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20.02.2012

12:15 Uhr

Studie

Fachkräftemangel beflügelt die Leiharbeit

VonMarkus Fasse

ExklusivDer Bedarf der Unternehmen nach flexiblen Kräften steigt seit Jahren. Einer Studie zufolge legen die Personalchefs mittlerweile mehr Wert auf das Wohlergehen der Leiharbeiter. Der Grund: Es fehlt an Fachkräften.

Stand der Zeitarbeitsfirma „Manpower“: Der Bedarf an flexiblen Arbeitskräften steigt. dapd

Stand der Zeitarbeitsfirma „Manpower“: Der Bedarf an flexiblen Arbeitskräften steigt.

MünchenDer Trend ist seit Jahren ungebrochen: Mit jedem Konjunkturzyklus steigt in Deutschland die Zahl der Zeitarbeiter. Experten gehen davon aus, dass bereits in diesem Jahr erstmals mehr als eine Million Menschen auf Leihbasis beschäftigt sein könnten.

Die Entwicklung geht in zwei Richtungen: Einerseits wächst der Bedarf der Unternehmen nach flexiblen Arbeitskräften, andererseits fällt es bei sinkender Arbeitslosigkeit Randstad & Co immer schwerer, geeignete Bewerber zu finden. Manche Regionen seien regelrecht „leergefegt“, klagt die Branche. Während die Gewerkschaften den Unternehmen als Motiv oft Lohndrückerei für den Einsatz von Leiharbeitern unterstellen, kommt eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) zu einem anderen Ergebnis. Befragt wurden mehr als 100 Unternehmen, die Leiharbeit einsetzen oder erwägen. Die Studie lag der Redaktion vor Veröffentlichung vor.

Demzufolge setzen zwei Drittel der Befragten Zeitarbeiter ein, um „kurzfristig ausfallende Arbeitskräfte zu ersetzen“ oder „flexibel auf schwankende Auftragsvolumina reagieren zu können“. Lediglich acht Prozent der Befragten nannten als Motiv den Wunsch, „die Personalkosten zu reduzieren.“

In welchen Branchen Zeitarbeiter arbeiten

Zahl der Zeitarbeitnehmer

Insgesamt hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer in den vergangenen neun Jahren nahezu verdreifacht. 2002 waren lediglich circa 300.000 Zeitarbeiter beschäftigt, 2011 werden es Schätzungen zufolge 900.000 sein.

Automobilindustrie

In der Automobilindustrie arbeiteten im Jahr 2010 15,8 Prozent aller Zeitarbeiter. Damit ist die konjunkturabhängige Sparte der größte Arbeitgeber der Top-10-Zeitarbeitsfirmen.

Energie, Verkehr, Logistik

Rund 10,6 Prozent der Zeitarbeiter entfielen auf die Sparten Energie, Verkehr und Logistik.

Maschinenbau

Läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, ist der Bedarf an Zeitarbeitern im Maschinenbau hoch. Im Jahr 2010 waren 9,6 Prozent der Zeitarbeiter hier beschäftigt.

Baunebengewerbe

Im Baunebengewerbe waren ebenfalls 9,6 Prozent der von den Zeitarbeitsfirmen vermittelten Arbeiter angestellt.

Elektrotechnik

Lediglich 8,3 Prozent vermittelten die zehn größten Zeitarbeitsfirmen an die Elektrotechnik.

Konsumgüterindustrie

In der Konsumgüterindustrie waren 2010 7,2 Prozent der Zeitarbeiter beschäftigt.

IT & Telekommunikation

6,5 Prozent der Zeitarbeiter vermittelten die Personaldienstleister an Kundenfirmen aus der IT/Telekommunikationsbranche.

Luft- und Raumfahrt

Auch die Luft- und Raumfahrt benötigt Zeitarbeiter. Hier waren im vergangenen Jahr 5,9 Prozent der Zeitarbeiter angestellt.

Chemie und Pharma

Immerhin 5,6 Prozent der Zeitarbeiter kamen in der Chemie- und Pharmabranche unter.

Der Studie zufolge legen die Personalchefs mittlerweile größeren Wert auf das Wohlergehen der Leiharbeiter. Denn mit sinkender Arbeitslosigkeit wächst die Besorgnis, dass das Reservoir an flexiblen Arbeitskräften austrocknen könnte. Drei Viertel der Befragten antworteten auf die Frage, ob der wachsende Fachkräftemangel die Arbeitsbedingungen von Zeitarbeitern verbessert, mit „ziemlich wahrscheinlich“ oder „ganz sicher“.

So sprechen sich fast alle Befragten für eine systematische Einarbeitung der Zeitarbeiter aus. 60 Prozent sind für eine einheitliche Arbeitskleidung, sieben von zehn Personalchefs sind für regelmäßige Mitarbeitergespräche. Acht von zehn Unternehmen halten sogar gemeinsame Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern zwischen Zeitarbeitern und Stammbelegschaft für gut oder sehr gut geeignet, um das ausgeliehene Personal in das Unternehmen zu integrieren.

Ab dem 24. Februar steht die DGFP-Studie unter diesem Link kostenlos zum Abruf zur Verfügung.

Kommentare (18)

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Leiharbeitszuhaelter_fuer_AG

20.02.2012, 12:39 Uhr

„Der Studie zufolge legen die Personalchefs mittlerweile größeren Wert auf das Wohlergehen der Leiharbeiter.“
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Allein schon dieser Satz ist pure Menschenverachtung.
Man könnte sich wirklich die berechtigte Frage stellen, wann brennen hier in Absurdistan die ersten Leiharbeitsbuden ab?

RalphFischer

20.02.2012, 12:44 Uhr

Totaler Blödsinn

Wenn diese "heile Welt" Theorie stimmen würde, dann würden die Unternehmen ohne Diskussion die Kernforderung der Gewerkschaften übernehmen:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Account gelöscht!

20.02.2012, 12:47 Uhr

Pervers der Artikel: Leiharbeiter dienen NUR der Gewinnmaximierung.
Bei Krankheit fliegen sie raus, Urlaub gibt es oft nur den Mindesturlaub. Es sind nur Arbeitssklaven.

Und die Verleihfirmen verdienen sich dumm und dämlich an diesen Sklaven. Es fehlen gesetzliche Einschränkungen. Auch gehen diese Firmen oft sehr aggresiv an potentielle Einsatzfirmen heran.

Bei Unternehmen wie Krüger in Bergisch -Gladbach müssen sie besonders deprimierend andersfarbige Arbeitsanzüge tragen.

Und der Fachkräftemangel kommt zum großen Teil DURCH die Sklavenhändler. Diese Parasiten leben von ausgebildeten Arbeitnehmern ohne selbst auszubilden. Ihre "Aus- und Weiterbildung" ist lächerlich.

Was dieser Clement als Lobbyist der Sklavenhändler eingeführt hat, ist wider der Menschenwürde. Er führt den Artikel des Grundgesetztes " Die Würde des Menschen ist unantastbar" ad absurdum. Für die Arbeitssklaven ist es trotz gleicher Arbeit nicht oft möglich, eine Zunkunft, geschweigedenn Familie zu planen. Mit der nächsten Flaute oder der nächsten grippe fliegen sie auf die Straße.

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