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05.07.2012

10:53 Uhr

Streit um Prestigebau

Hochtief baut Elbphilharmonie zu Ende

VonJens Koenen, Georg Weishaupt

Der Baukonzern Hochtief und die Stadt Hamburg haben sich geeinigt. Das Unternehmen baut die Elbphilharmonie zu Ende. Doch für den Konzern ist das fast egal: Der Imageschaden ist schon jetzt immens.

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Frankfurt/DüsseldorfDie umstrittene Elbphilharmonie wird vom Baukonzern Hochtief fertiggestellt. Die Stadt Hamburg und das Unternehmen hätten sich geeinigt, sagte ein Sprecher der Kulturbehörde und bestätigte damit entsprechende Berichte des „Hamburger Abendblatts“ und des „NDR“.

Der Senat hatte dem Unternehmen nach Streitigkeiten um den Weiterbau eine Frist bis Mittwoch gesetzt, um die Arbeiten wieder aufzunehmen. Hochtief habe fristgerecht und zufriedenstellend geantwortet, sagte der Sprecher.

Details über die vereinbarten Punkte sollten am Mittag verkündet werden. Unter anderem soll Hochtief zugesagt haben, das umstrittene Dach endlich fertigzustellen. Als neuer Gesamtfertigstellungstermin werde Mitte 2015 angepeilt. Die Tätigkeiten auf der Baustelle ruhen seit acht Monaten, weil sich die Stadt und Hochtief über die Sicherheit der Dachkonstruktion streiten.

Die wichtigsten Etappen des Projekts Elbphilharmonie

Oktober 2001

Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

Juni 2003

Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.

Juli 2005

Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen.

November 2006

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

April 2007

Grundsteinlegung Elbphilharmonie.

Juni 2008

Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) gibt bekannt, dass die Eröffnung der Elbphilharmonie um ein Jahr auf Herbst 2011 verschoben wird.

September 2008

Nach Spekulationen über Mehrkosten in Höhe von bis zu 140 Millionen Euro muss Projektleiter Hartmut Wegener gehen. Sein Nachfolger wird Heribert Leutner.

November 2008

Senatorin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.

April 2010

Die Stadt Hamburg verklagt den Baukonzern Hochtief. Die Stadt fordert unter anderem einen belastbaren Terminplan, der immer noch nicht vorliege.

Mai 2010

Der von der Hamburger Bürgerschaft einstimmig eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der Kostensteigerungen herauszufinden.

Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.

Juli 2011

Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

November 2011

Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.

Dezember 2011

Hochtief verschiebt den Übergabetermin von April 2014 auf November 2014.

Februar 2012

Ex-Bürgermeister von Beust sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

April 2012

Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, bis zum 31. Mai am Saaldach weiterzubauen.

Mai 2012

Das erste Ultimatum der Stadt an Hochtief läuft aus. Hochtief kündigt an, die Arbeiten an der Elbphilharmonie wieder aufzunehmen.

Juni 2012

Nachdem auf der Baustelle nichts passiert ist, setzt die Stadt Hochtief ein zweites Ultimatum bis zum 4. Juli.

Juli 2012

Das zweite Ultimatum der Stadt an Hochtief endet. Die Stadt Hamburg und Hochtief einigen sich. Der Baukonzern will die Elbphilharmonie fertigstellen.

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) forderte von Hochtief eine bedingungslose Zusage, das Saaldach zu Ende zu bauen. Außerdem müsse das Schiedsgerichtsverfahren, dem Hochtief zu einem früheren Zeitpunkt bereits zugestimmt habe, endlich auf den Weg gebracht werden. Es soll sämtliche Rechtsstreitigkeiten um Mehrkosten und Bauzeitverlängerungen klären.

Im Streit um die Ausführungsplanung der gesamten Haustechnik hat die Stadt Hochtief zwei Varianten vorgeschlagen: Entweder übernimmt die Stadt diese Arbeiten allein oder Hochtief zusammen mit den Architekten Herzog & de Meuron. Außerdem soll ein endgültiger Zeitplan vorgelegt werden.

Bis gestern hatte der Konzern Zeit, gegenüber der Stadt Hamburg zu erklären, wie es mit dem Chaosbau nun weitergehen soll. Eine Entscheidung wurde am Abend kurzfristig vertagt. Man habe noch Gesprächsbedarf, teilten beide Seiten mit.

Die Stadt und Hochtief liegen seit Jahren im Clinch. Eigentlich sollte das Konzerthaus bereits 2010 fertig sein und die Kosten waren mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt. Mittlerweile liegen sie aber bereits bei mindestens 320 Millionen Euro und das Haus wird erst 2015 fertig.

Ein erstes Ultimatum war Ende Mai verstrichen, ohne Ergebnis. Zwar hatte Hochtief erklärt, man werde in den strittigen Punkten Alternativen präsentieren. Aber im Kern will der Konzern hart bleiben und nicht klein beigeben. „Wenn der Vertrag gekündigt würde, dann ist das eben so. Wir haben uns auf diesen Fall vorbereitet“, sagte Frank Stieler, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Kommentare (9)

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Steuerzahler

05.07.2012, 10:13 Uhr

"der Imageschaden für das Unternehmen ist schon immens"
Eine merkwürdige Aussage hinsichtlich der Tatsache, dass der Steuerzahler für dieses aufgeblasene Prestigemonument mitsamt Inkompetenz der öffentlichen "Planer" aufkommen darf. Oder meint man mit dem Verkauf von Konzertkarten die 320 Mio € Kosten vorm Jahr 2890 abdecken zu können?

Kapturak

05.07.2012, 10:40 Uhr


Die Elbphilharmonie ist ein typisches Beispiel für die Verschwendungssucht eitler Politiker. Während zB. die wichtigen Zukunftsthemen Bildung und Forschung kaputtgespart werden, investiert man lieber in Betonmonumente, die man dann pressewirksam einweihen kann.

Wahrheit

05.07.2012, 11:22 Uhr

Es ist nicht das erst mal das Herzog & de Meuron negativ auffällt. Niemand hat das Recht an Herzog & de Meuron noch zu Lasten Dritter Aufträge zu erteilen!

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