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27.06.2017

17:24 Uhr

Syngenta

Chinas Agrochemie-Riese hat weiter Appetit

VonSiegfried Hofmann

Chinas Staatskonzern Chemchina hat mit der Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta eine weltweite Führungsrolle im Pflanzenschutzgeschäft erobert. Damit nicht genug – die Chinesen hegen noch große Pläne.

Ren Jianxin wurde auf der Generalversammlung zum neuen Verwaltungsratspräsident von Syngenta gewählt. Reuters

ChemChina-Chef

Ren Jianxin wurde auf der Generalversammlung zum neuen Verwaltungsratspräsident von Syngenta gewählt.

BaselDie neue Zeitrechnung für den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta begann offiziell am Montag. Denn nachdem die chinesische Chemchina im Zuge ihres Übernahmeangebots eine deutliche Mehrheit bei Syngenta übernommen hatte, wurden zu Wochenbeginn auf der Generalversammlung nun auch vier Vertreter des Staatskonzerns aus China in den Verwaltungsrat von Syngenta gewählt – darunter Chemchina-Chef Ren Jianxin als neuer Verwaltungsratspräsident.

Und der neue oberste Syngenta-Kontrolleur präsentierte bei seinem ersten Auftritt in dieser Rolle gleich ambitionierte Ziele für die neue Tochter. Syngenta soll profitabel wachsen und dabei Marktanteile im globalen Agrochemiegeschäft hinzugewinnen. Im Interview mit der Basler Zeitung formulierte Ren zuvor sogar die Ambition, den Umsatz innerhalb von fünf bis zehn Jahren zu verdoppeln. Das wäre eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Umsatzplus von knapp 60 Prozent in den letzten zehn Jahren und den rückläufigen Erlösen in den vergangenen zwei Jahren.

Auf der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag wollte der Chemchina-Chef diese Aussage zwar nicht konkret wiederholen. Klar ist indessen, dass der chinesische Chemieriese sehr ehrgeizige Ziele mit seiner mit Abstand Akquisition verfolgt. Syngenta soll künftig zum Eckpfeiler des Agrochemikaliengeschäfts der Chinesen werden. Vor allem in China, und darüber hinaus auch im gesamten asiatischen Raum, hofft Chemchina, für Syngenta neues großes Wachstumspotenzial zu eröffnen. „Wir sehen dort eine sehr, sehr große Chance, unser Geschäft auszubauen“, bekräftigte Syngenta-Chef Erik Fyrwald.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Ren und Fyrwald machten zugleich  deutlich, dass auch weitere Akquisitionen zur Strategie gehören, insbesondere im Saatgutgeschäft. „Wir schauen aktiv nach Akquisitionen und Kollaborationen, um unser Saatgutgeschäft zu stärken.“ Fyrwald  hat dabei unter anderem mögliche Akquisitionsobjekte im Auge, die aufgrund kartellrechtlicher Auflagen im Zuge weiterer Großfusionen in der Agrochemie auf den Markt kommen könnten. Aber auch darüber hinaus sei man interessiert. „Wir wollen von einem abgeschlagenen Dritten zu einer starken Nummer drei im Saatgutgeschäft werden“, so Fyrwald.

Mit der vereinbarten  Fusion von Dow und Dupont in den USA und der geplanten Übernahme von Monsanto durch Bayer stehen noch zwei weitere große Transaktionen in der Agrochemie-Branche bevor. Insbesondere Saatgut-Geschäfte, die Bayer und Monsanto im Zuge ihrer Fusion veräußern müssen, könnten für Syngenta interessant sein.

Chemchina zahlt für den Baseler Konzern insgesamt rund 43 Milliarden Dollar und hat inzwischen knapp 98 Prozent der Syngenta-Aktien übernommen. Der chinesische Konzern will Syngenta zunächst komplett von der Börse nehmen. Er plant aber, wie Ren bekräftigte, im Laufe der nächsten fünf Jahre einen Minderheitsanteil an der Firma wieder neu an der Börse zu platzieren. Der Zeitpunkt dafür werde von der Marktsituation abhängen.

Nicht zuletzt auch mit Blick auf diesen Plan soll sich an den Grundsätzen der Unternehmensführung bei Syngenta nichts ändern, wie der bisherige Präsident des Verwaltungsrates, Michel Demaré, betonte. „Wir wollen die höchsten Corporate-Governance-Standards bewahren“, sagte er. Demaré hat nach der Wahl Rens die Position des stellvertretenden Verwaltungsratspräsidenten übernommen und ist einer von vier unabhängigen Vertretern, die dem Gremium weiterhin angehören werden.

Chemchina baut der Übernahme von Syngenta  seinen Gesamtumsatz auf umgerechnet etwa 57 Milliarden Dollar aus.  Der staatseigene Konzern produziert unter anderem auch petrochemischen Basisprodukte, Kunststoffen, Fasern, Düngemitteln, Kautschuk und zudem auch in der Produktion von Maschinen zur Kunststoffverarbeitung tätig. Er ist in den vergangenen Jahren bereits stark durch Zukäufe gewachsen, darunter auch die Übernahme des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Kauf des deutschen Kunststoff-Maschinenbauers KraussMaffei im vergangenen Jahr.

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