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09.05.2012

21:35 Uhr

Superjet 100

Russlands Hoffnungsflieger vom Radar verschwunden

VonOliver Bilger

Der russischen Luftfahrtindustrie droht ein Imagedesaster: Eine Superjet-100-Maschine ist in Indonesien auf einer Werbetour vermutlich abgestürzt. Der Hersteller versichert: Es gab zuvor keine technischen Probleme.

Russisches Flugzeug verschollen

Video: Russisches Flugzeug verschollen

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Jakarta/MoskauDer 9. Mai ist ein stolzer Tag für Russland. Das Datum steht für den Sieg über Nazi-Deutschland, jährlich wird es mit Militärparaden im ganzen Land gefeiert. In diesem Jahr sollte der 9. Mai auch in Indonesien zum russischen Festtag werden. Der neue Superjet-100, das erste in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entwickelte Passagierflugzeug, war auf seiner Werbetour durch Asien in dem Inselstaat angekommen. Am Ende sollten neue Verträge stehen. Doch die Maschine verschwand bei einem Schauflug vom Radar. Die Behörden rechnen mit dem schlimmsten.

Zuvor war die Mittelstreckenmaschine Vertretern von Fluggesellschaften und Regierungen in Kasachstan, Myanmar und Pakistan präsentiert worden. In Indonesien hatte der Superjet bereits im vergangenen Jahr Gefallen gefunden: Damals schloss ein Charterunternehmen einen Vertrag über zwölf Maschinen im Gesamtwert von 379 Millionen US-Dollar ab. Nächste Stationen der aktuellen Vorführungs-Tour sollten Laos und Vietnam sein.

Das ist der Superjet 100

Kooperation mit Boeing

Der Superjet 100 des russischen Flugzeugherstellers Suchoi war von Anfang an auch für den westlichen Markt konzipiert. Im Jahr 2001 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing geschlossen. Boeing sollte Suchoi beraten.

Erster Passagierflug 2011

2006 bestellte Aeroflot als Erstkunde 30 Maschinen. Das Projekt wurde im selben Jahr offiziell Superjet 100 getauft. Der Erstflug erfolgte im Mai 2008. 2011 führte Aeroflot den ersten Passagierflug durch.

Platz für 110 Fluggäste

Der Superjet 100 kann bis zu 110 Passagiere aufnehmen. Ein Modell für 125 Passagiere ist angedacht. Der Superjet 100 ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug in Tiefdecker-Ausführung. Die Maschinen sollen in Russland vor allem die noch zahlreich eingesetzten Tupolew Tu-134 und Jakowlew Jak-42 ersetzen.

Absturz und Probleme

Bei einem Demonstrationsflug stürzte 2012 ein Flugzeug ab, alle 45 Insassen starben. Im selben Jahr wurden bei Aeroflot technische Probleme am Superjet 100 bekannt. Damals konnte nur ein Viertel der Maschinen im Flugbetrieb eingesetzt werden. Grund waren laut Aeroflot fehlende Ersatzteile und die Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. Ein Flug sei abgebrochen worden, weil die Klappen des Bugfahrwerks sich nicht geschlossen hätten, hieß es.

Kunden aus Russland und Asien

Neben der russischen Aeroflot ist die Billigfluggesellschaft Interjet aus Mexiko der wichtigste Kunde für den Superjet 100. Für VLM Airlines aus Belgien sollen bald zwei der Mittelstreckenjets fliegen. Daneben kommen die Kunden vor allem aus Russland oder Asien. Mehr als 150 Bestellungen sollen vorliegen.

Eine erste 30-minütigen Runde hatte der Superjet heute über Indonesien absolviert. Doch dann landete die teils mit westlicher Technik ausgestattete Maschine nicht zur vorgesehenen Zeit auf dem Flughafen von Jakarta. Hinweise auf Probleme habe es zuvor nicht gegeben, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Maschine sei von dem Piloten gesteuert worden, der auch beim Jungfernflug vor beinahe drei Jahren das Kommando hatte, hieß es in einer Mitteilung. An Bord befanden sich neben Mitarbeitern des Flugzeugherstellers und russischen Botschaftsmitarbeitern vor allem potenzielle Kunden - Vertreter der indonesischen Fluggesellschaften.

Am späten Abend sagte ein Vertreter des indonesischen Superjet-Partners PT Trimarga Rekatma, dass laut russischer Botschaft in Jakarta insgesamt 50 Personen an Bord gewesen seien. Neben acht Crew-Mitgliedern seien 42 Gäste an Bord gewesen. Ein russischer Fotograf hatte Glück: Er hatte die Werbetour in den vergangenen Tagen begleitet, sich aber heute entschieden, Bilder der Maschine von außen bei Start und Landung zu schießen.

Angehörige von Vermissten werden am Flughafen von Jakarta von Kamerateams befragt. AFP

Angehörige von Vermissten werden am Flughafen von Jakarta von Kamerateams befragt.

Was genau geschehen ist, war zunächst unklar. Das Flugzeug sei über Westjava im Sinkflug bis auf 2000 Meter heruntergekommen und dann vom Radar verschwunden, hieß es. Das indonesische Militär erklärte, die Maschine sei regelrecht vom Himmel gefallen. „Wir suchen noch danach“, sagte der Chef der indonesischen Luftfahrtbehörde, Herry Bakti Singoyudha. „Wir wissen nicht, was passiert ist.“ Das Flugzeug sei in der Gegend des rund 2200 Meter hohen Vulkans Salak nahe der Hauptstadt Jakarta vom Radarschirm verschwunden, sagte Singoyudha. Kurz zuvor habe die Besatzung darum gebeten, die Flughöhe von 10 000 auf 6000 Fuß (rund 3000 auf 1800 Meter) verringern zu dürfen.

Kommentare (6)

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Aeroschrott

09.05.2012, 13:49 Uhr

Auszug aus Wikipedia zu Suchoi Superjet 100:

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"Technische Probleme:

Im März 2012 wurden technische Probleme im Flugbetrieb bei Aeroflot bekannt. Nur ein Viertel der geplanten Flugstunden konnten laut der russischen Fluggesellschaft geflogen werden, hauptsächlich wegen fehlender Ersatzteile und der Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. So musste ein Flug abgebrochen werden, weil die Klappen des Bugfahrwerks beim Einfahren nicht schlossen."

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Da drängt sich doch der Versacht auf, dass die Kiste nicht zuverlässig und deshalb noch gar nicht serienreif ist.

MikeM

09.05.2012, 13:55 Uhr

Aller Anfang ist schwer. Unvergessen das Video mit dem Airbus (ich glaube ein A320), der vor versammeltem Publikum in den Wald stürzte.

RBern

09.05.2012, 14:09 Uhr

Ja, ich erinnere mich auch noch. Die Maschne wurde immer langsamer und ging immer tiefer, bis sie die Baumspitzen erwischte.
Bin mir jetzt nicht ganz sicher, aber ich glaube der Pilot wollte damals der Stewardess zeigen wie gut er die Maschine beherrscht.

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