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07.06.2013

16:14 Uhr

Streit um Klimaschutz

Deutschland will Autobauern mit neuem CO2-Vorschlag helfen

Die EU will den CO2-Ausstoß von Autos drosseln. Die Hersteller fühlen sich benachteiligt. Die Bundesregierung hat nun einen Kompromiss vorgeschlagen – doch der passt Umweltschützer nicht.

Die EU will den CO2-Ausstoß von Autos drosseln. Die Autobauer sind dagegen. Deutschland hat nun einen Kompromiss vorgeschlagen. dpa

Die EU will den CO2-Ausstoß von Autos drosseln. Die Autobauer sind dagegen. Deutschland hat nun einen Kompromiss vorgeschlagen.

BrüsselIm EU-Streit über Klimaschutzvorgaben für Autos hat Deutschland einen neuen Kompromissvorschlag vorgelegt. Wie aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Dokument hervorgeht, macht sich die Bundesregierung in Brüssel für eine größere Flexibilität bei der Anrechnung schadstoffarmer Fahrzeuge wie Elektro-Autos stark. Demnach sollen die Autobauer die für die Produktion solcher Wagen anfallenden Bonuspunkte, sogenannte Supercredits, aufsparen und sich erst nach 2020 anrechnen lassen können, wenn die EU-Kommission den CO2-Ausstoß von Neuwagen im Durchschnitt auf 95 Gramm pro Kilometer weiter begrenzen will. Nur so könne verhindert werden, dass die EU bei der Entwicklung effizienterer und schadstoffärmerer Fahrzeuge keine Zeit verliere.

Umweltschützer kritisierten den Vorstoß als Versuch, die Schadstoffvorgaben aufzuweichen, damit die Autokonzerne die Fertigung ihrer großen Spritschleudern nicht drosseln müssen. Der Vorschlag für Supercredit-Konten sei ein alter Rechentrick, der bereits von der EU-Kommission und anderen Mitgliedstaaten abgelehnt worden sei. „Es ist der verzweifelte Versuch Deutschlands, die Interessen seiner Oberklasse-Autobauer zu schützen“, sagte Greg Archer vom Umweltschutzverband Transport & Environment. Denn mit unbegrenzten Supercredits für E-Autos könnten die Hersteller genauso viele schadstoffreichere Fahrzeuge auf die Straßen bringen wie bisher.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die deutschen Oberklasseautobauer BMW, Audi und Daimler, die vor allem größere Wagen verkaufen, wollen die sauberen Elektroautos besonders stark über Supercredits angerechnet bekommen, um das CO2-Ziel zu erreichen. Dies würde gleichzeitig die E-Autos besonders fördern. Der europäische Automobilverband ACEA argumentiert, dies sei ein auch in anderen Bereichen übliches Vorgehen, um Innovation zu fördern. Die irische EU-Ratspräsidentschaft hofft, noch in diesem Monat eine Einigung zwischen den Mitgliedstaaten, dem EU-Parlament und der Kommission zu erreichen.

Von

rtr

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