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25.10.2014

14:33 Uhr

Tarifkonflikt

Automobilindustrie fürchtet Dauerstreiks

An der Streikfront bei Lufthansa und Bahn herrscht derzeit zwar Ruhe – dennoch warnen wichtige Branchen vor weiteren Arbeitsniederlegungen. Sie könnten auch die Autobranche treffen.

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), befürchtet durch die Streiks bei Piloten und Lokführern negative Folgen für die deutsche Wirtschaft. dpa

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), befürchtet durch die Streiks bei Piloten und Lokführern negative Folgen für die deutsche Wirtschaft.

Berlin/OsnabrückDie Automobilindustrie hat vor Dauerstreiks der Lokführer und Piloten gewarnt. Der Chef des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann, forderte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag) die Lokführer-Gewerkschaft GDL und die Pilotenvereinigung Cockpit auf, ihre „Schlüsselposition“ nicht zu missbrauchen. Für die Automobilhersteller spiele die Bahn eine wichtige Rolle bei der Materialanlieferung. Außerdem werde jeder zweite Neuwagen über die Schiene transportiert.

Zulieferer und Hersteller seien bisher in der Lage gewesen, auch in Ausnahmesituationen funktionierende Lieferketten zu sichern, sagte Wissmann. Während der jüngsten Bahnstreiks hätten sich viele Unternehmen den Zugriff auf zusätzliche Lkw-Kapazitäten gesichert.

An der Streikfront hatte sich zuletzt Entspannung abgezeichnet, die Tarifkonflikte sind aber weiter ungelöst. Bei der Lufthansa wollen sich die Tarifparteien nach acht Streikwellen der Piloten wieder an einen Tisch setzen. In dem Streit geht es um die Übergangsrenten der Piloten, die nach dem Willen des Unternehmens erst später in den bezahlten Vorruhestand gehen sollen. Die Gewerkschaft wehrt sich dagegen.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte angekündigt, sie wolle bis zum 2. November nicht streiken. Dennoch ist der Graben zwischen GDL und Deutscher Bahn tief. Die GDL besteht darauf, auch für jene Berufsgruppen eigene Tarifverträge aushandeln zu dürfen, bei denen sie nicht die Mehrheit der Mitglieder hat.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte angesichts der Streiks bei der Bahn und der Lufthansa bereits vor schwerwiegenden Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur gewarnt. „Wenn Menschen nicht zur Arbeit kommen und Güter nicht transportiert werden, dann leidet auch die Wirtschaft“, sagte der CSU-Politiker in der vergangenen Woche der „Bild“.

Vor allem die Autoindustrie sei auf zeitlich präzise Lieferungen für ihre Produktion angewiesen, hatte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, vor kurzem der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt. Es gebe empfindliche Beeinträchtigungen, wenn sich etwa Bahntransporte nicht auf den Straßen- oder Schiffsverkehr verlagern ließen. Auch die Stahl-, Chemie- und Mineralölbranche seien betroffen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

27.10.2014, 18:53 Uhr

Autoindustrie fürchtet? Richtig so! Warum weigern sie sich Qualität zu liefern und machen nur noch Rückrufaktionen? Ist die die Voraussetzung für Automobilmanager mit extrem hohen Vergütungen???

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