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03.11.2011

16:33 Uhr

Studie

Große US-Unternehmen zahlen wenig Steuern

Große US-Konzerne zahlen weit weniger Einkommenssteuern als sie eigentlich sollten. Das ist das Ergebnis einer Studie. Besonders Finanzfirmen schaffen es demnach, massive Steuervergünstigungen herauszuschlagen.

Die "Occupy"-Bewegung wie hier in Oakland, Kalifornien, fordern eine höhere Besteuerung von Unternehmen und Reichen. dapd

Die "Occupy"-Bewegung wie hier in Oakland, Kalifornien, fordern eine höhere Besteuerung von Unternehmen und Reichen.

WashingtonDiese Studie ist Wasser auf die Mühlen der Wall-Street-Besetzer: Wie die Interessengruppe „Citizens for Tax Justice“ (Bürger für Steuergerechtigkeit) herausgefunden hat, zahlen die großen US-Konzerne weit weniger Einkommenssteuern als sie eigentlich sollten. Besonders Finanzfirmen schaffen es demnach immer wieder, massive Steuervergünstigungen für sich herauszuschlagen, aber auch Telekommunikations-, Energie- und Ölmultis drücken sich gerne.

„Das ist verschenktes Geld, das man dafür hätte nutzen können, die staatliche Krankenversicherung abzusichern, Arbeitsplätze zu schaffen und das Staatsdefizit zu senken“, sagte der federführende Studienautor Robert McIntyre am Donnerstag in Washington. Er und sein Team hatten sich die Geschäftsberichte von 280 der profitabelsten US-Unternehmen aus den Jahren 2008 bis 2010 angeschaut und dabei Ernüchterndes festgestellt.

„Diese 280 Unternehmen haben Steuervergünstigungen über annähernd 223 Milliarden Dollar erhalten“, sagte McIntyre. Während der bundeseinheitliche Steuersatz für Firmen in den USA eigentlich bei 35 Prozent liegt, hätten die Unternehmen im Schnitt tatsächlich lediglich 18,5 Prozent abgeführt. 30 Unternehmen hätten in den drei Jahren sogar keinen einzigen Cent gezahlt, obwohl sie zusammen 160 Milliarden Dollar vor Steuern verdient hätten.

Lobbyisten drängen die Regierung in Washington immer wieder, den Steuersatz für Unternehmen zu senken mit dem Argument, nur so könnten die US-Firmen international wettbewerbsfähig bleiben. Die Bewegung „Occupy Wall Street“ verlangt genau das Gegenteil: eine höhere tatsächliche Besteuerung der Wohlhabenden und der Konzerne. Auch in Deutschland und anderswo auf der Welt demonstrieren Menschen seit Wochen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Von

dpa

Kommentare (1)

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ColeWilliams

03.11.2011, 18:23 Uhr

Unternehmen sind kein Selbstzweck. Am Ende steht immer ein Mensch. Statt ewig wiederkehrende nutzlose Debatten zu führen, sollte man den Blick lieber in die Zukunft richten. Vielleicht liegt diese ja in Estland?
Anregung für den nächsten Artikel: Warum investieren global tätige amerikanische Unternehmen ungern in den USA? Existiert das Konzept der "Deemed Dividends" noch?

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