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22.02.2013

09:28 Uhr

Streit um Arbeitsmoral

US-Firmenchef feuert erneut gegen Franzosen

Der Streit zwischen dem Boss des US-Reifenkonzerns Titan und dem Industrieminister in Paris geht weiter. Taylors Äußerungen seien extremistisch. Der kontert: Frankreichs Regierung habe keine Ahnung von der Wirtschaft.

Morry Taylor erklärte Anfang der Woche, in Frankreich würden die Arbeiter mehr Lohn bekommen und nur drei Stunden am Tag arbeiten. AP/dpa

Morry Taylor erklärte Anfang der Woche, in Frankreich würden die Arbeiter mehr Lohn bekommen und nur drei Stunden am Tag arbeiten.

WashingtonUS-Firmenboss Maurice Taylor hat mit seiner Kritik an Frankreich nachgelegt. Nachdem Industrieminister Arnaud Montebourg Taylors Äußerungen als "extremistisch" bezeichnet hatte, schrieb Taylor am Donnerstag in einem neuen Brief: "Extremistisch, Herr Minister, ist Ihre Regierung und das mangelnde Wissen, wie man ein Unternehmen aufbaut."

Er selbst müsse "verrückt" gewesen sein, daran gedacht zu haben, "Millionen Dollar" für den Kauf einer Reifenfabrik in Frankreich auszugeben und einige der höchsten Löhne in der Welt zu zahlen". Die französische Regierung lasse es zu, dass "die Spinner der kommunistischen Gewerkschaft" die bestbezahlten Jobs zerstörten.

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Maurice Taylor hat die Arbeitsmoral der Franzosen durch den Kakao gezogen.

Trotz seiner scharfen Worte gibt es für Taylor auch positive Dinge an Frankreich: "Frankreich hat schöne Frauen und großartigen Wein", schrieb Taylor in seinem jüngsten Brief. Er selbst sei zudem nach dem berühmten Franzosen Maurice Chevalier benannt. "Meine Großmutter nannte meinen Vater nach dem französischen Entertainer Maurice Chevalier." Als ältester Sohn habe er den Namen dann geerbt.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Taylor ist Chef des US-Reifenkonzerns Titan. In einem ersten Brief hatte er sich über die französische Arbeitsmoral ausgelassen und erklärt, die "sogenannten Arbeiter" in einem französischen Reifen-Werk arbeiteten höchstens "drei Stunden" am Tag. Montebourg hatte den US-Konzern gebeten, eine Übernahme des von der Schließung bedrohten Werks des US-Konzerns Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu prüfen. Der Titan-Chef erteilt dem Ansinnen eine unverblümte Absage: "Was glauben Sie eigentlich, wie dumm wir sind?" Montebourg nannte Taylors Äußerungen daraufhin extremistisch.

Von

afp

Kommentare (44)

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WFriedrich

22.02.2013, 09:55 Uhr

Unternehmer sollten entscheiden. Ein sachlich fundiertes "Nein" zur Übernahme hätte weiterer Erklärungen nicht bedurft. Weder muss eine unternehmerische Entscheidung gegenüber Dritten begründet, noch polemisch gerechtfertigt werden. Was Mr. Taylor zu Letzterem veranlasst hat, ist unbekannt. Häme aus dem Wettbewerb ist ihm dagegen sicher. Wer immer auch Taylors inhaltliche Argumente teilt, sollte auf närrische Offenheit im wohlverstandenen Eigeninteresse verzichten. Taylor hat weder seinem Unternehmen und deren Eigentümern, noch den US-Interessanten am französischen (Absatz-) Markt einen guten Dienst erwiesen. Aber auch hier gilt, des Einen Torheit ist des Anderen Freude.

AxelSiegler

22.02.2013, 09:59 Uhr

... Maurice Taylor 4 EU Generalkommisar! ;)

Murphy

22.02.2013, 10:06 Uhr

Zumindest kenne ich jetzt diesen Reifenhersteller.
Und ob der französische Markt, bei der Werbung, noch eine Rolle spielt, sei mal dahingestellt.

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