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19.01.2011

11:19 Uhr

Technik-Klau

Wie chinesische Firmen spionieren

VonFinn Mayer-Kuckuk, Fidelius Schmid

Ob gestohlene Programmcodes oder kopierte Bahntechnick: Die Liste der Vorwürfe an China ist lang, wenn es um die illegale Beschaffung von Informationen für die Wirtschaft geht. Sogar normalen Geschäftsreisenden droht in der Volksrepublik die Spionage. Das Reich der Mitte weist jedoch konsequent alle Vorwürfe zurück.

Kritiker werfen China vor, fremde Technik zu ergaunern. Quelle: dpa

Kritiker werfen China vor, fremde Technik zu ergaunern.

PEKING/DÜSSELDORF. Der US-Suchmaschinenbetreiber Google hat Peking beschuldigt, Programmcodes zu stehlen. Der französische Bahnanbieter Alstom hat nachgewiesen, welche Zugtechnik staatliche Hersteller aus dem Reich der Mitte abgekupfert haben. Russland beklagt, dass chinesische Kampfjets ohne Lizenz auf dem russischen Modell Sukhoi SU27-SK beruhen. Die USA werfen dem Netzwerkausrüster Huawei gar vor, das Pentagon abhören zu wollen.

Die Chinesen "erbetteln, ergaunern oder stehlen" alle Technik, die sie für ihren Fortschritt brauchen können, sagt der indische Sicherheitsexperte R. S. Vasan. Auch deswegen erscheint Experten die Industriespionage an Renaults' Elektroauto plausibel, da im Fünfjahresplan festgeschrieben ist, dass China zum Weltmarktführer für grüne Mobilität aufsteigen möchte.

Offiziell weist China diese Form der Spionage zurück. "Die so genannte Geschichte, dass China am Fall Renault beteiligt gewesen sein soll, ist gegenstandslos, unverantwortlich und inakzeptabel", so der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Hong Lei.

Peking weist alle Vorwürfe zurück

Auch Aussagen des Bundesverfassungsschutzes, China stecke hinter Computerattacken auf deutsche Server, wies Peking zurück. "Wir verurteilen hiermit entschieden solche haltlosen Vorwürfe und drücken energisch unsere Unzufriedenheit aus", teilte die Botschaft der Volksrepublik in Berlin mit.

Sogar normalen Geschäftsreisenden droht laut dem Bundesverfassungsschutz in China die Spionage. Das Kölner Amt warnt, dass Telefongespräche abgehört und E-Mails mitgelesen werden könnten. Weiter könnte "ihr Verhalten in Hotels und in der Öffentlichkeit dokumentiert werden".

In Deutschland sind nach Einschätzung der Verfassungsschützer die Chinesen neben den Russen die aktivsten Dienste, wenn es um die Ausspähung der Wirtschaft geht. Chinas Dienste nutzen dafür intensiv die Hilfe ihrer rund 80 000 in Deutschland lebenden Landsleute, um bei den Unternehmen spionieren zu lassen. Auch Mitglieder von Wirtschaftsdelegationen fielen durch Ausspähversuche auf.

Der russische Geheimdienst arbeitet dagegen größtenteils mit hauptamtlichen Mitarbeitern des Nachrichtendienstes, die als Journalisten oder Diplomaten getarnt werden, zusammen. Das Hauptinteresse Moskaus an der deutschen Wirtschaft liegt dabei auf dem Energiemarkt, alternativen und erneuerbaren Energiequellen und Informationen über Biotechnologie sowie Luft- und Raumfahrttechnik.

Kommentare (10)

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Politiker

19.01.2011, 12:37 Uhr

Spionage? Jedes neue Produkt wird sofort auch an Chinesen verkauft. So kann man alles sofort nachbauen. Dies soll Spionage sein? Man gründet gemeinsam Firmen und muss daher sein Wissen teilen! Spionage??

Thomas

19.01.2011, 13:13 Uhr

Das weiß man doch seit Jahren oder vielleicht Jahrzehnten. Und trotzdem wollen plötzlich alle in Chin produzieren. Ob sich das, über den kurzfristigen Erfolg hinaus, reechnet? Das wird sich in ein paaren zeigen. Aber bis dahin führen andere Manager die Firmen und die mit dem kurzfristigen Erfolg sind mit ihren Millionen bon längst über alle berge.

Banker

19.01.2011, 13:18 Uhr

Das gleiche Spiel lief Anfang der 80er-Jahre mit Japan. Auch hier hat man von Spionage geredet. Damals wurde - vor allem in der Automobilindustrie - alles abgekupfert. Was hat es gebracht? Nichts. Japan hat trotzdem über ein Jahrzehnt gebraucht, um den europäischen Standard zu erreichen.

bei China ist das nicht anders. Ein beispiel: seit Jahren kauft China Musikinstrumente (vor allem blechblasinstrumente) aus deutscher Produktion und bauen diese 1:1 nach. Das kann ständig auf internationalen Musikmessen begutachtet werden. Das Ergebnis? Obwohl 1:1 abgekupfert funktionieren (klingen) diese instrumente nicht.

Also nicht in Panik verfallen.

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