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07.10.2015

15:37 Uhr

Tagebuch eines VW-Opfers

Und plötzlich mittendrin im riesigen VW-Skandal

VonStefan Kaufmann

Jetzt habe ich Gewissheit: Ich bin eines von rund elf Millionen Schummelsoftware-Opfern. Und nun? Muss der Motor aus meinem VW Caddy raus? Verliere ich PS? Viele Fragen sind offen – nur eine hat VW zum Glück beantwortet.

Motorhaube auf: Jetzt geht es bei VW ans Eingemachte.

VW Caddy

Motorhaube auf: Jetzt geht es bei VW ans Eingemachte.

Heute muss sich Volkswagen erklären. Wie reagiert der Autobauer auf die Abgas-Manipulationen? Nicht nur das Kraftfahrt-Bundesamt wartet auf Antworten – seit Sonntag warte auch ich. Die ersten Tage habe ich das Beben von Wolfsburg noch gespannt-irritiert aus der Ferne verfolgt. Doch am Wochenende, als ich die Zeit finde, den Fahrzeugbrief von unserem VW Caddy herauszusuchen, holt die Abgas-Affäre auch mich ein.

Ich rufe die VW-Homepage auf – und darf erstmal suchen. Schön versteckt unter „Service & Zubehör“ findet sich ein Link auf die „Abfrage Feldmaßnahmen“. Ich tippe unsere Fahrgestellnummer ein und bekomme automatisch Post von Thomas Zahn. „Lieber Volkswagen Kunde“, schreibt der Leiter Vertrieb und Marketing Deutschland. Und weiter: „Wir müssen Sie leider informieren, dass der in Ihrem Fahrzeug (…) eingebaute Dieselmotor vom Typ EA189 von einer Software betroffen ist, die Stickoxidwerte im Prüfstandlauf optimiert.“ Es folgen Worte des Bedauerns.

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Eine „schnelle und schonungslose Aufklärung“ des Diesel-Skandals verspricht Volkswagen-Chef Matthias Müller seiner Belegschaft. Gleichzeitig müssten Investitionen auf den Prüfstand – und der Sparkurs wird verschärft.

Rumms. Jetzt bin ich offiziell ein Betrugsopfer. Mittendrin im riesigen VW-Skandal. Dabei bin ich noch gar nicht lange Mitglied des Volkswagen-Klubs. Vor einem Jahr stand noch ein kleiner Toyota vor der Haustür – praktisch für gelegentliche Fahrten in Düsseldorf, vor allem bei der Parkplatzsuche.

Doch Ende 2014 der Wechsel zu VW. Meine Familie wuchs von zwei auf drei – und damit der Anspruch an unser Auto: Platz für Maxi-Cosi, Kinderwagen, Gedöns. Der Caddy, den ein Bekannter abstoßen wollte, erfüllte alle Bedingungen: große Rückbank und großer Kofferraum. Und günstiger als der Touran. Der Caddy, berühmt geworden als Handwerker-Auto, ist vom Wesen immer ein Lieferwagen geblieben.

Unser Familien-Lieferwagen fuhr bislang zuverlässig, auch mit Schummelsoftware. Muss ich diese jetzt ersetzen? Wie viele PS verliere ich dann? Und was, wenn ich alle Rückholaufrufe ignoriere? Es sind viele Fragen, die ich mir stelle. Die wichtigste für mich hat VW immerhin schon beantwortet. „Wir versichern Ihnen jedoch, dass Ihr Fahrzeug technisch sicher und fahrbereit ist!“, schreibt Thomas Zahn. Das will ich VW auch geraten haben.

Handelsblatt-Redakteur Stefan Kaufmann schreibt an dieser Stelle regelmäßig über seinen Caddy, die Abgasaffäre und seine Fragen an Volkswagen.

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