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13.08.2012

13:53 Uhr

Streit um Stahlwerk

Rom erwägt Gang vors Verfassungsgericht

In der Umgebung eines italienischen Stahlwerks soll die Sterblichkeit der Bevölkerung über dem Durchschnitt liegen. Ein Gericht will das Werk schließen. Rom geht gegen die Entscheidung vor.

Das umstrittene Stahlwerk in Tarent. AFP

Das umstrittene Stahlwerk in Tarent.

RomIm Streit um die Schließung eines der größten europäischen Stahlwerke in Süditalien aus Umweltschutzgründen erwägt die italienische Regierung den Gang vor das Verfassungsgericht. Rom will nicht akzeptieren, dass ein Richter im süditalienischen Tarent angeordnet hatte, Teile des Stahlwerks wegen mutmaßlicher schwerer Umwelt- und Gesundheitsschäden zu schließen. „Wir werden das Verfassungsgericht auffordern zu prüfen, ob dies nicht gegen unser Recht verstößt, Industriepolitik zu betreiben“, sagte Kabinettssekretär Antonio Catricalà am Montag dem Sender Radio Uno.

Im Werk ILVA der RIVA-Gruppe in Tarent arbeiten 11.500 Menschen, weitere 8000 Arbeitsplätze hängen von dem Standort ab. Ein im Auftrag des Gerichts erstelltes Gutachten hatte bereits im vergangenen Jahr ergeben, dass das Werk hohe Mengen Dioxin und anderer umwelt- und gesundheitsschädlicher Stoffe freisetzt. Dies habe zu einer hohen Zahl Krebs-, Herz- und Luftweg-Erkrankungen in der Bevölkerung und bei den Arbeitern geführt. Die Sterblichkeit in der Umgebung liege dadurch um zehn bis 15 Prozent über dem Durchschnitt.

Kabinettssekretär Catricalà sagte am Montag, eine Schließung des Werkes in Apulien hätte „gravierende Folgen für die italienische Wirtschaft“. ILVA produziert neun Millionen Tonnen Stahl jährlich - etwa ein Drittel der 28 Millionen Tonnen, die in Italien pro Jahr verbraucht werden.

Regierungschef Mario Monti will am Freitag eine Delegation von drei Ministern nach Tarent schicken - den Minister für wirtschaftliche Entwicklung, den für Umwelt und die Justizministerin. Die Gewerkschaften hatten Anfang August eine große Kundgebung organisiert und gegen die Schließung protestiert. Ein Gewerkschafter sagte damals, er sterbe lieber an Krebs als an Hunger.

Von

afp

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