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24.03.2014

17:05 Uhr

Tarifvertrag zur Werksschließung

Das letzte Gefecht der Opelaner in Bochum

Ende des Jahres werden bei Opel in Bochum keine Autos mehr gebaut. Doch über die Eckdaten der Werksschließung herrscht noch Unklarheit. Mit Demonstrationen streiten die Opelaner für ihre Sache.

Auf einer Protestkundgebung der IG Metall zeigen die Mitarbeiter ihre Meinung zur Werksschließung. dpa

Auf einer Protestkundgebung der IG Metall zeigen die Mitarbeiter ihre Meinung zur Werksschließung.

BochumDie Opel-Beschäftigten in Bochum fordern Klarheit und einen juristisch belastbaren Tarifvertrag für die geplante Werksschließung Ende des Jahres. Rund 1000 Opelaner demonstrierten deshalb am Montag, während Unternehmensvertreter und IG Metall über den Tarifvertrag verhandelten.

Bisher gibt es nur von beiden Seiten gebilligte Eckpunkte, aber keinen Tarifvertrag. Die Eckpunkte sehen Abfindungen, Versetzungsangebote und die Aufstockung des Opel-Ersatzteillagers in Bochum um 265 auf 700 Stellen am Standort vor. Außerdem sollen 100 industrielle Ersatzjobs geschaffen werden.

Die Verhandlungen gingen am Nachmittag weiter. Mit einem Ergebnis sei am Montag nicht zu rechnen, hieß es aus Verhandlungskreisen. Die Gespräche gingen sehr in die Details. „Opel steht zu den Eckpunkten und hat Verständnis für das Bedürfnis der Mitarbeiter nach klare Aussagen“, sagte ein Firmensprecher.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Während der Demonstration und einer Kundgebung ruhte die Autoproduktion ab 11 Uhr für drei Stunden bis zum Beginn der Mittagsschicht. Parallel zu der Kundgebung gab es eine weitere Demonstration von Opel-Beschäftigten, die grundsätzlich gegen die Werksschließung sind. Daran nahmen laut Polizei etwa 200 Mitarbeiter teil.

In Bochum werden jeden Tag rund 560 Autos gebaut. „Wir erwarten, dass Opel für die Menschen und die Region endlich Klarheit schafft und akzeptable Antworten liefert“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler. „In Bochum fliegen jetzt die Mitarbeiter“, stand auf T-Shirts der Demonstranten. Von der Werksschließung sind rund 3300 Opelaner betroffen. Für das Unternehmen wird der Schritt laut Branchenkreisen nicht billig: Die Kosten für Abfindungen und Fortbildungsprogramme lägen bei über 500 Millionen Euro, hieß es.

Von

dpa

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