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16.08.2013

10:41 Uhr

Streit um Werksschließung

Bochumer Betriebsrat verklagt Opel-Vorstand

Rainer Einenkel gibt nicht auf: Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes verklagt den Vorstand. Der Aufsichtsrat sei nicht richtig informiert worden. Der Streit um die Werksschließung geht in die nächste Runde.

Transparent am Opel Werk in Bochum: Der Betriebsrat gibt im Kampf um die Schließung nicht auf. dpa

Transparent am Opel Werk in Bochum: Der Betriebsrat gibt im Kampf um die Schließung nicht auf.

BochumDer Bochumer Opel-Betriebsrat hat im Streit um die Schließung des Standorts den Konzernvorstand verklagt. Konkret beanstandet er die Verlegung der Produktion des Zafira nach Rüsselsheim. Darüber sei „der gesamte Aufsichtsrat nicht korrekt informiert“ worden, sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel am Donnerstag dem Portal „DerWesten“, dem Internetauftritt der Funke-Mediengruppe. „Es gab keine sauberen Informationen über den Beschluss, das Werk zu schließen“, kritisierte Einenkel, der selbst im Aufsichtsrat sitzt.

Die Opel-Beschäftigten in Bochum hatten den Sanierungstarifvertrag des Unternehmens abgelehnt, der den Erhalt zahlreicher Jobs, aber die Schließung der Produktion im Bochumer Werk nach 2016 vorsah. Daraufhin verkündete Opel das Aus bereits für Ende 2014. Derzeit arbeiten bei Opel-Bochum direkt und im Verteilzentrum noch mehr als 3000 Mitarbeiter.

Für ihre Klage erhoffen die Initiatoren Unterstützung der anderen Belegschaften, die dem Sanierungskurs des Managements bisher gefolgt sind: „Als Bochumer erwarten wir, dass alle weiteren Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, und dazu gehören alle Betriebsratsvorsitzenden der deutschen Opel-Werke, der Bezirksleiter der IG Metall-Hessen und die IG Metall, die Klage der Bochumer unterstützen“, heißt es auf der Internetseite des Bochumer Betriebsrats.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Der Autobauer Opel sieht die Klage des Bochumer Betriebsrats gelassen. Zwar sei die Klageschrift noch nicht beim Unternehmen eingegangen, sagte ein Sprecher der Adam Opel AG am Freitag. „Unabhängig davon stellen wir fest, dass der Opel-Aufsichtsrat seine Entscheidung im Einklang mit allen geltenden Regeln getroffen hat.“

Dem Autobauer geht es mittlerweile wieder besser. Opel konnte in einem weiterhin schwachen europäischen Automarkt vor allem durch Einsparungen ihre Verluste deutlich eindämmen. „Wir haben weitere Fortschritte in unserem europäischen Geschäft gemacht“, erklärte Dan Akerson, Chef des US-Mutterkonzerns General Motors, Ende Juli. Im zweiten Quartal schrieb General Motors in Europa noch ein operatives Minus von 110 Millionen Dollar (84 Millionen Euro), nachdem im Vorjahreszeitraum ein fast viermal so hoher Verlust von 394 Millionen Dollar angefallen war. Damit kommen Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall ihrem Ziel näher, zur Mitte des Jahrzehnts wieder Geld zu verdienen.

Opel und Vauxhall haben es allerdings angesichts der schwierigen Marktlage noch nicht geschafft, den Schwund bei den Verkäufen zu stoppen. Diese fielen in Europa weiter von 299.000 im Vorjahresquartal auf nun 284.000 Fahrzeuge. In der Folge reduzierte der Hersteller seine Belegschaft auf dem Kontinent binnen eines Jahres von rund 38.000 auf etwa 35.000 Beschäftigte.

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Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht im Stellenabbau den Hauptgrund für die besseren Zahlen: „Wenn man auf die Marktanteile schaut, die hohen taktischen Zulassungen, dann sieht es weniger rosig aus“, sagte er Ende Juli. „Eine Trendwende sieht anders aus.“ Er rechnet noch lange mit einem schwachen Markt in Europa.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Marcus

15.08.2013, 21:35 Uhr

Herr Einenkel sollte vielleicht mal sein eigenes Verhalten hinterfragen, ob das denn dienlich ist. Anstatt kontruktiv mitzuarbeiten, ist er immer nur auf Krawall gebürstet und sucht wo es nur geht Streit.

Was soll man von einem Gewerkschafter auch erwarten..

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