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19.10.2015

11:55 Uhr

Tagebuch eines VW-Opfers

Jetzt schlägt die Stunde der Anwälte

VonStefan Kaufmann

VW-Fahrer mit einem Dieselgate-Wagen und einer Rechtsschutzversicherung telefonieren derzeit gerne mit ihrer Versicherung – sie wollen Schadenersatz einfordern. Auch klagewillige Anwälte wittern ihre Chance – zu Recht?

Motorhaube auf: Jetzt geht es bei VW ans Eingemachte.

VW Caddy

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Brauche ich eigentlich eine Rechtsschutzversicherung? Nur wenn Du eines Tages Vermieter wirst, sagt ein Freund. Er sollte es wissen, arbeitet er doch bei einer Versicherung. Derzeit hat er jede Menge zu tun mit Menschen, die eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben und zugleich einen Volkswagen mit Schummelsoftware an Bord ihr Eigen nennen. Die Nachfragen häufen sich, seit Dieselgate bekannt und die Ausmaße des VW-Betrugs immer größer wurden.

„Ich brauche einen Rechtsbeistand“, heißt es dann bei den Telefonaten, die mein Freund beruflich führt. „Ich möchte VW verklagen.“ Beziehungsweise eine Entschädigung einfordern. Vor allem Kunden, die gerade erst viel Geld in einen Neuwagen gesteckt haben, sind entschlossen, sich einen großen Batzen zurückzuholen. „Manche“, erzählt mein Freund, „wollen direkt 30 Prozent vom Kaufpreis zurück.“

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Aber nicht nur Kunden melden sich bei den Versicherungen, auch Anwälte, die auf neue Klienten schielen. Der VW-Skandal als neues Geschäftsfeld. Denn die Klage auf Schadenersatz dürfte in Deutschland kompliziert werden. Autokäufer müssten sich wohl zunächst mit dem Verkäufer des Autos streiten – in den meisten Fällen also mit dem Händler, nicht mit dem VW-Konzern. Und bis der Händler das Auto tatsächlich zurücknimmt, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: erhebliche Mängel, also dass das Auto nach der Umrüstung zum Beispiel deutlich langsamer fährt oder viel mehr Sprit verbraucht. Der Kauf darf auch nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. Und so weiter.

Weil die Lage so verworren ist, halten die Versicherungen sich auch zurück – und wiegeln die Hilferufe ihrer Kunden erstmal ab. Mein Gefühl: Es wird alles andere als einfach für alle Klagewilligen. Und ein Fest für ihre Anwälte.

Handelsblatt-Redakteur Stefan Kaufmann schreibt an dieser Stelle regelmäßig über seinen Caddy, die Abgasaffäre und seine Fragen an Volkswagen.

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