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22.11.2015

12:48 Uhr

Tag Neun im Porsche-Prozess

Halbzeit

VonMartin-W. Buchenau

Prozess wegen Marktmanipulation gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking und seinem damaligen Finanzchef Härter ist Halbzeit. Sie sollen im Übernahmekampf um Volkswagen 2008 Anleger durch Verschleierung getäuscht haben.

Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (links), und dem ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter wird vor dem Landgericht in Stuttgart (Baden-Württemberg) Manipulation vorgeworfen. dpa

Prozess gegen ehemalige Porsche-Vorstände

Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (links), und dem ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter wird vor dem Landgericht in Stuttgart (Baden-Württemberg) Manipulation vorgeworfen.

StuttgartUnd was geschah bisher? Die beiden Angeklagten sind nach wie vor von der Richtigkeit ihrer Mitteilungen im Übernahmekampf um VW und damit ihrer Unschuld überzeugt. Die Staranwälte Hanns Feigen, Walter Graf und Sven Thomas führen die angekündigte Freispruchs-Verteidigung. Die beiden jungen Staatsanwälte Heiko Wagenpfeil und Aniello Ambrosio konnten bislang noch nicht so recht glänzen. Lassen sich aber nicht entmutigen: „Abgerechnet wird erst zum Schluss“.

Und Richter Frank Maurer stellt ruhig seine Fragen und lässt sich vor allem eines noch nicht - in die Karten schauen. Die Vertreter der Hedgefonds, die sich durch Porsche hintergangen fühlen und auf milliardenschweren Schadenersatz in Zivilprozessen klagen, sitzen mit gezücktem Stenoblock im Publikum. Sie hoffen auf Munition für ihre Sache.
Und wie steht es mit den Zeugen? Der Gutachter Professor Hans-Peter Burghof hat versucht, mit wirtschaftswissenschaftlichen Modellen zu erklären, warum die Auswirkung der laut Anklage fehlerhaften Mitteilungen des Sportwagenbauers auf den Kurs der VW-Aktie nicht nachweisbar sind. Aber wenn man seine Modelle streng anwendet, dürfte quasi keine Pressemitteilung irgendeines Großkonzerns auf der Welt einen messbaren Einfluss auf einen Aktienkurs haben.

Das ist Wendelin Wiedeking

Vor Gericht

Anstatt am Steuer eines Sportwagens muss Manager Wendelin Wiedeking in den kommenden Monaten zumindest zeitweise auf der Anklagebank Platz nehmen. Für den einstigen Porsche-Chef ist das ein lästiges Kapitel, das er schnell wieder schließen will. Wer ist der Mann, der einst Deutschlands bestbezahlter Manager war?

Quelle: dpa

Porsches Lichtgestalt

Wendelin Wiedeking war in der Autobranche lange Zeit eine Art Lichtgestalt: Irgendwie war er stets auf der Überholspur. Als der Maschinenbauer 1992 an die Spitze des Sportwagenbauers Porsche berufen wurde, liefen die Geschäfte mau. Der gebürtige Westfale schaffte es, Überkapazitäten in der Produktion sowie im Personalbereich am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen abzubauen und Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt zu machen.

Alphatier und Lebemann

Der heute 63-Jährige wurde der bestverdienende angestellte Manager Deutschlands. Medienberichten zufolge soll das machtbewusste «Alphatier» im Geschäftsjahr 2007/08 sage und schreibe 100,6 Millionen Euro für seine Tätigkeit beim PS-starken Unternehmen eingestrichen haben. 2009 musste Wiedeking nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW seinen Chefsessel räumen. Er trat stets selbstbewusst auf, im edlen Zwirn und mit dicken Zigarren genoss er seinen Erfolg.

Unternehmer mit vielen Steckenpferden

Eine Rückkehr in die Chefetage eines großen Konzerns hat Wiedeking nach seinem Porsche-Abgang ausgeschlossen - er will sein eigenes Ding machen als Unternehmer. Sein Vermögen hat Wiedeking auch in zahlreiche Firmen investiert, etwa in die Italo-Restaurantkette Tialini. Auch Internet-Reiseportale und einen Schuh-Hersteller nennt er sein Eigen. Im Privaten setzt er auf Konstanz: Seine Frau und er sind seit Schulzeiten ein Paar, die beiden haben zwei Kinder.

Ob es nun einen besseren Gutachter gegeben hätte – wie ihn sich die Staatsanwaltschaft nicht ganz zu Unrecht fordert - sei dahingestellt. Das Gericht hat ihn bestellt, und die Verteidigung war es zufrieden. Ihre Klienten können nur verurteilt werden, wenn die Marktmanipulation auch tatsächlich Erfolg hatte.

Die Forderung der Verteidigung, dass man nach der Anhörung gleich zum Plädoyer gehen könnte, war aber dann doch etwas zu vorschnell. Die Staatsanwälte haben zumindest versucht, das Gutachten zu entwerten. Der Richter hat noch nicht durchblicken lassen, welches Gewicht er dem Gutachten beimisst. Ebenso nicht dem Antrag der Staatsanwälte, in Ergänzung Marktteilnehmer vom Oktober 2008 als Zeugen zu laden. Und zwar nicht nur solche, die im Oktober Aktien von VW kauften oder verkauften, sondern auch Anleger, die nicht gehandelt haben. Das gibt noch Spannung für die zweite Halbzeit.
Dass an den folgenden Verhandlungstagen die Rechtsberater von Freshfields, die ein Vermögen mit ihrem Mandat bei Porsche verdient haben, ihre ehemaligen Auftraggeber belasten würden, war nicht ernsthaft zu erwarten. Die direkten Mitarbeiter von Wiedeking und Härter gaben ein recht heterogenes Bild ab.

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