Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2010

11:26 Uhr

Tarifverhandlungen

Schluckt die IG Metall wirklich eine Nullrunde?

VonDietrich Creutzburg

Trotz Krise bahnt sich in der Metallindustrie eine harmonische Tarifverhandlung ohne Arbeitskampf an. In Sondierungsgesprächen arbeiten IG Metall und Arbeitgeber bereits einen Kompromiss aus. Doch die neu entflammte Kritik an der Lohnzurückhaltung nährt Zweifel, dass der Friede von langer Dauer sein wird.

Die Tarifverhandlungen könnten dieses Jahr ohne Arbeitskampf über die Bühne gehen. ap

Die Tarifverhandlungen könnten dieses Jahr ohne Arbeitskampf über die Bühne gehen.

BERLIN. Es wäre ein echtes Novum in der zurzeit hartgebeutelten Metall- und Elektroindustrie: Bevor die mit Spannung erwartete Tarifrunde 2010 so recht begonnen hat, präsentieren IG Metall und Arbeitgeber bereits einen sorgsam austarierten Kompromiss zur Jobsicherung - und erklären den ganzen Konflikt für gelöst.

Entsprechende Bemühungen laufen angesichts der harten Konjunkturkrise tatsächlich. Doch wächst auf Arbeitgeberseite die Sorge, dass die IG Metall diesen Ansatz nicht durchhält. "Wer in solchen Zeiten Personalkostenerhöhungen androht, der riskiert völlig unerwünschte Reaktionen", sagte der Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, dem Handelsblatt.

Seit Dezember gab es diverse regionale Sondierungsgespräche, in denen Unterhändler beider Seiten Wege zu einem tariflichen "Job-Paket" ausloteten. Dabei hatte die IG Metall eine gewisse Bereitschaft angedeutet, eventuell auf eine pauschale Lohnforderung zu verzichten - falls ein aus ihrer Sicht erfolgreicher Pakt zur Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen gelingt. "Wir benötigen Lösungen, die schneller sind als die Probleme, denen wir uns 2010 in den Betrieben zu stellen haben", hatte NRW-Bezirksleiter Oliver Burkhard betont.

Für neue Zweifel sorgte indes die in dieser Woche wieder entflammte Grundsatzdebatte über die Lohnpolitik: "Gerade in der Krise ist Kaufkraft unverzichtbar", wies IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer Forderungen nach einer Lohnpause zurück. Der gewerkschaftsnahe Konjunkturforscher Gustav Horn nannte Lohnzurückhaltung gar "Gift für die Wirtschaft".

Die Metall- und Elektroindustrie ist mit 22 000 Betrieben und 3,45 Millionen Beschäftigten ein Schlüsselbereich der Wirtschaft. Gesamtmetall hebt stets hervor, wie stark sich die Firmen bereits für Jobsicherung engagiert hätten: Bei Produktionseinbrüchen von einem Drittel sei die Zahl der Beschäftigten bisher nur um fünf Prozent gesunken. Die Kehrseite: "Die Betriebe leiden unter einem unerträglichen Anstieg der Lohnstückkosten, einem Einbruch der Produktivität, schwacher Auslastung und zunehmenden Finanzierungsrisiken", warnte Kannegiesser. "Vor uns liegt ein weiteres Jahr des Krisenmanagements", sagte er. "Die Belegschaften wissen dies." Aufgabe der Tarifparteien sei es, genau dies zu respektieren.

Die neue Lohndebatte ist deshalb heikel, weil die IG Metall bald entscheiden muss, ob und mit welchen Vorzeichen in diesem Jahr die traditionelle innergewerkschaftliche Diskussion über die Höhe einer Lohnforderung anlaufen soll.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Stephan Wunsch

11.01.2010, 18:08 Uhr

Nach Kannegiesser, den Arbeitgebern und den von diesen finanzierten instituten ist NiE Spielraum für spürbare Einkommenssteigerungen der beschäftigten. Auf diese ritualisierten Floskeln ist daher längst nichts mehr zu geben, die sind sinnentleert.

Für die beschäftigten nachteilig ist wie seit Jahren die Tarifpolitik der iG Metall. Deren Mitglieder mussten sich über viele Jahre mit Mickerlohnsteigerungen zufrieden geben. Damit die iG Metall ihr politisches Herzensanliegen, die tarifliche Zusammenlegung von Arbeitern und Angestellten durchbrachte, koste das die beschäftigten, was die iG Metall wolle.

Dadurch wurden in boomzeiten Reallohnverluste für die beschäftigten und Rekordprofite bei den Unternehmen erreicht. Nun ist es aber hoch an der Zeit für einen großen Nachholschluck aus der Gehaltspulle. Wie man so etwas durchsetzt kann sich die iG Metall bei den bahnern, den Piloten oder den Ärzten abschauen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×