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14.06.2012

17:46 Uhr

Studie zum Niedergang

Deutsche Solarbranche vor der Sonnenfinsternis

VonMartin Murphy, Thomas Sigmund, Ulf Sommer, Klaus Stratmann, Georg Weishaupt

Mit Milliardensummen hält die Politik die deutsche Solarindustrie am Leben. Doch eine Studie zeigt: Der frühe Tod der einstigen Vorzeigebranche ist nicht mehr aufzuhalten. Für den Niedergang gibt es sieben Gründe.

Solarbranche: Durch Subventionen zu faul

Video: Solarbranche: Durch Subventionen zu faul

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DüsseldorfEs gab Zeiten, da feierten deutsche Firmen wie Q-Cells und Solarworld rauschende Partys. Luxusschiffe wurden angemietet, um Kunden zu imponieren. Kosten spielten keine Rolle.

Doch diese Zeiten sind für deutsche Solarunternehmen vorbei. Bei der größten Leistungsschau der Solarwirtschaft „Intersolar“, die gestern in München eröffnete, haben vor allem chinesische Firmen wie Weltmarktführer Suntech oder sein Rivale LDK Grund zum Feiern.

Denn in keiner anderen Branche haben sich seit 2007 die Machtverhältnisse so radikal geändert wie in der Solarindustrie. Auf dem damaligen Höhepunkt des Solarbooms beherrschten die Deutschen über 20 Prozent des Weltmarkts. Heute sind es nur noch gut sechs Prozent.

Das sind die Gewinner der Solarkrise

Führender Solarkonzern

Yingli-Chef Liansheng Miao zählt nicht zu den Managern mit Manieren. Seine Gesprächspartner lässt er gerne einmal warten, und ein Wort in Englisch kommt ihm nicht über die Lippen. Aber Reden zählt sowieso nicht zu seinen Stärken, Miao ist ein Macher, einer, der innerhalb weniger Jahre einen der weltweit führenden Solarkonzerne geschaffen hat.

Rekordverluste

Die im Jahr 1998 gegründete Firma Yingli Green Energy hat sich neben Trina Solar und Ja Solar aus der Masse der chinesischen Firmen herausgeschält. Dem negativen Branchentrend können sich aber selbst die Vorzeigekonzerne nicht entziehen. Wegen des ruinösen Preiskampfs schrieb Yingli im abgelaufenen Jahr bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar einen Rekordverlust von einer halben Milliarde Dollar.

Hoffnung dank Auftaktquartal

Auch Ja Solar und Trina haben tiefrote Bilanzen, aber ihre Kosten bleiben dank starker Gewinne in früheren Jahren unter Kontrolle. Das Auftaktquartal macht Hoffnung: Der in den USA gelistete chinesische Photovoltaikhersteller Ja Solar weitete im ersten Quartal seine Gesamtkapazität auf 366 Megawatt aus - und übertraf damit die Analystenschätzungen. Der Umsatz sank zwar leicht von 309 auf 254 Millionen Dollar.

Starke Auslieferungen

„Das ist aber eine deutliche Verbesserung gegenüber den vergangenen Quartalen, als die Zahlen teilweise 50 Prozent unter denen des Vorjahres lagen“, sagte Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Grund für die Trendwende waren unerwartet starke Auslieferungen. Mit geringeren Verlusten und weniger stark gesunkenen Umsätzen ist man in der Branche gegenwärtig schon zufrieden.

In China wettbewerbsfähig

Ja Solar, Trina und Yingli sind in China wettbewerbsfähig. Das sollte sich auszahlen, denn als Folge der schwachen Nachfrage in Europa will Chinas Regierung den heimischen Bau von Solarprojekten fördern. Und über die Verluste brauchen sich Yingli, Ja Solar und Trina letztlich ohnehin nicht zu sorgen. Peking betrachtet die Solarindustrie als Schlüsselbranche - Pleiten sind da nicht vorgesehen.

Und der Niedergang wird sich fortsetzen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die dem Handelsblatt vorliegt, werden „künftig nur etwa zehn Modulhersteller den Weltmarkt beherrschen“. Ob ein deutscher Konzern, etwa der hiesige Marktführer Solarworld, dabei sein wird, ist zweifelhaft. Denn die Produktionskosten deutscher Unternehmen sind bis zu 15 Prozent höher als die der asiatischen Konkurrenten.

Es gibt mehrere Gründe für den Niedergang der einstigen deutschen Vorzeigebranche. „Viele der deutschen Unternehmen hatten kein klares zukunftsfähiges Geschäftsmodell und setzten auf zu viele Technologien“, sagt Wolfgang Weger, Energieexperte bei Oliver Wyman. So versuchte etwa Q-Cells - inzwischen insolvent -, sich vom Zellfertiger zum Produzenten fertiger Solarmodule zu wandeln. Pünktlich zum Auftakt der „Intersolar“ beantragte auch der Dresdener Modulhersteller Solarwatt Gläubigerschutz.

So paradox es klingt: Hauptgrund für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen ist ausgerechnet die deutsche Subventionspraxis. Die üppige, von den Stromkunden bezahlte finanzielle Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ließ die Firmen träge werden. Sie verführte die einstigen Vorreiter zur Bequemlichkeit, sie nahm ihnen, wie ein schleichendes Gift, die Innovationskraft. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung blieben „gefährlich gering“, so das Zentrum für Solarmarktforschung (ZSF). Der koreanische Konzern LG etwa gibt an, seit 2009 genau 172 Patente angemeldet zu haben. Bei Solarworld waren es 75.

Um welche Dimensionen es bei der Förderung geht, zeigt ein vertrauliches Strategiepapier des Bundesumweltministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt. Darin werden erstmals Berechnungen von Experten bestätigt, wonach alle bis heute installierten EEG-Anlagen bis 2031 Fördergelder von 150 Milliarden Euro erhalten. Alleine auf die Solarindustrie entfallen 85 Milliarden Euro.

Hauptprofiteure der Förderung sind auch nicht mehr deutsche Firmen, sondern asiatische. Nur noch 15 Prozent der auf deutschen Dächern installierten Solaranlagen stammen aus deutscher Produktion, ermittelte das ZFS. China geht einen anderen Weg: Es fördert nur chinesische Firmen.

Handelsblatt Online zeigt die sieben Fehler der deutschen Solarstrategie auf.

Kommentare (48)

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Ben

14.06.2012, 18:25 Uhr

Holt doch einfach die Pläne von Tesla aus dem Tresor von J P Morgan.
Aber mit FREIER ENERGIE kann man halt die Menschen nicht abzocken und manipulierbar machen....
Und die Masse der Menschen interessiert es nicht. Sie leben dahin wie gehirnlose Zombies und glauben nur den Schwachsinn welchen sie seit Jahrhunderten vorgesetzt kriegen....

Account gelöscht!

14.06.2012, 19:42 Uhr

Zur Erinnerung: In Deutschland gilt das System der SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT. Darin wird die Rolle des Staates in einer NACHTWÄCHTERFUNKTION deklariert. Heißt: Der Staat achtet darauf, bei Gefährdung seiner Marktwirtschaft durch Einschreiten für FAIRE ORDNUNG zu sorgen.

Das hat er bezüglich dieser Branche verpennt!

Es ist mehr als überfällig, die chinesische Flut, die aufgrund ihres staatlich gelenkten Renminbi-Kurses sowie direkter Subventionshätscheleien ein völlig ungleicher Gegner für uns darstellt, mittels EINFUHR-ZÖLLEN wieder auf Augenhöhe zu stutzen.

Ausnahmsweise kann hier sogar die USA mit ihrem aktuellen protektionistischen Handeln hierzu als Vorbild dienen.

SteuerKlasseEins

14.06.2012, 20:13 Uhr

Freie Energie gibt es schon "fast" in Form von Kernenergie. Die Vorräte an Uran und Thorium reichen für Millionen von Jahren aus. Aber da hat natürlich die Öl-/Gasindustrie etwas dagegen, daß diese genutzt wird bevor der letzte Kubikmeter Gas verheitzt wurde. Deshalb kämpft man mit allen Tricks gegen die Atomenergie, man lügt, macht ängstlichen Leuten Angst, erstellt täuschende Studien mit eigenen "Experten", verschweigt die umwelt-/klimafreundlichkeit der Atomkraft bewusst und erwähnt immer nur "Erneuerbare". Die "Erneuerbaren" werden indessen den Ölfirmen keine Konkurrenz machen. Je teurer der Strom wird, desto unattraktiver werden Elektroautos usw., desto attraktiver werden fossile Brennstoffe (Blockheizkraftwerk, Gasheizungen, Benzin/Diesel/Heizöl), und die Ölindustrie kann weiter ungestört Milliarden kassieren, in Zusammenarbeit mit den deutschen Wuchersteuern, versteht sich.

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