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05.09.2014

06:56 Uhr

Subventionen für neue Fabrik

Teslas Milliardenwette

VonAxel Postinett

Gute Nachrichten für Nevada? Tesla will in dem Wüstenstaat eine neue Fabrik errichten und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Doch noch vor Baubeginn regt sich Widerstand – wegen der Subventionen.

Tesla ist für seine Elektroautos bekannt. In der Wüste von Nevada sollen nun Batterien produziert werden. Nicht alle finden das gut. dpa

Tesla ist für seine Elektroautos bekannt. In der Wüste von Nevada sollen nun Batterien produziert werden. Nicht alle finden das gut.

San FranciscoElon Musk will es und Gouverneur Brian Sandoval will es auch. Teslas neue Batteriefabrik soll in Nevada entstehen. „Das sind gute Nachrichten für Nevada“, freut sich Gouverneur Brian Sandoval am Donnerstagabend in Carson, Nevada, „Tesla wird die größte und fortschrittlichste Batteriefabrik der Welt in Nevada bauen.“ Das bedeute „einhundert Milliarden Dollar wirtschaftliche Aktivitäten, verteilt auf 20 Jahre.“

Im Gegenzug ist er bereit, ein für Nevada beispielloses Subventions- und Steuerpaket in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar verteilt auf 20 Jahre zu geben. Tesla-Gründer Musk ist damit zufrieden: Nevada, betont er auf einer Pressekonferenz, habe nicht einmal „das höchste Angebot“ abgegeben. Aber Nevada habe den Ruf, dass man „die Sachen auch geregelt bekommt“. Er rechnet nicht mit Verzögerungen durch unnötige Umweltprüfungen oder sonstigen Auflagen, die den Bau verlangsamen könnten. Das, zusammen mit der Nähe zu den einzigen Lithium-Minen in den USA und dem Tesla-Werk im nahen kalifornischen Fremont, dürfte neben den großzügigen Steuerförderungen den Ausschlag gegeben haben.

Doch wegen der hohen Kosten für die Steuerzahler formiert sich auf allen Ebenen Widerstand. Ein spätes Scheitern der Pläne wäre vor allem für Tesla eine Katastrophe.

Die Tesla-Chronik von 2003 bis 2013

2003, der Beginn

Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.

2006, Premiere des Roadster

Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.  

2007, Eberhard geht

Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.

Mai 2009, Einstieg der Konzerne

Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.

September 2009, Premiere Model S

Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.

Januar 2010, Geldspritze vom Staat

Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Juni 2010, IPO

Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.

2012, SUV-Pläne

Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern.

2013, erstmals profitabel

Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

Ist es also ein Jahrhundertgeschäft für Nevada oder hat Elon Musk wieder alle über den Tisch gezogen? Beide Seiten sehen sich als die Gewinner eines vielversprechenden Abschlusses, der aber seinen Preis hat. Musk kann sich keine Verzögerungen bei seinem gigantischen Prestigeprojekt erlauben. Es muss die Kosten für die Kraftquellen seiner Tesla-Elektroautos um 30 Prozent senken und gleichzeitig den Ausstoß dramatisch erhöhen, damit er 2017 das „Modell 3“ auf den Markt bringen kann. Das ist ein Elektro-Mittelklasseauto zum praktisch halben Preis des aktuellen Tesla S.

Gelingt es, erschließt er den Massenmarkt und dafür ist er bereit fünf Milliarden Dollar zu investieren. Scheitert er, ist Tesla vielleicht in ernsten Schwierigkeiten: „Alle glauben, wir wollen nur die höchsten Subventionen herausschlagen“, erklärte Musk in einem Interview mit CNBC. „Aber es geht darum fertig zu sein, wenn Modell 3 auf den Markt kommt. Wenn wir den Rest des Autos bauen und keine Batterien haben, wäre das eine Katastrophe. Als Unternehmen könnten wir scheitern.“ Bereits zuvor hatte er gegenüber Analysten betont: „Wir haben kein Nachfrageproblem.“ Es ist ein Lieferproblem.

Klare Worte. Es geht um Geld, aber vor allem um einen reibungslosen Ablauf ohne politische Widersprüche, aufschiebende Klagen von Landbesitzern, Umweltschützern oder sonstigen Kritikern. Im Gegenzug darf der Standort bei Reno, Nevada, auf 6500 Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum durch mehr Geschäfte, Restaurants, Ansiedlung von Zulieferunternehmen und Hausbau hoffen.

Kommentare (10)

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Herr Michael Kolny

05.09.2014, 09:50 Uhr

Dieser Artikel ist interessant. Interessant, weil ich da eine deutliche Abneigung gegenüber Tesla spüre. Es ist umso mehr interessant da in der internationalen Presse die Sache ganz anders präsentiert wird. Als ein Erfolg, sowohl für das Unternehmen als auch fur den Staat. Risiko wiederum ist im Geschäftsleben normal. Wo werden im Artikel große Chancen für die Umwelt betont? Fazit - deutsche Presse kann es nicht verkraften, dass ein ausländisches und insbesondere amerikanisches Unternehmen die stolze deutsche Autoindustrie überholen könnte oder wahrscheinlich schon überholt hat.

Herr Matthias Ludwig

05.09.2014, 11:30 Uhr

Die Auslastung der Batteriefabrik dürfte auch dann hoch bleiben, wenn nicht so viele Modell III gebaut werden wie von Tesla geplant.
Da Elon Musk auch bei SolarCity ein Wort mitzureden hat, könnten die preiswerten Batterien auch in Batteriespeicher für PV-Anlagen verwendet werden. Der Bereich boomt gerade in den USA und anderen Regionen und mit den billigen Akkus werden Speicher für PV-Strom noch attraktiver.
Elon Musk hat wohl einen umfassenden Ansatz für die Mobilität der Zukunft.
- Fahrzeuge + Batterien preiswert machen (für den Massenmarkt)
- Die Energie für den Betrieb aus erneuerbaren Quellen bereitstellen (Supercharger, SolarCity)
- Weiterverwendung der (Auto-)Akkus in Solarspeichern und Superchargern

In Ansätzen ist das bei den deutschen Herstellern auch schon erkennbar aber nicht so konsequent wie bei Tesla.
Auf jeden Fall entwickelt sich das Thema E-Mobility in die richtige Richtung.
Ich darf seit einem Monat einen e-Golf fahren und bin bisher SEHR zufrieden damit.

Herr Thomas Ebert

05.09.2014, 11:33 Uhr

Tesla will mehr Akkus produzieren als alle anderen Hersteller zusammen. Das bedeutet eine mehr als doppelt so hohe Nachfrage nach Lithium. Der Preis von Lithium ist allerdings seit 2000 um mehr als 1000% gestiegen. Eine extrem gesteigerte Nachfrage wird den Preis weiter kräftig antreiben. Die Skaleneffekte der Massenfertigung werden so weitgehend aufgezehrt. Möglicherweise sind dann die Tesla-Batterien preisgünstiger als die anderer Hersteller, aber kaum billiger als heute. Aber in keinem Fall werden sich die Akku-Autos mit z.B. Methanbetriebenen ( Erdgas, Biogas, P2G) messen können. Wahrscheinlich ist die kWh etwas günstiger, doch der Einstandspreis ist sehr viel höher. Die Tesla-Fahrzeuge haben auch noch keinen Alltagstest bestanden. Das heisst, als Alltagsauto eines Laternenparkers ihre Tauglichkeit bewiesen. Sicher können Sie bei wohlhabenden Hausbesitzern mit eigener(teurer) Schnellladestation punkten ( die haben zur Sicherheit ja noch ihren Buick oder Panamera).
Als Anleger wäre ich daher sehr vorsichtig mit Tesla.

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