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02.07.2014

10:44 Uhr

Studie

Nur jeder vierte Aufsichtsrat in Firmen eine Frau

Die SPD-Ministerin will die Frauenquoten in Aufsichtsräten vorantreiben. Bis 2016 soll die Pflicht sein. Doch nur jede vierte Frau ist in Top-Positionen öffentlicher Unternehmen. Nun soll das Gesetz nachgebessert werden.

Frauen in Spitzenpositionen sind Mangelware. Bisher liegt der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen bei 25,1 Prozent. dpa

Frauen in Spitzenpositionen sind Mangelware. Bisher liegt der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen bei 25,1 Prozent.

BerlinDer Anteil von Frauen in Top-Positionen öffentlicher Unternehmen liegt noch immer deutlich unter den von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gewünschten 30 Prozent. Das berichtete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eine Auswertung im Auftrag des Familienministeriums, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wird.

Danach liegt der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten in öffentlichen Unternehmen von Bund, Ländern und Kommunen bei 25,1 Prozent. Bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung ist nur jede fünfte Position in Aufsichtsgremien mit einer Frau besetzt. Der Frauenanteil in Vorständen und Geschäftsführungen bei Firmen mit Bundesbeteiligung liege sogar nur bei 13,9 Prozent.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Schwesig sagte „Bild“: „Freiwillige Vereinbarungen haben nichts gebracht. Frauen in Spitzenpositionen sind Mangelware. Deshalb ist es an der Zeit, dass hier nachgebessert wird.“

Im Deutschlandradio Kultur sagte die Ministerin: „Man kann nicht der Wirtschaft Dinge abverlangen, die der öffentliche Bereich selbst nicht einhält“. Für öffentliche Unternehmen und Gremien, die der Bund zu besetzen hat, sei zwar sogar eine Quote von 50 Prozent festgelegt worden. Leider habe sich bisher keiner daran gehalten.

„Und deshalb schärfe ich dieses Gesetz jetzt an“, sagte die Ministerin. So sollten Unternehmen, wie zum Beispiel die Deutsche Bahn oder die Deutsche Flugsicherung künftig auch von dem Gesetz erfasst werden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Dipl. Ing.

02.07.2014, 11:16 Uhr

Wie viele Frauen sind überhaupt qualifiziert dazu?
Wer es nicht von alleine "nach oben" schafft, hat dort auch absolut gar nichts verloren!
Diese Quotenregelungen erinnern doch sehr stark an einige Wirtschaftssysteme, die dem internationalen Wettbewerb nicht Stand hielten und die es deshalb nun nicht mehr gibt!
QUO VADIS DEUTSCHLAND???

Herr Carsten Härtl

02.07.2014, 15:55 Uhr

Es ist bemerkenswert, dass im Jahre 2014 Politiker in westlichen Demokratien schamlos den Unternehmen -egal ob öffentlich oder privat - kommunistisch-planwirtschaftliche Vorgaben machen wollen.
Wo doch gerade die Stellenbesetzung (nach Eignung und sonst nichts) ein zentrales Feld der eigenständigen unternehmerischen Entscheidung ist. Da ist mir die amerikanische Antwort auf das Chancengleichheits-Defizit viel lieber: anti discrimination ja, Quotenirrsinn nein.

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