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04.07.2013

19:36 Uhr

T-Shirt-Eklat

Götze im Sponsorenkrieg

VonAlexander Möthe

Bei seiner Präsentation trägt Bayerns Neuzugang Mario Götze ein Nike-Shirt und erzürnt damit Ausrüster Adidas. Im Wettbewerb der Sporthersteller wird der Umgangston immer rauer - und die Spieler zu Marionetten.

Corpus delicti: Das Nike-Shirt von Bayerns Neuzugang Mario Götze (links) verstößt gegen die Regeln des Ausrüsters Adidas. dpa

Corpus delicti: Das Nike-Shirt von Bayerns Neuzugang Mario Götze (links) verstößt gegen die Regeln des Ausrüsters Adidas.

München/DüsseldorfDer erbitterte Konkurrenzkampf zwischen den Platzhirschen der Sportartikelhersteller, Adidas und Nike, hat neue Ausmaße angenommen. Der Fall Mario Götze zeigt, dass sogar aus einem mutmaßlichen Garderoben-Fauxpas schnell eine Affäre werden kann, die sich negativ auf Spieler, Vereine und auch die Ausrüster selbst auswirken kann – ob nun lanciertes Guerilla-Marketing oder nicht. Die heftigen Ausschläge sind mindestens Indiz dafür, mit welch harten Bandagen der Kampf zwischen den Ausrüstern geführt wird.  Und dass, wo gerade die Vereine grundsätzlich mehr von der Rivalität von Nike, Adidas und mitunter auch Puma profitieren könnten.

Zwei Tage ist es nun her, dass Mario Götze und Jan Kirchhoff ihre offizielle Vorstellung als Spieler des FC Bayern München genießen konnten. Besonders auf den Ex-Dortmunder Götze richteten sich die Blicke, oder besser: die Objektive, der Fußballwelt. Denn auch wenn der Beiname „German Messi“ vor einiger Zeit leichtfertig an Marco Marin veruntreut wurde, muss (und darf) sich Bayerns Neuzugang mit dem Fußballgenie des FC Barcelona vergleichen lassen. Auch, wenn er selbst ganz bescheiden über die spanische Sportzeitung „Marca“ verlauten ließ, er möchte lieber der deutsche Ronaldo sein. Unter Pep Guardiola soll Götzes Stern in München bald in ähnlichen Sphären funkeln, in denen sonst nur die Leo Messis dieser Welt tummeln.

Nun sind Fußballer nicht perfekt. Auch, wenn Berater ihre Geschäfte führen, Agenturen ihre Social-Media-Aktivitäten koordinieren und PR-Abteilungen jegliche Kommunikation konzertieren. Das hat Messi selbst unlängst mit seiner Steueraffäre bewiesen. Oder eben auch Mario Götze, der sich vor gut einer Woche bei Facebook von den BVB-Fans verabschiedete – um sich bei den Bayern  auf „ein neues Kapital in seiner Karriere“ zu freuen.

Ausgerechnet Mario Götze. Der „Judas“, wie ihn Teile des Dortmunder Fanlagers nach seinem vorzeitig bekannt gewordenen Wechsel nach München nannten. Ausgerechnet Götze, der in der entscheidenden Phase der Saison zum Spielball der Psychospielchen zwischen BVB und FCB geworden ist.

Und dann läuft ausgerechnet dieser Mario Götze bei der Vorstellung seines Trikots von Bayern-Ausrüster Adidas mit einem T-Shirt auf, auf dem das Logo des Hauptkonkurrenten Nike prangt.

So richtig „amused“ war über den „Fauxpas“ in und um München herum niemand. Zumal eben auch noch Verteidiger Jan Kirchhoff in einem Nike-Shirt auftrat.  Naivität? Unachtsamkeit? Nein, sagt Sportmarketing-Experte Peter Rohlmann gegenüber Handelsblatt Online: „So dumm können Zufälle gar nicht zusammenfallen.“

Tatsächlich wirkt die Darstellung des Kölner Express, die das Thema am Donnerstag wieder hat aufkochen lassen, etwas abenteuerlich. Den Information der Zeitung zufolge hatte Götze zunächst zumindest ein unauffälligeres Shirt getragen. Kurz vor der Präsentation sei ihm dann jedoch von einem Nike-Mitarbeiter unter Verweis auf dessen nervöses Schwitzen ein neues Oberteil ausgehändigt worden. Der Spieler habe dann nicht mehr draufgeguckt – und demnach ignoriert, dass auf seiner kompletten Brust „Nike“ zu lesen war. Und dann war eben das Malheur passiert.

Kommentare (4)

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Ralf

05.07.2013, 11:54 Uhr

arme welt wenn man nicht mal mehr anziehen kann was man will.
adidas soll nicht gleich anfangen zu heulen. Ist ja peinlich

Zuschauer

05.07.2013, 12:26 Uhr

Über diese Instinktlosigkeit kann man nur den Kopf schütteln.

Adidas ist nicht nur im Aufsichtsrat vertreten. Adidas ist Miteigentümer der FC Bayern AG und eines der 30 Dax-Unternehmen. Adidas ist auch eines der Stuhlbeine des wackligen Stuhles, auf dem der Präsident des FC Bayern sitzt.

Wenn sich der Vorstand von Adidas dieses Verhalten gefallen läßt ...

Das kommt davon, wenn man junge Spieler mit Topmanagergehältern ausstattet.

PS. Bei der Tour de France wurde Toni Martin wegen eines geringfügigen Delikts mit einer Geldstrafe belegt.

Hier liegt ein grober Vertragsverstoß vor - oder der Vertrag wurde schlecht ausgehandelt. Dann darf sich Audi auf der nächsten Präsentation sicher auch mal über einen BMW oder Mercedes freuen :-))

Man muß sich fragen, ob ein Spieler wie Götze nicht am besten gleich weiterverkauft werden sollte. Die Verpflichtung ist jetzt schon ein halbes Eigentor.

Account gelöscht!

05.07.2013, 13:04 Uhr

Meine Güte! Nun ist schon das Sponsoren-Drumherum wichtiger als der Sport oder die sportliche Leistung der Akteure. So schön Fußball noch immer ist, diese Penetranz der Sponsoren ist nur noch eklig. Allein die dutzenden Logos bei den Pressekonferenzen sind mehr als lächerlich. Glauben die Firmen wirklich, dass ich als Konsument so was noch wahrnehme? Sorry, sogar als Bayern-Fan ist es mir nicht aufgefallen, dass Götze ein Nike-Shirt trägt. So was findet nicht mal mehr die Aufnahme ins Kurzzeitgedächtnis.

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