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02.02.2009

14:38 Uhr

Stromriese

EDF lässt es bei Investitionen krachen

VonHolger Alich

Finanznot? Kreditklemme? Diese Probleme scheint Frankreichs Stromriese EDF nicht zu kennen. Nach Angaben von Finanzvorstand Camus hat der Konzern keine Probleme, sein 50 Milliarden Euro schweres Atomprogramm zu stemmen. Das größte Risiko für EDF liegt in der Entwicklung des Strompreises.

Ratingagenturen sprechen EDF nach wie vor hohe Kreditwürdigkeit zu. Foto: dpa Quelle: dpa

Ratingagenturen sprechen EDF nach wie vor hohe Kreditwürdigkeit zu. Foto: dpa

PARIS. Innerhalb weniger Monate hat der Konzern den Kauf von British Energy für 12,5 Mrd. Pfund durchgezogen und den Kauf von 50 Prozent der nuklearen Aktivitäten des US-Stromanbieters Constellation für 4,5 Mrd. Dollar in die Wege geleitet. Und jetzt will EDF insgesamt bis zu zwölf neue Atomkraftwerke bis zum Jahr 2020 bauen. Kostenpunkt: Mehr als 50 Mrd. Euro.

Kann EDF das alles bezahlen? Daniel Camus, Finanzchef von EDF, beruhigt: „Auch nach den beiden Zukäufen wird unser Verhältnis von Schulden zu Ebitda eines der besten in der Branche sein.“ Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie EDF seine Pläne finanzieren will. „EDF will den Atomausbau nicht alleine bezahlen“, so Camus. Daher suche der Konzern zahlungskräftige Partner.

Die Rating-Agenturen sprechen EDF nach wie hohe Kreditwürdigkeit zu. Zwar haben S&P und Co. ihre Einstufungen für EDF nach den Zukäufen um eine Note gesenkt, da die Verschuldung hochschnellt. Doch EDF bekommt von S&P weiter ein „A plus“. RWE und Eon haben beide ein „A“. Allerdings verweist S&P darauf, dass EDF einen Rating-Bonus von einer Stufe („notch“) bekommt, da der Staat hinter dem Konzern steht.

Um British Energy (BE) zu bezahlen, borgten sich die Franzosen elf Milliarden Pfund bei einem Banken-Konsortium. Zinssatz: Über sieben Prozent. Um die Finanzlast zu senken, hat EDF jüngst zwei Anleihen über vier Mrd. Euro und fünf Mrd. Dollar aufgelegt, die im Schnitt einen Prozentpunkt weniger Zinsen kosten als der Bankkredit. „Mit dem Erlös aus den Anleihen haben wir bereits die Hälfte des Kredits vorzeitig abgelöst“, sagt Camus. Dank des schwachen Pfunds kommt EDF der Kauf auf der Insel zudem billiger: umgerechnet 14 statt 15,7 Mrd. Euro. Und ferner will EDF 25 Prozent von BE an Centrica weiterreichen, was die Kasse weiter entlastet.

Wie viel dann unter dem Strich die erhöhten Schulden pro Jahr kosten, dazu kann der Finanzchef vor Veröffentlichung der Jahresergebnisse nicht sagen. Aber er betont: „British Energy liefert uns pro Jahr rund zwei Milliarden Euro Cash-Flow. Daher steigt unser Ebitda schneller als die jährliche Finanzlast.“ Im Klartext: Die Übernahmen schränken EDF nicht in seinen Investitionsmöglichkeiten ein.

Denn auch hier plant EDF großes: Über 50 Mrd. Euro wird bis 2020 der Bau der neuen Atommeiler in Frankreich (zwei) Großbritannien (vier), USA (bis zu vier) und China (zwei) kosten. 15 Mrd. Euro davon sollen über neue Schulden bezahlt werden, zehn Mrd. Euro stammen von den bestehenden Partnern; so finanziert die italienische Enel 12,5 Prozent des im Bau befindlichen Reaktors in Flamanville.

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