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16.04.2015

07:54 Uhr

Suchoi Superjet 100

Russlands Superjet mausert sich

VonTobias Döring

Der Suchoi Superjet 100 galt schon als gescheitertes russisches Prestigeprojekt. Doch das Mittelstrecken-Flugzeug findet immer mehr Freunde. Sogar eine europäische Airline hat Putins Lieblingsflieger bereits bestellt.

Der Wind für das russische Mittelstrecken-Flugzeug hat sich gedreht. AFP

Superjet 100

Der Wind für das russische Mittelstrecken-Flugzeug hat sich gedreht.

DüsseldorfAm 9. Mai 2012 schien die Geschichte des Superjet 100 ein schnelles Ende zu nehmen. Bei einem Vorführflug in Indonesien stürzte der Mittelstreckenjet ab. 45 Menschen starben, als die Maschine an einem Vulkan zerschellte. Viele davon waren Vertreter potenzieller Kunden. Der Pilot hatte ein Warnsignal ignoriert und war offenbar abgelenkt.

Der Mensch hatte versagte. Die Technik funktionierte – dennoch hatte der Superjet 100 fortan einen Malus. Auf das Unglück folgte noch ein Beinahe-Absturz: Die Wiederauferstehung der russischen Flugzeugindustrie geriet zur Tragödie.

Doch drei Jahre später hat sich der Wind für das Flugzeug des federführenden Herstellers Suchoi gedreht. Seit geraumer Zeit häufen sich die Bestellungen für den Superjet 100 – und sie kommen längst nicht mehr nur von russischen Gesellschaften. Zuletzt griff auch eine europäische Airline zu.

Das ist der Superjet 100

Kooperation mit Boeing

Der Superjet 100 des russischen Flugzeugherstellers Suchoi war von Anfang an auch für den westlichen Markt konzipiert. Im Jahr 2001 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing geschlossen. Boeing sollte Suchoi beraten.

Erster Passagierflug 2011

2006 bestellte Aeroflot als Erstkunde 30 Maschinen. Das Projekt wurde im selben Jahr offiziell Superjet 100 getauft. Der Erstflug erfolgte im Mai 2008. 2011 führte Aeroflot den ersten Passagierflug durch.

Platz für 110 Fluggäste

Der Superjet 100 kann bis zu 110 Passagiere aufnehmen. Ein Modell für 125 Passagiere ist angedacht. Der Superjet 100 ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug in Tiefdecker-Ausführung. Die Maschinen sollen in Russland vor allem die noch zahlreich eingesetzten Tupolew Tu-134 und Jakowlew Jak-42 ersetzen.

Absturz und Probleme

Bei einem Demonstrationsflug stürzte 2012 ein Flugzeug ab, alle 45 Insassen starben. Im selben Jahr wurden bei Aeroflot technische Probleme am Superjet 100 bekannt. Damals konnte nur ein Viertel der Maschinen im Flugbetrieb eingesetzt werden. Grund waren laut Aeroflot fehlende Ersatzteile und die Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. Ein Flug sei abgebrochen worden, weil die Klappen des Bugfahrwerks sich nicht geschlossen hätten, hieß es.

Kunden aus Russland und Asien

Neben der russischen Aeroflot ist die Billigfluggesellschaft Interjet aus Mexiko der wichtigste Kunde für den Superjet 100. Für VLM Airlines aus Belgien sollen bald zwei der Mittelstreckenjets fliegen. Daneben kommen die Kunden vor allem aus Russland oder Asien. Mehr als 150 Bestellungen sollen vorliegen.

VLM Airlines wurde Ende vergangenen Jahres vom eigenen Management übernommen. Die neuen Eigentümer bauen die belgische Airline zu einer Linien-Gesellschaft um und mieteten als erste Amtshandlung zwei Superjets vom Leasingunternehmen Ilyushin Finance. Damit wird VLM zur ersten Airline in Europa, die mit dem Jet aus russischer Produktion fliegt.

Aufgrund des Komforts für die Passagiere, der Flexibilität auf Kurz- und Mittelstrecken und der niedrigen Betriebskosten sei die Wahl auf den Superjet 100 gefallen, sagte VLM-Chef Arthur White zuletzt im Interview mit dem Branchenmagazin „Aerotelegraph“. Dass europäische Passagiere vor dem Flug mit einer Maschine aus russischer Produktion zurückschrecken könnten, glaubt White „überhaupt nicht“.

Schließlich sei der Superjet bereits außerhalb von Putins Reich im Einsatz: Der mexikanische Billigflieger Interjet betreibt aktuell zwölf der Mittelstreckenflugzeuge. Zehn weitere Jets sollen bestellt werden und könnten in Zukunft verstärkt Kuba anfliegen, wenn die US-Sanktionen fallen. Der Superjet sei die „beste Maschine seiner Klasse“, lobte Interjet-Chef Jose Luis Garza schon bei der Übergabe des ersten Fliegers auf der Luftfahrtschau Le Bourget in Paris 2013.

Kommentare (3)

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Herr wulff baer

16.04.2015, 08:49 Uhr

Flugzeuge wie dieser "Superjet" und Piloten wie Lubitz hindern mich zur Zeit am Fliegen.

Herr jochen voss

16.04.2015, 10:06 Uhr

ich bin mit dem flugzeug geflogen - es war wesentlich bequemer als der der airbus 320.ich hoffe nur,dass die Konkurrenz von airbus angenommen wird

Herr Walter Schimpf

16.04.2015, 13:31 Uhr

@ Hr. Wulff Baer: Na, dann bleiben Sie halt schön zu Hause. Gut für Ihren Geldbeutel und gut für die Umwelt....!

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