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23.11.2015

06:45 Uhr

Tata Steel

Stahl aus Sonnenstrom

VonMartin Wocher

80.000 Sonnenmodule sollen auf einem Stahlhütten-Dach so groß wie 40 Fußballfelder rund 22 Megawatt Strom liefern. Das Energieunternehmen Pure Energy investiert in den Niederlanden 20 Millionen Euro in eines der größten Solarprojekte der Welt.

Die Stahl-Gewinnung gehört zu den energieintensivsten Herstellungsverfahren überhaupt. Tata Steel will seine Energiekosten senken – etwa mit dem Einsatz von Solaranlagen. dpa

Sonnenkraft

Die Stahl-Gewinnung gehört zu den energieintensivsten Herstellungsverfahren überhaupt. Tata Steel will seine Energiekosten senken – etwa mit dem Einsatz von Solaranlagen.

DüsseldorfEs ist eines der größten Solarprojekte weltweit, das Strom aus auf Dächern montierten Sonnenkollektoren gewinnen wird: Auf einer Fläche von gut 25 Hektar – so groß wie 40 Fußballfelder – will Europas zweitgrößter Stahlkocher Tata Steel rund 80.000 Sonnenmodule auf dem Hallendach seines größten Stahlwerks in den Niederlanden installieren. Anfang kommenden Jahres soll die Anlage in Ijmuiden in Betrieb gehen – und nach zwei Jahren 22 Megawatt Strom liefern. Das entspricht dem Verbrauch von 7000 Privathaushalten.

Rund 20 Millionen Euro lässt sich das niederländische Energieunternehmen Pure Energy diese Investition kosten. Innerhalb von neun Jahren sollen sich die Ausgaben nach Konzernangaben amortisiert haben. Da im ersten Schritt nur ein Teil der Stahlhütte-Dächer mit Kollektoren bedeckt werden, erwägen Tata Steel und Pure Energy eine Erweiterung in einigen Jahren. Denn so groß und ambitioniert das Projekt auch ist – die in Indien gefertigten Sonnenkollektoren werden mit ihren 22 Megawatt gerade einmal ein Prozent des Energiebedarfs von Tata Steel an diesem Standort decken. Der Grund: Die Gewinnung von Stahl gehört zu den energieintensivsten Herstellungsverfahren überhaupt. Kein Wunder, dass die Stahlindustrie seit jeher daran interessiert ist, diesen Kostenblock zu minimieren.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Gedreht wird dabei an allen Stellschrauben. „Seit 1990 haben wir die zur Stahlherstellung benötigte Energiemenge in Ijmuiden bereits um mehr als 30 Prozent reduziert“, sagte Hans Fischer, Chief Technical Officer von Tata Steel in Europa. „Dabei handelt es sich bereits um eines der energieeffizientesten Stahlwerke der Welt.“ Der gewonnene Solarstrom soll künftig direkt in die Stahlherstellung fließen. Bislang werden die bei der Produktion gewonnenen Hüttengase aufgefangen und in eigenen Kraftwerken verstromt. Das macht die Mehrzahl an Stahlkonzerne so, um möglichst effizient zu arbeiten und alle Energiequellen zu nutzen.

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Tata Steel produziert dabei in Ijmuiden sogar mehr Strom, als es im Werk verbraucht – der Rest wird ins öffentliche Netz gespeist. Dieser Anteil wird nun steigen und Tata erhofft sich von seinem Solarprojekt möglichst viele Nachahmer. „Wir hoffen, dass auch andere Firmen in den Niederlanden dem Beispiel folgen“, heißt es.

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