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16.10.2016

16:00 Uhr

Symbolischer Prozess in Den Haag

„Monsanto soll endlich bestraft werden“

VonTim Kröplin

Schauplatz Den Haag: Umweltaktivisten zerren Monsanto vor Gericht – in einem „symbolischen“ Gerichtsverfahren. Doch der Gen-Konzern fehlt. Landwirt Diego Fernandez triumphiert – und gewinnt dennoch nicht.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern organisierte ein symbolisches Tribunal in Den Haag. dpa

Monsanto

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern organisierte ein symbolisches Tribunal in Den Haag.

Den Haag„Ich will dass Monsanto dafür bestraft werden, dass sie den Planeten vergiften“, sagt Christine Sheppard den Richtern entschlossen. Sie ist für das Tribunal in Den Haag extra aus Hawaii angereist, um als Zeugin auszusagen. Und ihre Geschichte schockt das Publikum. Die Farmerin hatte eine eigene Kaffeeplantage. 1996 fing sie an, glyphosathaltige Pestizide der Monsanto-Marke Roundup zu verwenden. 2004 erkrankte sie an Lymphdrüsenkrebs.

„Anfangs hatte ich keine Ahnung, warum es gerade mich erwischt hat. Ich war immer gesund und munter“, sagt die Farmerin. „Bis ich irgendwann einen Bericht aus Schweden zu lesen bekam, der meine Erkrankung mit Glyphosat in Verbindung brachte.“

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Bayer übernimmt mit Monsanto ein Unternehmen, das in Europa einen miserablen Ruf hat. Doch noch ist nicht klar, ob der Name des Saatgutherstellers verschwindet. Denn in den USA besitzt die Marke durchaus Strahlkraft.

Der Bericht ist allerdings wieder aus dem Internet verschwunden. Die Aktivisten behaupten, dass die Chemiekonzerne dahinter stecken. Nach einigen Jahren und Gesprächen mit der Zeitung ist Christine Sheppard rehabilitiert und tritt nun vor Gericht auf. Wenn auch nur einem symbolischen: Das Tribunal gegen Monsanto, das gerade von Bayer gekauft wird, hat eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern organisiert.

Ob Glyphosat wirklich der Auslöser für ihre Erkrankung ist, lässt sich nur schwer belegen. Das liegt an der unklaren Studienlage. So bewertete zum Beispiel die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) die Chemikalie als „wahrscheinlich krebserregend“, was ebenfalls für rotes Fleisch oder braten bei hohen Temperaturen gilt. Ein Fachgremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Studien der IARC mit ihren eigenen verglichen und kamen zu dem Entschluss, dass die Chemikalie nicht krebserregend sei. Dementsprechend fällt es der Farmerin schwer, für die Anschuldigungen klare Beweise zu liefern.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Hersteller

Der US-amerikanische Konzern Monsanto ist einer der weltgrößten Hersteller von – oft auch gentechnisch verändertem – Saatgut sowie Unkrautbekämpfungsmitteln.

Umsatz

Das Unternehmen mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gehört zu den 500 größten börsennotierten in den USA und setzte zuletzt rund 15 Milliarden US-Dollar (gut 13 Mrd. Euro) um. Dabei erzielte Monsanto einen Überschuss von 2,3 Milliarden Dollar.

Mitarbeiter

Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 21.200 Menschen, fast die Hälfte davon in den USA. Der Saatgutkonzern ist in 66 Ländern vertreten – auch in Deutschland.

Kritik

Monsanto bezeichnet eine nachhaltige Landwirtschaft als „Kernanliegen“, wird jedoch weltweit von Umweltschutzorganisationen unter anderem für die Herstellung von gentechnisch veränderten Saatgut heftig kritisiert.

Quelle: dpa

Die Richter bedanken sich und aus dem Publikum ertönt Applaus. Christine Sheppard verlässt den Zeugenstand – und unter den Besuchern kommen kleinere Diskussionen auf. Dabei kommen alle schnell auf einen gemeinsamen Nenner: „Monsanto ist böse.“ Die gesamte Grundstimmung ist gegen den US-Konzern gerichtet und Befürworter sucht man beim symbolischen Prozess vergebens. Eine Einladung zum Tribunal hat Monsanto abgelehnt und kann deshalb keine Stellung beziehen. Für Vorwürfe ist also ausreichend Platz.

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