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06.11.2011

17:21 Uhr

Streit mit Tochter

EnBW drohen Milliarden-Abschreibungen

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivDer Energiekonzern hat Streit mit seiner wichtigsten Tochtergesellschaft EWE. Aus internen Kreise erfuhr das Handelsblatt, dass EnBW zu Abschreibungen von bis zu 1,15 Milliarden Euro gezwungen sein könnte.

Im Prospekt einer Anleihe weist der Energiekonzern schon auf die Risiken und mögliche Abschreibungen hin. dpa

Im Prospekt einer Anleihe weist der Energiekonzern schon auf die Risiken und mögliche Abschreibungen hin.

DüsseldorfDer Energie-Baden-Württemberg AG (EnBW) drohen wegen eines Streits mit der wichtigsten Tochtergesellschaft, dem Oldenburger Regionalversorger EWE, hohe finanzielle Belastungen. Der ohnehin durch den Atomausstieg gebeutelte Energiekonzern könnte zu Abschreibungen von bis zu 1,15 Milliarden Euro gezwungen sein, wie das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Konzerne erfuhr.

Der Vorstand des Regionalversorgers EWE, an dem die EnBW mit 26 Prozent beteiligt ist, pocht nach Informationen des Handelsblatts auf einen Vertrag, nachdem die EnBW bis Ende des Jahres der EWE für 1,44 Milliarden Euro deren 48-Prozent-Paket am ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG) abkaufen soll. Am Wochenende eskalierte der Streit. Die EWE-Führung beantragte gegen den Willen der EnBW, eine Hauptversammlung der VNG-Aktionäre einzuberufen, auf der der Verkauf beschlossen werden soll, wie es aus den Kreisen hieß.

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Ein EWE-Sprecher bestätigte auf Anfrage den Schritt: „Mit der Bitte um Einberufung der VNG-Hauptversammlung wollen wir die Voraussetzung schaffen, um den mit EnBW vereinbarten Verkauf unserer VNG-Beteiligung abzuschließen. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.“ Gleichzeitig verlangen die anderen Aktionäre der EWE, mehrere norddeutsche Landkreise, dass die EnBW ihre EWE-Aktien zurück gibt. Sie pochen auf eine Change-of-Control-Klausel, weil die EnBW Anfang des Jahres mit dem Land Baden-Württemberg einen neuen Großaktionär bekommen hat.

Die EnBW war im Juli 2008 bei der EWE, dem damals größten Regionalversorger Deutschlands, eingestiegen. Vorstandschef Hans-Peter Villis bezahlte für die Minderheitsbeteiligung mit 2,1 Milliarden Euro einen hohen Preis. Zum einen versprach er sich eine strategische Partnerschaft. Zum anderen wurde zeitgleich vereinbart, dass die EnBW der EWE deren Beteiligung an der Verbundnetz Gas (VNG) abkaufen kann.

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Villis Problem: Die VNG ist wegen des scharfen Wettbewerbs auf dem Gasmarkt inzwischen wesentlich weniger wert – und wird in diesem Jahr vermutlich einen hohen Verlust ausweisen. Die EnBW müsste nach der Übernahme vermutlich unmittelbar eine hohe Abschreibung vornehmen. Und auch der Wert der EWE-Aktien, die die kommunalen Aktionäre zurück wollen, ist inzwischen deutlich gesunken. Auch hier drohen hohe Abschreibungen.

Im Prospekt einer Anleihe, die die EnBW jüngst ausgab, weist der Energiekonzern schon auf die Risiken und mögliche Abschreibungen hin.

Kommentare (7)

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Fat_Bob_ger

06.11.2011, 17:42 Uhr

Utz Claasen wäre das wohl nicht passiert. Man muss den Herrn nicht sympathisch finden, aber er wäre sicherlich nicht so naiv gewesen, wie seine Nachfolger.
Von H. Mappus (EX Ministerpräsident) ganz zu schweigen. Der hat sich wie ein Schulerbub mit dem billigsten Trick aller Zeiten (ganz gutes Geschäft, muss schnell abgewickelt werden und geheim bleiben...) über den Tisch ziehen lassen und dabei noch Steuergelder verbrannt. Wahrscheinlich haben ihm die Franzosen erklärt, was für ein Profi er doch sei und dass ein Profi wir er, gute Gelegenheiten beim Schopfe packt. Wie kann so eine Person den demokratischen Filterungsprozess überstehen? Ein absoluter Tiefpunkt der CDU BaWü.

Stimmt

06.11.2011, 18:07 Uhr

Stimmt!

Beo

06.11.2011, 18:42 Uhr

Wo bleibt die STAATSANWALTSCHAFT? Morgen Stanley hat sich die Beratungsleitsung bestimmt mit über 10m euro bezahlen lassen... Wo bleibt die Schadensersatzklage?

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