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20.07.2012

11:47 Uhr

Swatch-Chef Hayek

„Die Börse bestimmt heute die Strategie von Staaten“

VonHolger Alich

Der Swatch-Chef Nick Hayek schimpft im Interview über die Macht der Bonitätswächter, den gefährlichen Einfluss der Börsen in der Euro-Krise und erklärt, warum sein Luxusgüterhersteller dennoch auf Erfolgskurs ist.

Swatch-Chef Nick Hayek 2003: „Der deutsche Kunde wird emotionaler.“ picture-alliance/ dpa

Swatch-Chef Nick Hayek 2003: „Der deutsche Kunde wird emotionaler.“

BielHandelsblatt Online: Herr Hayek, ganz Europa redet über die Euro-Krise. Sie auch?
Nick Hayek: Ja, natürlich. Weil deswegen der Franken zum Euro und vor allem gegenüber dem Dollar massiv an Wert gewonnen hat. Ein Rappen Veränderung kostet uns 30 Millionen Franken Umsatz. Denn wir produzieren mit unseren über 150 Fabriken zu 95 Prozent in der Schweiz. Um die Euro-Krise zu bewältigen, müssen viele umdenken.

Was meinen Sie damit?
Alle Länder, vor allem die USA, sind doch nur noch getrieben von der Börse oder diesen total oberflächlichen, manipulatorischen Ratingagenturen. Es scheint heute wichtiger, drei komische Buchstaben zu bekommen, als sich Gedanken über innovative neue Produkte und deren Herstellung zu machen. Dieses kurzfristige Denken führt dazu, nur noch das zu tun, was der Börse oder den Ratingagenturen gefällt. Die Versuchung ist dann groß, sich auf Forschung und Entwicklung zu konzentrieren und die lästige und teure Produktion in andere Länder abzuschieben. Wir müssen sowohl Innovation als auch Wertschöpfung im Land behalten. Doch heute bestimmt die Börse leider nicht nur die Strategie von Unternehmen, sondern auch von Staaten.

Ohne Druck der Märkte hätte aber Italien nie Reformen begonnen.
Ach, hören Sie auf mit Reformen. Die sogenannten Märkte sorgen doch nur für eine vollkommen unsinnige Uniformisierung. Wenn Sie ein Land wie Griechenland sehen, dann müssen Sie auch die Stärken betrachten. Heute reden wir nur über die Schwächen. Kulturell war Griechenland enorm wichtig für Europa. Das bleibt alles ausgeblendet. Griechenland hat Potenzial, das Land kann eine Brücke bilden zum Nahen Osten. Durch den Druck der „Märkte“ nehmen wir uns aber nicht mehr die Zeit, für langfristige Analysen und deren Umsetzung.

Wie wirkt sich denn die Euro- Krise auf Ihre Verkaufszahlen aus?
Deutschland entwickelt sich sehr gut, in allen Preissegmenten. Wir verzeichnen zweistelliges Wachstum. In Frankreich und Italien gab es zu Anfang des Jahres wegen der ungewöhnlichen Kälte etwas Probleme, jetzt aber liegen beide Länder bei den Verkaufszahlen im Plus. Großbritannien hatte eine Delle, wächst aber auch wieder zweistellig.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.07.2012, 12:08 Uhr

"Es scheint heute wichtiger, drei komische Buchstaben zu bekommen, als sich Gedanken über innovative neue Produkte und deren Herstellung zu machen".
Da hat der Herr ein wahres Wort gelassen ausgesprochen.

Account gelöscht!

20.07.2012, 13:09 Uhr

Richtig, der DAX treibt Geldjongleure dazu, riskante Geldgeschäfte zu machen.

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