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02.08.2014

15:46 Uhr

Strompreispolitik

Billig-Energieland USA lockt deutsche Konzerne

Die hohen Strompreise treiben deutsche Firmen ins Billig-Energieland USA. Die neue Ökostrom-Förderung hat die Gefahr zwar entschärft. Doch ob gekürzte Investitionen nicht doch in Abwanderung umschlagen, bleibt offen.

In den USA ist die Energie günstiger als in Deutschland. Das kann fatale Folgen für die Wirtschaft haben. AFP

In den USA ist die Energie günstiger als in Deutschland. Das kann fatale Folgen für die Wirtschaft haben.

Berlin/New York Die günstige Energie in den USA verführt deutsche Unternehmen, Kapazitäten über den Atlantik zu verschieben – und wegen des teuren Stroms daheim massiv Investitionen zu kappen. Zwar hören sich die Warnungen der Wirtschaft nicht mehr so schrill an wie noch vor der jetzt greifenden Ökostrom-Reform. Doch obwohl das System der umstrittenen Industrierabatte weithin unangetastet bleibt, drohen manche Großverbraucher mit Folgen für die Bundesrepublik. Zugleich versichern sie: Ein Aufstocken in Amerika sei nicht gleichbedeutend mit einem umfangreichen Abbau in Deutschland.

„Welche Auswirkungen Detailregelungen haben, lässt sich noch nicht genau sagen“, heißt es beim weltgrößten Chemiekonzern BASF zur am Freitag in Kraft tretenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die Ludwigshafener hatten bereits angekündigt, wegen der hohen Energiekosten den Anteil heimischer Investitionen von einem Drittel auf ein Viertel zusammenzustreichen. Parallel dazu baut und erweitert BASF - auch aufgrund der dank Fracking gesunkenen Gaspreise - neue Standorte in den USA, unter anderem in Freeport (Bundesstaat Texas).

Die strittigen Rabatte für energieintensive Industrien, durch die die Kosten für die Verbraucher bei der Ökostrom-Förderung steigen, sind trotz harter Verhandlungen mit der EU-Kommission nicht so stark eingedämmt worden wie von Kritikern gefordert. In der Summe bleiben sie mit einem Umfang von rund fünf Milliarden Euro sogar konstant.

„Beim neuen EEG passiert kein Erdrutsch“, sagt Jörg Rothermel, Chef des Branchenverbands EID. Das Fördersystem bleibe aber komplex - und die Verdoppelung der EEG-Mindestumlage auf 0,1 Cent je Kilowattstunde belaste die Unternehmen durchaus. Nicht wenige Betriebe mit hohem Stromverbrauch wie Stahl-, Baustoff-, Chemie- oder Papierhersteller überlegten daher, in den Vereinigten Staaten draufzusatteln.

Die umkämpfte EEG-Reform

Ziele

Es gibt mehr als 4000 EEG-Vergütungssätze - immer wieder wurden Vergütungen gekürzt oder Boni verändert. Den jeweils zum Anschlussdatum gültigen Fördersatz gibt es auf 20 Jahre garantiert. Die Reform soll nun die schrittweise Abkehr von den auf 20 Jahren gesicherten Zahlungen einleiten, da die Differenz zwischen dem füeegr den Strom erzielten Preis und dem festen Vergütungssatz per EEG-Umlage über den Strompreis zu zahlen sind. Die Vergütung soll für neue Anlagen im Schnitt auf 12 Cent je Kilowattstunde sinken. Von heute 25 Prozent soll der Ökostromanteil günstiger als bisher auf 40 bis 45 Prozent bis 2025 und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen.

Windenergie

Es soll einen jährlichen Zubau von 2500 Megawatt geben. Strittig sind drei Dinge: Der „Ausbaudeckel“ von 2500 MW. Und ob der Austausch alter durch leistungsstärkere Windräder bei den 2500 MW miteingerechnet wird. Drittens der Stichtag 23. Januar 2014: Für Anlagen, die danach genehmigt worden sind, soll bereits die neue Regelung mit Förderkürzungen gelten. Mehrere Länder pochen auf einen deutlich späteren Stichtag.

Windkraft im Meer

Hier soll es zwar eine hohe Anfangsvergütung von rund 19 Cent je Kilowattstunde geben, aber die Ziele werden gekürzt. Statt 10 000 Megawatt sollen nur 6500 Megawatt bis 2020 installiert werden und 15 000 Megawatt bis zum Jahr 2030.

Biomasse

Auch wegen der Zunahme von Maisanbauflächen soll der Zubau auf nur noch 100 Megawatt pro Jahr gedeckelt werden - mehrere Länder fordern Korrekturen. Neue Anlagen sollen vor allem mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden. Da die Anlagen anders als Sonne und Wind berechenbar Energie liefern können, soll die Produktion stärker auf den aktuellen Bedarf ausgerichtet werden, dafür soll es dann einen „Flexibilitäts-Bonus“ geben.

Industrie-Rabatte

Rund 2100 Unternehmen sind derzeit begünstigt, sie bezahlen dadurch 5,1 Milliarden Euro weniger. Mit der EU-Kommission wird um eine zukunftsfeste und rechtssichere Lösung beim Ausmaß der Rabatte gerungen. Es gibt politischen Druck, etwa aus Nordrhein-Westfalen, möglichst wenige Verschärfungen zuzulassen.

Eigenstrom

Die Kosten für die Bürger steigen auch, weil zunehmend Unternehmen Strom selbst erzeugen und verbrauchen, so sind sie von Ökostrom-Umlage und Netzentgelten befreit. Künftig sollte die Eigenstromerzeugung mit einer Mindestumlage belegt werden, um andere Stromverbraucher zu entlasten. Aber auf Druck aus Union und SPD wurde dieser Vorschlag für bestehende Anlagen kassiert. Bei neuen Anlagen sollen Industrieunternehmen nun 1,2 Cent „Soli“ je Kilowattstunde zahlen, private Haushalte oder Supermärkte, die sich mit Solarstrom selbst versorgen, aber 4,4 Cent - die Solarlobby läuft dagegen Sturm.

Der Anteil deutscher Firmen an ausländischen Direktinvestitionen in den USA ist traditionell hoch – er liegt bei etwa einem Zehntel. Jüngste Beispiele sind BMW und VW, die ihre Werke im Land ausbauen. Mercedes-Benz hat seine Fabrik in Alabama gerade erst erweitert – die dort hergestellten Wagen sind auch für den Export bestimmt.

Nach einer Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern von Ende 2013 planen drei Viertel der deutschen Firmen in den USA, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Danach waren es zuletzt 581.000 Jobs. Ein wesentlicher Standortfaktor neben besserem Marktzugang, geringeren Wechselkursrisiken und günstigeren Arbeitskosten: die meist deutlich niedrigere Energierechnung – der US-Schiefergas-Boom macht's möglich.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

04.08.2014, 09:09 Uhr

In den USA gibt es billige Energie. Nur Frau Merkel bzw. unsere Politiker wollen die Bürger ausplündern!

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