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08.07.2014

07:23 Uhr

Tarifeinigung

Mehr Geld für Stahlarbeiter

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Stahlindustrie auf einen neuen Tarif verständigt. Der Einigung vorangegangen waren zahlreiche Warnstreiks.

Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk vor einem glühenden Stahlcoil: Ab Juli bekommen die Mitarbeiter der Stahlindustrie mehr Geld. dpa

Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk vor einem glühenden Stahlcoil: Ab Juli bekommen die Mitarbeiter der Stahlindustrie mehr Geld.

GelsenkirchenDer Tarifstreit in der nordwestdeutschen Stahlindustrie ist beigelegt. Die rund 75 000 Beschäftigten erhalten ab diesen Juli für die nächsten 17 Monate in zwei Schritten mehr Geld. In den ersten zehn Monaten gibt es 2,3 Prozent mehr, ab 1. Mai 2015 für sechs Monate 1,7 Prozent. Darauf verständigten sich Arbeitgeber und IG Metall am Dienstagmorgen in Gelsenkirchen.

Die Gewerkschaft hatte fünf Prozent mehr gefordert und dabei auf eine wieder anziehende Auftragslage und eine verbesserte Auslastung in der Branche verwiesen. „Wir wollten mehr Geld. Mit der zweistufigen Erhöhung im Gesamtvolumen von vier Prozent ist uns das deutlich gelungen“, sagte IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Helmut Koch sprach dagegen von einem „Kompromiss am Rande dessen, was wir verkraften können“.

Rund 14 Stunden dauerte der Tarif-Gesprächsmarathon in der bereits vierten Verhandlungsrunde. Ein Knackpunkt war vor allem die künftige Regelung der Altersteilzeit. Wegen des neuen Gesetzes zur Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren hätten zahlreiche Stahlarbeiter mit finanziellen Einbußen bei ihren Altersteilzeitverträgen, die bis zum 65. Lebensjahr laufen, rechnen müssen. Arbeitgeber und Gewerkschaft verständigten sich nun darauf, dass die Ansprüche erhalten bleiben.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Darüber hinaus soll die unbefristete Übernahme der Auszubildenden, die nun monatlich 36 Euro mehr bekommen, bis Ende Januar 2018 verlängert werden. Auch das war eine zentrale Forderung der Gewerkschaft. Zum Schutz der Beschäftigten von Werkverträgen wurden außerdem Standards zur Einhaltung von Tarifverträgen und Arbeitszeiten vereinbart. „Wir wollten mehr Sicherheit und Fairness. Auch das haben wir erreicht“, zeigte sich Giesler zufrieden.

Der Einigung vorangegangen waren zahlreiche Warnstreiks, an denen sich in den vergangenen Tagen nach Angaben der IG Metall rund 16 000 Beschäftigte der Branche beteiligt hatten. Am Mittwoch muss die Tarifkommission der IG Metall in Sprockhövel noch über die Annahme des Ergebnisses entscheiden.

Von

dpa

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