Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2012

13:51 Uhr

Streit um Web-Browser

Microsoft erneut im Visier der EU

Rivalen von Microsoft haben der EU-Kommission gesteckt, dass der US-Softwarekonzern wohl gegen frühere Zusagen an die Wettbewerbshüter verstößt - das kann richtig teuer werden. Doch der Konzern hat eine Ausrede parat.

Besucher gehen in Hannover auf der Computermesse CeBIT am Stand von Microsoft vorbei. dapd

Besucher gehen in Hannover auf der Computermesse CeBIT am Stand von Microsoft vorbei.

BrüsselDer Softwareriese Microsoft muss erneut eine millionenschwere EU-Geldbuße fürchten. Die EU-Kommission hat ein neues Kartellverfahren gegen den US-Konzern wegen unlauterer Geschäftspraktiken eröffnet. Microsoft biete seinen Windows-Nutzern nicht - wie versprochen - die freie Wahl des Web-Browsers an, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Dienstag in Brüssel. Konkurrenten hätten sich bei der Kommission darüber beschwert, dass der US-Konzern den Nutzern auf der Startseite seines Systems nicht länger die Auswahl zwischen verschiedenen Internetbrowsern lasse.

Der Konzern halte sich somit nicht an seine Zusagen aus dem Jahr 2009. Sollte sich der Vorwurf erhärten, droht Microsoft eine Strafe von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Aus der Wettbewerbsbehörde verlautete, Microsoft habe den Verstoß zugegeben und spreche von einem „technischen Fehler“. Der Konzern habe entsprechende Schritte eingeleitet, um das Problem zu beheben. Microsoft entschuldigte sich für den Fehler.

Urteil : EuGH bestätigt Rekordbußgeld gegen Microsoft

Urteil

Rekordbußgeld gegen Microsoft bestätigt

Der Europäische Gerichtshof hat das Bußgeld im Wesentlichen als rechtens bestätigt.

Laut EU-Kommission verstößt der Softwarekonzern seit Februar 2011 gegen seine Verpflichtung. Damals kam die Softwareaktualisierung Service Pack für Windows 7 auf den Markt. „Als Resultat konnten 28 Millionen Nutzer den Auswahlbildschirm [mit weiteren Browsern als Alternative] nicht sehen“, sagte Almunia. Der Kommissar sprach von einem einmaligen Fall: „Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen sich nicht an die Vorgaben der Kartellbehörden hält... Wir nehmen das sehr ernst.“

Seit Jahren streitet Microsoft mit Brüssel um den Web-Browser. Browser sind nötig, um im World Wide Web zu surfen. Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten Microsoft 2009 gezwungen, Verbrauchern in der EU neben dem hauseigenen Internet Explorer elf weitere Browser als Alternativen anzubieten. Zuvor installierte Microsoft standardmäßig den hauseigenen Internet Explorer. Auf einem Auswahlbildschirm sollen nun daneben auch Konkurrenten wie Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera erscheinen. Die Verpflichtung gilt für fünf Jahre, also bis 2014.

Produktneuheit: Neues Office soll Microsofts Marktmacht zementieren

Produktneuheit

Neues Office vorgestellt

Microsofts Bürosoftware-Paket ist jetzt für Cloud-Anwendungen und Tablets optimiert.

Auf diese Weise wollte Brüssel die Vormachtstellung des Konzerns brechen - sein Windows-Marktanteil liegt bei Computern und Laptops europaweit bei über 90 Prozent. Der Marktanteil des Internet Explorers bei den Browsern ist jedoch deutlich geringer als der von Windows unter den Betriebssystemen. Nach einer aktuellen Studie Marktforschungsunternehmens Webtrekk kommt der Microsoft-Browser in Deutschland auf 31,1 Prozent und liegt damit hinter Firefox (35,1 Prozent) und vor Safari (16,9) und Chrome (11,7) auf Platz zwei.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.07.2012, 13:31 Uhr

Wie unglaublich ist das alles? Was hat das Brüsseler Monster dabei zu suchen? Für mich ist das Anmaßung vom Allerfeinsten. Nicht genug, das es die Bürger der EU entrechtet und ihnen alles Möglich aufdrückt, es mischt sich inzwischen überall ein. Ausmisten diesen Stall.

Ludwig500

17.07.2012, 15:00 Uhr

Sorry, die Kartellbehörde hat durchaus ihre Berechtigung. Microsoft ist da zurecht Stammgast, weil der Laden mit allen Tricks seine marktbeherschende Stellung ausnutzt. "Ein Versehen"? Glaub ich nicht. Ist aber auch nicht wichtig. Fakt ist, dass MS gegen die Auflagen verstossen hat. Also her mit der Marie.

Ein übezeugter Apple-User, der nur eine Spielkonsole von MS hat.

Stoffelche

17.07.2012, 15:15 Uhr

Wieso bekommt dann Apple nicht ähnliche Auflagen für Iphone und IPad? Dort kann man zwar alternative Browser installieren, das kann man bei Windows aber auch. Im Gegensatz zu Windows kann man auf Iphone etc. aber den Standardbrowser nicht ändern, d.h. Hyperlinks aus anderen Apps heraus landen immer im Safari. Geschweige denn Auswahl des Standardbrowsers, oder etwa Installation eines Browser der Flash kann. Flash wird schlicht und einfach von Apple auf dem Iphone verboten. Es wird mal Zeit dass auch gegen die extrem restriktive Haltung von Apple in diesen Bereichen vorgegangen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×