegenzug zum Kauf der Flugzeuge zufließen sollen. Sie hatten bei Abschluss des Kaufvertrags dazu geführt, dass österreichische Unternehmer die Entscheidung für die Eurofighter unterstützten: So hatte der ehemalige Finanzminister Hannes Androsch, der an der Fischer Advanced Composite Components, einem der größten Flugzeug-Zulieferer des Landes beteiligt ist, die Entscheidung als „sicher die beste Lösung“ bezeichnet, da sich österreichische Firmen an „einer ganz wichtigen europäischen Technikplattform“ beteiligen könnten. Der Europa Chef des Automobilzulieferers Magna Siegfried Wolf machte sich ebenfalls für den Eurofighter stark, nachdem er erfahren hatte, dass die Entscheidung, einen Jeep von Chrysler in Österreich zu produzieren von dem Flugzeugauftrag abhing. Hoeveler macht deutlich, dass Österreich bei einer Abbestellung nicht damit rechnen kann, dass noch ausstehende Gegengeschäfte zustande kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×