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02.01.2012

13:05 Uhr

Strommarkt

Die Energiewende ist Privatsache

VonGeorg Weishaupt

Die großen Versorger investieren derzeit Milliarden in neue Windkraftparks. Doch die meisten Anlagen für erneuerbare Energien sind weiterhin im privaten Besitz zu finden. Die Aufholjagd wird teuer werden.

Erneuerbare Energieproduktion liegt in Deutschland meist in der Hand von Privatbesitzern. dpa

Erneuerbare Energieproduktion liegt in Deutschland meist in der Hand von Privatbesitzern.

DüsseldorfDie Energiekonzerne wollen sich derzeit gegenseitig übertreffen: Eon, RWE, EnBW und Vattenfall kündigen milliardenschwere Investitionen in neue Windparks in der Nord- und Ostsee oder in Wasserkraftwerke an. Die großen vier, so scheint es, beherrschen nach dem Atomausstieg nun eben den Markt für erneuerbare Energien in Deutschland.

Doch der Eindruck täuscht. Die klassischen großen Stromerzeuger spielen im Markt für Sonne, Wind, Wasser und Biomasse bisher nur eine Nebenrolle. „Die meisten Anlagen für erneuerbare Energien in Deutschland – insbesondere Photovoltaik-Anlagen – gehören Privatpersonen“, sagt Dirk Briese, Geschäftsführer von Trendresearch.

Privatleute kontrollierten Ende 2010 knapp 40 Prozent der installierten Leistung aller Photovoltaik-, Wind- und Biogasanlagen in Deutschland, die zusammen auf eine Leistung von 53 Gigawatt kamen. Das haben die Bremer Marktforscher ausgerechnet und in einer neuen Studie analysiert, die dem Handelsblatt vorliegt. „Die großen vier deutschen Energieversorger besitzen nur gut sechs Prozent der gesamten in Deutschland installierten Leistung für erneuerbare Energien.“

Und in den vergangenen Jahren strengten sich die Energieriesen auch nicht sonderlich an, die Verhältnisse zu ändern. Ihr Anteil an den Neuinstallationen lag 2010 nur bei mageren 2,1 Prozent. Die Privatpersonen steuerten dagegen 37,1 Prozent bei, Landwirte 19,7 Prozent und Gewerbeunternehmen 15,4 Prozent. Stärker als die Energiekonzerne engagieren sich sogar noch Fonds und Banken, die sich wegen der Euro-Krise verstärkt für sichere Geldanlagen interessieren und einen Anteil an den Neuinstallationen von 11,4 Prozent haben.

Finanzinvestoren wie Blackstone steigen bei Offshore-Windparks ein

„Wir erhalten viele Anfragen von Finanzinvestoren, die sich beteiligen wollen“, bestätigt Markus Wirth, Vorstand von Wirsol, einem sogenannten Projektierer von Solarparks. Für Fonds und Banken sind Solarparks solide Geldanlagen. Denn das Investitionsrisiko ist gering, weil die Hersteller eine Lebensdauer von 20 Jahren garantieren. Die Anlagen müssen zwar gewartet werden, aber der mechanische Verschleiß spielt nur eine geringe Rolle. Außerdem erhalten die Parkbetreiber für jede Kilowattstunde Strom, den sie ins Netz einspeisen, einen festen Betrag – und das 20 Jahre lang – garantiert.

Kommentare (9)

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konrad

03.01.2012, 23:04 Uhr

Die Privatmenschen müssen ohnehin alles tragen was diese Regierung und die Vorgänger so verzapft haben. Wie kann man nur dem Büger den bisher schon teurersten Strom in Europa noch teuerer und dazu noch unsicherer machen?
Die ganze Welt lacht sich krank, meine Freunde im Ausland zahlen zum Teil nur 30% meines Strompreises. Wozu das alles?
Wegen einer erfundenen Klimakatastrophe, wegen erfundener Gefahren die nur bei uns zu exsistieren scheinen. Wer soviel Unsinn verursacht ist entweder dumm oder bösartig.

Hartmut.Rast

04.01.2012, 07:21 Uhr

Bei Ihren ganzen Zahlenspielereien haben Sie leider eine entscheidende Größe vergessen, nämlich den Anteil der steuerlichen Subventionen.

Deutschland erkauft sich grüne Politik zum Preis des Staatsbankrotts wenn 1 kw zum Strompreis von rd 5 Cent in Leipzig an der Strombörse gehandelt werden, nachdem es zuvor mit rd. 45 Cent subventioniert wurde.

Nicht nur, daß der deutsche Steuerzahler den Ausbau der chinesischen Solarindustrie fördert damit noch mehr Billigprodukte aus Fernost hierzulande die Arbeitsplätze vernichten oder garnicht erst entstehen lassen, nein, Banken und Hedgefonds grasen diese renditeträchtige Wiese jetzt auch noch ab und puschen das vorgenannte Mißverhältnis in noch größere Dimensionen.

Die Renditen steigen und die Gehirne schrumpfen, so läßt sich auf Dauer kein Staat machen.

vandale

04.01.2012, 08:22 Uhr

Wenn ich an den Neuen Markt 99 - 01 zurückdenke so wurde dieser gleichfalls von Privatleuten angeheizt, Elektriker die plötzlich zu Börsenexperten wurden, Verkäuferinnen die auf ihre T-Aktien stolz waren. Die Versicherer hatten seinerzeit Aktien zu Höchstkursen gekauft und dann 02 zu Tiefstkursen verkauft.

Heutzutage haben sich viele Private, aber auch Landesbanken (müssen regelmässig gerettet werden)und Versicherer bei "Erneuerbaren Energien" engagiert. Einige Industriekonzerne, Wacker, Siemens, Bosch, sind involviert.

Die Problematik ist die dass die Energiedichte von Wind und Sonne unzureichend ist um diese zu einer industriellen Stromerzeugung nutzen zu können. Die Einspeisung dieses Stroms ist wetterabhängig. Ein derartiger Strom ist in einem bedarfsgesteuertem Netz ziemlich wertlos.

Die Subventionslasten sind, wer hätte dies bei den Politikern anders gedacht, über 20 Jahre in die Zukunft verteilt. Die Solarzellen des Jahres 05 erhalten bis 2025 Subventionen. Jede neue Anlage erhöht die Subventionslast. Analog eines Kettenbriefsystems stellt sich die Frage wann eine derartige Blase platzt, bzw. die Subventionen gekürzt/gestrichen werden müssen.

Beim Platzen der Blase gibt es dann wieder viel Verbitterung.

Vandale

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